Stormarn
Naturschutz

Oststeinbek: Kahlschlag am Mühlenteichufer

Karin Plokarz an der Mündung der Glinder Au in dem Mühlenteich

Karin Plokarz an der Mündung der Glinder Au in dem Mühlenteich

Foto: Susanne Tamm / BGZ

Eigentümer lässt Bäume Fällen. Naturschützer sehen in Oststeinbek Gesetze verletzt. Kreis genehmigte die Fällaktion.

Oststeinbek.  Karin Plokarz kann es nicht fassen: „Seit 17 Jahren wohne ich an der Mühlenstraße. Hier lebten Bussarde, Igel, Zwergtaucher, Kaninchen und Fasane. Ich habe immer auf eine Trauerweide geschaut, deren Äste in die Glinder Au hingen. Ein idyllischer Anblick – und jetzt das!“ Innerhalb weniger Stunden habe ein neuer Grundeigentümer Bäume fällen, die Uferzone roden und dort auch noch die Uferlinie verändern lassen. Plokarz ist Mitglied beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Sie glaubt: „Eine Baumschutzsatzung hätte diesen Eingriff in die Natur verhindert.“

Für die hatte sich der BUND vehement eingesetzt und Unterschriften gesammelt. Doch die Mehrheit der Gemeindevertreter hatte eine derartige Satzung abgelehnt. Hauptbegründung: Die Oststeinbeker liebten ihre Bäume, und würden sie nur im äußersten Notfall beseitigen.

Für die Fällungen sei ein Ausgleich festgesetzt worden

Jürgen Bloch, Leiter der BUND-Ortsgruppe, sagt: „Daher werden wir jetzt die Auswirkungen dieser Ablehnung dokumentieren. Wir fangen an am Mühlenteich, wo nicht nur eine alte Weide entsorgt, sondern auch die gesamte Flora bis direkt an die Glinder Au gerodet wurde.“ Er hat sich an die Untere Naturschutzbehörde (UNB) gewandt und wartet auf die Antwort.

Joachim Schulz, UNB-Fachdienstleiter, bestätigt, dass das Fällen einer Weide genehmigt wurde. „Dafür ist ein Ausgleich festgesetzt worden“, erläutert er. „Der Eigentümer muss zwei neue Laubbäume mit 14 bis 16 Zentimeter Stammdurchmesser in Oststeinbek pflanzen, die zum Standort passen.“ Vögel würden aktuell nicht nisten. „Deshalb ist gegen das Roden der Büsche nichts einzuwenden“, sagt Schulz. Dies sei genehmigungsfrei.

Dennoch sei der Vorgang noch nicht abgeschlossen. Schulz: „Inwieweit dieser Oststeinbeker Bauherr über das Ziel hinausgeschossen ist, ist noch offen. Beim nächsten Ortstermin schaut sich auch jemand vom Gewässerverband auf dem Gelände um.“

Jochen Bloch sagt: „Ich habe erhebliche Zweifel, ob es rechtens ist, direkt an der Glinder Au, als Privatbesitzer eines Grundstücks, einen solchen Kahlschlag zu veranlassen.“ Diplom-Biologe Rudolf Sergel, ebenfalls Mitglied des BUND, sagt: „Es steht außer Frage, dass hier mit der Zerstörung von Uferzonen eines Teilstückes der Glinder Au gravierend gegen deutsches Naturschutzrecht verstoßen wurde.“