Stormarn
Lütjensee

Stormarns neues Jugendcamp nimmt Form an

Uwe Sommer (l.), Geschäftsführer des Kreisjugendrings Stormarn, und Stefan Kühl sind mit dem Baufortschritt  zufrieden

Uwe Sommer (l.), Geschäftsführer des Kreisjugendrings Stormarn, und Stefan Kühl sind mit dem Baufortschritt zufrieden

Foto: Melissa Jahn / HA

Kreisjugendring errichtet für 800.000 Euro am Lütjensee drei Dörfer mit Holzhütten. Das Gelände kann dadurch besser genutzt werden.

Lütjensee.  Auf dem Gelände des Jugendgästehauses, nur 200 Meter vom Nordufer des Lütjensees entfernt, schreitet das Projekt zügig voran. Seit gut einem Monat rattern die Baufahrzeuge über das Gelände: 18 Holzhütten wurden bereits errichtet, nun folgt der weitere Ausbau – eine Versammlungs-Hütte und ein Sportplatz mit Gummibelag. Wenn das Wetter mitspielt, können die Arbeiten am 15. April nächsten Jahres abgeschlossen sein.

Uwe Sommer, Geschäftsführer des Kreisjugendrings Stormarn, ist froh über die zügige Entwicklung des Bauvorhabens. Noch vor wenigen Monaten musste er um die Realisierung des Projektes bangen. Rückblick: Die Vorplanung begann im Jahre 1999, als der Kreisjugendring erste Umbauten in Erwägung zog. Ausgangspunkt für das sogenannte Jugendcamp 2.0 war die Schaffung von nachhaltigen Unterkünften, die möglichst lang genutzt werden können. Durch das klebrige Sekret von Insekten, die die Linden auf dem Gelände bevölkern, wurden die Zelte in der Vergangenheit regelrecht zersetzt und mussten alle zwei bis drei Jahre ausgetauscht werden. Angedacht wurden also feste Unterkünfte, die zusätzlich eine längere Nutzungsdauer von April bis Oktober statt nur von Mai bis September möglich machen. In die Offensive ging das Team trotzdem erst 14 Jahre später und reichte die Idee bei einem Wettbewerb der EU ein, welches Leitprojekte des ländlichen Raumes fördert. „Für die genaue Planung sind wir durch das ganze Land gefahren und haben uns verschiedene Projekte angeschaut“, sagt Stefan Kühl, erster Vorsitzender des Kreisjugendrings. „Die besten Ideen haben wir für uns gesammelt.“

Jede Hütte bietet Platz für acht Betten

Das Engagement zahlte sich aus. Doch die Freude über die erreichten Punkte und die bewilligte Förderung in Höhe von knapp 570.000 Euro aus dem Topf der so genannten ILE-Leitprojekte währte nur kurz: Ein abgelehnter Mitbewerber – der Schulverband Wesselburen – zweifelte das Vergabeverfahren an und legte Widerspruch ein. „Dadurch konnten wir und auch die anderen Projekte kein Geld ausgezahlt bekommen und der Bau wurde zunächst auf Eis gelegt“, so Uwe Sommer. „Das gab einen riesen Aufschrei, so etwas gab es noch nie.“ Die Befürchtung war: Bei einer Klage bis zum Oberverwaltungsgericht, könnte sich eine Entscheidung über mehrere Jahre hinziehen. „Und die Fördermittel der EU warten nicht so lange“, ergänzt Sommer. Doch schlussendlich wurde doch noch alles gut: „Das Land legte die Höchstfördersumme von 750.000 Euro zurück und sagte dem Schulverband das Geld für den Fall eines erfolgreichen Widerspruches zu.“ Nun konnte der zugesagte Betrag für die anderen Projekte ausgezahlt werden. Den Differenzbetrag zu den Gesamtkosten von 800.000 Euro übernimmt der Kreis Stormarn.

Ende Oktober rollten nun die ersten Bagger an. Insgesamt werden drei Hüttendörfer mit je sechs Holzhäusern, die jeweils acht Schlafplätze bieten, errichtet. Drei der rund 20 Quadratmeter großen Hütten sind barrierefrei. „Rollstuhlfahrer hatten zuvor keine Möglichkeit, naturnah auf unserem Zeltplatz zu wohnen und auf den Pritschen zu schlafen“, so Sommer. Auch die Zimmer im Haus seien nur eingeschränkt barrierefrei. „Jetzt bietet jedes Dorf Platz für eine Schulklasse sowie Kinder mit Handicap und ihre Betreuer.“

Sommer: „Vorbildcharakter für Schleswig-Holstein“

Die halboffenen Holzhütten werden nicht mit acht einzelnen Betten ausgestattet, sondern mit nur einem einzelnen Doppelstockbett, das jedoch zwei riesige oben und unten Liegeflächen bietet. Trotz der massiven Bauweise war den Bauherren vom Kreisjugendring die Nähe zur Natur und die Wahrung des einzigartigen Charmes eines Zeltplatzes besonders wichtig. Neben begrünten Dächern mit verschiedenen Pflanzen wurden daher Segelplanen in das Konzept integriert, die als Türen dienen und sich nach Bedarf zu allen Seiten öffnen lassen. Eine graue Lazur passt die neuen Hütten zusätzlich an die bestehende Architektur an.

„Wir haben hier ein Leitprojekt mit Vorbildcharakter für ganz Schleswig-Holstein geschaffen“, so Uwe Sommer stolz. „Schon jetzt kommen die ersten Besichtigungsanfragen von anderen Anbietern wie dem Deutschen Jugendherbergswerk. In dieser Form ist unser Hüttendorf einfach einmalig.“

Jugendgruppen freuen sich schon auf das Dorf

Der Planung nach soll der Bau Mitte April fertig sein. Nur der Tartanplatz könnte sich noch etwas verzögern, da das Material nur bei einer Temperatur von dauerhaft zehn Grad aufgebracht werden kann. Neben dem klassischen Sportplatz bietet der Belag zusätzlich Möglichkeiten für Sportarten wie Basketball, Tennis und Volleyball. Eine Hütte mit Grillmöglichkeiten, eine Boule-Bahn und drei Sitzgruppen, die sich um die Bäume des Platzes gruppieren, runden das Konzept ab. Die erste Zwischenprüfung seitens der EU konnte das Team rund um das Jugendcamp ebenfalls erfolgreich bestehen.

Schon jetzt ist die Freude groß: „Die Kinder- und Jugendgruppen verfolgen im Internet bereits den Baufortschritt“, erzählt Sommer. „Pfingsten kann, wie geplant, das Rollenspielcamp Farmion stattfinden. Die Hütten wurden schon in die laufende Geschichte eingebaut und können nun von den Kindern erobert werden.“