Stormarn
Kriminalität

Einbrüche: Stormarn wird doch noch zum Gefahrengebiet

Um Einbrechern besser auf die Spur zu kommen, ordnet die Polizei sogenannte Anhalte- und Sichtkontrollen an (Symbolfoto)

Um Einbrechern besser auf die Spur zu kommen, ordnet die Polizei sogenannte Anhalte- und Sichtkontrollen an (Symbolfoto)

Foto: Daniel Maurer / dpa

Polizei ordnet „Anhalte- und Sichtkontrollen“ rund um Reinbek und Ahrensburg ein. Ziel: Erkenntnisse über Täterstrukturen gewinnen.

Ahrensburg.  Noch Ende Oktober hatte man sich bei der für Stormarn zuständigen Polizeidirektion Ratzeburg über – im Vergleich zum Vorjahr – verhältnismäßig niedrige Einbruchszahlen gefreut. Im Unterschied zu anderen Kreisen im Hamburger Umland wurden daher bislang noch keine sogenannten Gefahrengebiete eingerichtet. Doch damit ist es jetzt vorbei.

Ab sofort und zunächst für einen Zeitraum von 28 Tagen hat die Polizeidirektion die Durchführung von „Anhalte- und Sichtkontrollen“, wie es offiziell heißt, angeordnet. Hintergrund: Im Moment zählt die Polizei im Süden Stormarns und rund um Ahrensburg bis zu 33 Einbrüche beziehungsweise Einbruchsversuche pro Woche. Im Schnitt sind das fast fünf Taten pro Tag. Diese Zahl hat sich nach Angaben eines Polizeisprechers seit etwa Mitte Oktober „erheblich“ erhöht. Und: Aufgrund der Erfahrungen der vergangenen Jahre und „kriminalistischer Prognose“ gehen die Ermittler davon aus, dass Einbrecher verstärkt die frühe Dämmerung nutzen werden und erwarten somit einen weiteren Anstieg der Zahlen. Noch liegen diese laut Polizei zwar unter dem Vorjahr, seien aber im Vergleich zu den Vorwochen deutlich angestiegen.

Die Täter kommen vor allem aus Hamburg, sagt die Polizei

Vor allem betroffen ist die unmittelbare Umgebung von Hamburg. Die Polizei erklärt dies zum einen mit der Infrastruktur. So gebe es eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sowie zu großen Straßen und Autobahnen, die die Einbrecher für ihre Flucht nutzen könnten. Zum anderen haben die Ermittlungen der Polizei ergeben, dass die Täter überwiegend aus Hamburg nach Stormarn kommen. Zudem halten es die Beamten für „sehr wahrscheinlich“, dass viele Täter sich nur vorübergehend in Deutschland aufhalten und gezielt einreisen, um hier in Wohnungen und Häuser einzubrechen. Diese Erkenntnisse decken sich mit denen der Vorjahre, weswegen die Polizei von „fortbestehenden und sich verfestigenden vergleichbaren Täterstrukturen ausgeht“. Im Klartext: Hochprofessionell organisierte Einbrecherbanden sind in Stormarn aktiv.

Explizit von der Anordnung der Polizei betroffen sind die Bereiche der Polizeireviere Reinbek (Aumühle, Reinbek, Barsbüttel, Oststeinbek, Glinde, Wentorf, Wohltorf) und Ahrensburg (Ahrensburg, Ammersbek, Bargteheide, Bargfeld-Stegen, Braak, Brunsbek, Delingsdorf, Elmenhorst, Grande, Grönwohld, Großensee, Großhansdorf, Hamfelde, Hammoor, Hoisdorf, Jersbek, Lasbek, Köthel, Lütjensee, Nienwohld, Rausdorf, Siek, Stapelfeld, Steinburg, Todendorf, Tremsbüttel, Trittau und Witzhave).

Die Anhalte- und Sichtkontrollen, die in § 180 Absatz 3 des Landesverwaltungsgesetzes geregelt sind, sollen der Polizei dabei helfen, die Einbruchskriminalität einzudämmen. Jetzt dürfen die Beamten in den ausgewiesenen Gebieten Personen auch ohne konkreten Tatverdacht anhalten und in deren Fahrzeuge schauen. „Wir wollen dadurch Erkenntnisse über Verdächtige, Gruppenstrukturen und die von ihnen benutzten Fortbewegungsmittel erlangen“, so ein Polizeisprecher. Das Gefahrengebiet wurde zunächst für 28 Tage angeordnet. Laut Gesetz kann es zweimal um jeweils 28 Tage verlängert werden, bevor ein Richter darüber entscheiden muss.

Kritik kommt umgehend von der Piraten-Fraktion im Kieler Landtag, die sich seit Langem kritisch mit der Anordnung von Gefahrengebieten auseinandersetzt. Innenexperte Patrick Breyer kritisiert die Maßnahme der Polizei als „hilfloses Stochern im Nebel“ und „Generalverdacht gegen Autofahrer“. Das Innenministerium habe ihm bis heute keinen einzigen Einbrecher nennen können, der bei einer verdachtslosen Sichtkontrolle gestellt worden wäre. „Die Zahlen aus dem vergangenen Jahr belegen, dass in Gefahrengebieten weder ein Rückgang der Einbruchsdelikte noch ein Anstieg der Aufklärungsquote erreicht werden konnte.“