Stormarn
Priesverleihung

Trittauer Schüler unterrichten Flüchtlinge in Deutsch

Geben  Flüchtlingen Deutschunterricht: Rebecca Bader (v.l.), Carolina Zimmermann, Leonie Keftler, Natalie Lorenzen, Leonie Stahmer und Timo Stahl

Geben Flüchtlingen Deutschunterricht: Rebecca Bader (v.l.), Carolina Zimmermann, Leonie Keftler, Natalie Lorenzen, Leonie Stahmer und Timo Stahl

Foto: Sebastian Knorr / HA

Gruppe Deutschunterricht ist für Ehrenamts-Preis der BürgerStiftung Region Ahrensburg nominiert – Verleihung heute Abend.

Trittau.  Die Silhouette eines Körpers ist mit weißer Kreide auf die Tafel gemalt. Pfeile bedeuten dem Betrachter, wie man dessen Teile hierzulande nennt. Zu Deutsch: das Haar, die Schulter und der Ellenbogen. Drei Körperteile, drei grammatikalische Geschlechter. Wieso, weshalb, warum? Das erklären hier, in einem Klassenraum des Gymnasiums Trittau, einmal wöchentlich Rebecca Bader (17), Timo Stahl (17), Carolina Zimmermann (18), Natalie Lorenzen (18), Leonie Keftler (18) und Leonie Stahmer (18). Zusammen mit weiteren Mitschülern – etwa 20 sind es insgesamt – geben sie Deutschunterricht für Flüchtlinge und sind mit ihrem Engagement jetzt für den Ehrenamts-Preis der BürgerStiftung Region Ahrensburg nominiert (siehe rechts).

Anne Düren und Sabine Baumgarten, ehemalige Lehrerin am Gymnasium, haben das Deutschprojekt vor zwei Jahren als Hausaufgabenhilfe für eine sogenannte DaZ-Klasse (Deutsch als Zweitsprache) angestoßen. Heute bieten die Schüler drei Gruppen mit unterschiedlichen Sprachniveaus an. Auch gibt es eine Krabbelgruppe. „Damit die Mütter nicht zu Hause bleiben müssen“, sagt Leonie Keftler.

Hauptziel sei das Erlernen der deutschen Sprache, sagt Carolina, die alle hier Caro nennen. Darüber hinaus gehe es aber immer wieder auch um „die eigene Kultur“. Die soll zum Beispiel bei einer Ostereiersuche, beim Fußballturnier oder beim gemeinsamen Kekse-Backen gezeigt werden – solche Treffen haben die Jugendlichen in den vergangenen zwei Jahren organisiert. „Wir zeigen unsere Tradition und sie zeigen uns ihre Traditionen“, fasst Caro zusammen. „Sie“, das sind Menschen aus Eritrea, aus Syrien, Afghanistan oder aus Albanien. Die Schüler nennen „sie“ nur ungern Flüchtlinge, lieber Schützlinge oder Schutzsuchende, am liebsten aber bei ihrem Vornamen.

Zwei weitere Schülerinnen aus Trittau sind nominiert

Wenn man die jungen Erwachsenen so reden hört, wird klar: An Formalien oder langen theoretischen Debatten wird diese Integrationsbemühung nicht scheitern. Flache Hierarchien, Ansprache per Du, gutes Klima. Dass die Schüler damit auf dem richtigen Weg sind, bekommen sie auch von den Menschen gespiegelt, denen sie helfen. Man hört „Danke, Danke, Danke“, sagt Leonie Keftler. Natalie erzählt von Einladungen zu gemeinsamen Essen, die dann meist auf dem Fußboden eingenommen werden. Die Runde nickt zustimmend. Es hat offenbar geschmeckt.

Ein Großteil des Unterichtsmaterials haben die Gymnasiasten in einem Projektunterricht zusammengestellt. Die Arbeitsblätter sind in einem dicken Aktenordner eingeheftet, auf dessen Innenseite ein Aufkleber klebt, der als politisches Bekenntnis der Gruppe gelesen werden kann: „Refugees Welcome“ – Flüchtlinge willkommen. „Wir machen Politik aus unserer Perspektive“, sagt Leonie Stahmer. Caro ergänzt: „Die Menschen, die gegen die Aufnahme von Flüchtlingen sind, werden leider häufiger aktiv als die, die sich für die Aufnahme von Flüchtlingen aussprechen.“

Die „Deutschgruppe für Migranten in Trittau und Umgebung“, so der offizielle Titel der Gruppe, ist allerdings nicht die einzige Initiative am Trittauer Gymnasium, die für den Ehrenamts-Preis nominiert ist. Auch Alicia Kupka (18) und Antonia Schulz (17) dürfen auf eine Auszeichnung der BügerStiftung hoffen. Antonia in ihrer Funktion als Vorsitzende des Gewaltpräventiven Ausschusses der Schule und Alicia als ihre Stellvertreterin. Im Ausschuss werden gemeinsame Aktionen des von Schülern organisierten Gewaltpräventionsprogramms der Schule organisiert und neue Projekte angestoßen. Dazu gehört zum Beispiel das Programm zum Anti-Mobbing-Tag an diesem Freitag, 2. Dezember. Auch eine eigene Tagung haben die Schülerinnen schon abgehalten. Mit einem Vortrag von Bildungs-Wissenschaftler Ansgar Büter-Menke und vielen eigenen Workshops – auch hier gilt: alles aus Schülerhand.

Erst später stelle sich heraus, was für einen selbst bleibt

Lehrer Matthias Höltje, der als Koordinator für Schulentwicklung im Leitungsteam der Schule ist, steht den Schülern wie auch andere Lehrer bei ihrer Arbeit zur Seite. Warum sich noch so viele Schüler für ehrenamtliche Arbeit finden lassen? „Sie haben einfach Lust, zu helfen“, sagt Höltje, anders ließe sich ihr selbstloses Engagement nicht erklären. Erst später stelle sich dann auch die Erkenntnis ein, damit nicht nur etwas für andere, sondern auch für sich selbst getan zu haben. Leonie Keftler aus der Deutschgruppe formuliert das so: „Es gibt einfach gerade einen Bedarf und es macht Spaß, außerdem lernt man etwas über sich und andere Kulturen.“

Der Ehrenamts-Preis wird heute Abend in der Stadtbücherei in Ahrensburg durch Sozialministerin Kristin Alheit verliehen. Leider sind alle Plätze auf der Veranstaltung schon vergeben. Einen Kommentar zum Thema lesen Sie hier.