Thor Steinar

Ausverkauf: Schließt der rechte Modeladen in Glinde?

| Lesedauer: 5 Minuten
Marc R. Hofmann
Haben Sie Erfolg? Mitglieder der Bürgerinitiative „Glinde gegen Rechts“ halten seit fünf Jahren immer wieder Mahnwachen vor dem Tønsberg-Laden

Haben Sie Erfolg? Mitglieder der Bürgerinitiative „Glinde gegen Rechts“ halten seit fünf Jahren immer wieder Mahnwachen vor dem Tønsberg-Laden

Foto: Marc R. Hofmann / HA

Räumungsverkauf im Glinder Tønsberg-Laden. Umzug nach Norderstedt angekündigt. Räumungsklage läuft noch.

Glinde.  „Es ist eine Genugtuung für uns“, sagt Hans-Jürgen Preuß von der Bürgerinitiative „Glinde gegen rechts“. Seit Donnerstag verkündet ein Schild mit der Aufschrift „Räumungsverkauf“ vom nahen Ende des Tønsberg-Ladens an der Möllner Landstraße in Glinde. Dort wird Bekleidung der in der rechten Szene beliebten Marke Thor Steinar verkauft. Ein Grund zur Freude bei der Bürgerinitiative, die sich seit fünf Jahren mit beinahe täglichen Mahnwachen für das Ende des Ladens einsetzt.

Der Mietvertrag war schon Ende Juli dieses Jahres ausgelaufen. Der Betreiber hatte sich bisher jedoch geweigert, die Räume zu verlassen. Nun wird auch auf der Homepage des Bekleidungsherstellers der Räumungsverkauf angekündigt. Ein Mitarbeiter im Laden bestätigte die Schließung zum Jahresende auf Anfrage.

„Wir haben einen Szenetreff verhindert“

Farbreste und Graffiti auf dem gelben Klinker der Ladenzeile zeugen von Protesten gegen das Geschäft. „Damit haben wir aber nichts zu tun“, sagt Inga Stöckmann von der Bürgerinitiative. Sie und ihre Mitstreiter hätten sich immer für einen friedlichen Protest eingesetzt.

Die Initiative habe seit geraumer Zeit „Labilitäten“ im Geschäft bemerkt. Das Verkaufspersonal habe schneller gewechselt, Zahlungen mit EC-Karten sind nicht mehr möglich, heißt es auf einem Schild im Schaufenster. Gerade zu Anfang, berichtet der Ruhestandsgeistliche Preuß, habe häufig ortsfremdes Personal im Laden bedient. „Da haben schon Mitarbeiter aus der Filiale in Schwerin und dem Firmensitz in Mittenwalde bei Berlin gearbeitet.“ Allerdings hängt ein weiteres Schild im Schaufenster, auf dem steht, dass Mitarbeiter gesucht werden. „Wir glauben aber nicht, dass der Betreiber in näherer Umgebung einen neuen Laden finden wird“, sagt Hans-Jürgen Preuß. Auf der anderen Seite Hamburgs könne das eher passieren. „Vielleicht überrumpeln sie einen Vermieter oder zahlen bereitwillig eine höhere Miete.“ Auch wenn es die Initiative nicht geschafft habe, den Laden vor regulärem Ende der Mietzeit zu vertreiben, sagt Preuß: „Unser Protest hat etwas im Bewusstsein der Menschen verändert.“ Mitinitiatorin Margrit Hoogestraat ergänzt: „Wir haben verhindert, dass ein Szenetreff daraus geworden ist.“

Kunden beschimpften die Protestler

Inga Stöckmann sagt, der Protest habe viel Kraft gekostet. Es sei zwar nie zu offenen Auseinandersetzungen mit Ladenpersonal gekommen. „Aber der eine oder andere Kunde ist schon mal drohenden Schrittes auf uns zugegangen oder hat uns beschimpft“, so die Mitinitiatorin. Der harte Kern der Initiative bestehe aus ungefähr 20 Bürgern. Für sie bleibe das Eintreten gegen eine rechte Gesinnung notwendig, wie das Erstarken der AfD zeige, sagt Preuß. Inwieweit sich das Geschäft für den Betreiber gelohnt habe, könne er nicht sagen. „Zumindest während unserer Mahnwachen haben nur wenige Leute den Laden betreten.“

Die Initiative ist mit mehreren Preisen für ihre Ausdauer ausgezeichnet worden, darunter mit dem Deutschen Bürgerpreis des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes und dem Olof-Palme-Friedenspreis der SPD im Kreis Stormarn.

Einsatz der Glinder macht Bürgermeister stolz

Das nahe Ende des Ladens begrüßt auch Rainhard Zug, Bürgermeister der Stadt Glinde. „Der Spuk soll endlich ein Ende haben“ sagt er und hofft, dass die Betreiber keinen Ersatz im norddeutschen Raum finden. Er gibt allerdings auch zu bedenken, dass es schon mehrmals Schlussverkäufe gegeben habe. „Freuen kann ich mich erst, wenn der Laden ausgeräumt ist.“ Der Einsatz der Glinder gegen das Geschäft erfülle ihn mit stolz, so der Bürgermeister.

Christian Verstege, Rechtsanwalt der Vermieterfamilie Herbst, bestätigt, dass er im Auftrag seiner Mandanten auf Räumung geklagt hat. Allerdings habe es noch keine Verhandlung gegeben. Ihm liege keine Informationen darüber vor, ob der Betreiber freiwillig das Feld räumen werde. Dieser zahle im Moment noch eine sogenannte Nutzungsentschädigung, da das reguläre Mietverhältnis bereits beendet ist. Dieses hatte der Mieter auslaufen lassen, obwohl er das Recht zur einseitigen Verlängerung gehabt habe. Eine frühere Räumungsklage des Vermieters war 2012 gescheitert, da er nicht beweisen konnte, über die angebotene Ware getäuscht worden zu sein.

Thor Steinar betreibt in zehn deutschen Städten Läden, aber mit Glinde und Essen nur zwei davon im Westen der Republik. Indes scheinen sich die Befürchtungen von Hans-Jürgen Preuß und Verwaltungschef Rainhard Zug hinsichtlich eines Umzugs des Ladens in die nähere Umgebung zu bewahrheiten. Am Donnerstagnachmittag verkündete der Betreiber im Internet die Neueröffnung einer Filiale in Norderstedt für den heutigen Freitag.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Stormarn