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Flüchtling wohnt bei „Zeit“-Redakteur – Lesung in Trittau

Ein Jahr hat der Syrer Amir Baitar bei Henning Sußebach gelebt. Am Dienstag stellen die Autoren das Buch „Unter einem Dach“ vor

Trittau. Amir Baitar kommt aus Syrien, ist 1991 geboren, Student, Moslem. Henning Sußebach kommt aus Deutschland, ist 1972 geboren, Zeit-Redakteur, „viertel-gläubig“ – katholisch getauft, hat Frau und zwei Kinder und für Amir Baitar das Arbeitszimmer geräumt. Das ist die Ausgangslage für ein außergewöhnliches Buchprojekt, das doch von dem ganz Gewöhnlichen handelt: dem Kennenlernen, dem Zusammenleben, der friedlichen Koexistenz, der Freundschaft. Sußebach und Baitar sind ihre beiden Protagonisten, zwischen ihnen: viel Raum für Missverständnisse und Annäherungen, vor allem aber für neue Erkenntnisse, für die große Politik im kleinen Alltag.

„Unter einem Dach“ heißt das Buch, das bei Rowohlt erschienen ist. Das Gymnasium Trittau hat die beiden Autoren jetzt für eine Lesung gewonnen. Für das Buch haben sie aus ihrer jeweiligen Perspektive geschrieben, Baitars Beiträge wurden dafür aus dem Arabischen übersetzt: Entstanden sind viele kürzere Texte. Zum Beispiel über das Essen, die Religion, den Krieg oder unterschiedliche Mentalitäten. Zwei Tagebücher der Integration, die für sich stehen, unterschiedliche Perspektiven anerkennen und dabei immer wieder in Dialog treten.

Baitar erzählt zum Beispiel von Besuchen im Supermarkt, in denen er wegen der Kameras „immer in der Mitte der Gänge“ geht, damit niemand auf die Idee komme, er habe etwas geklaut oder vom Küssen in der Öffentlichkeit, etwas völlig neues für den Moslem: „Das erste Mal fielen mir fast die Augen raus.“ Sußebach stolpert zum Beispiel über eine leere Cola-Flasche im Badezimmer. „Wie ahnten nur: Es geht um Ritus und Hygiene.“ Zeit zu reden – Sußebach und Baitar haben es getan, davon erzählt ihr Buch.

Lesung Di 29.11, 19.30, Forum des Gymnasiums Trittau, Heinrich-Hertz-Straße 7, VVK. bei „der Buchladen“ in Trittau, 2,–, AK. 3,–, Erlös wird den Trittauer Tafeln gespendet