Stormarn
Adventszeit

Reinbeker Weihnachts-Krippe geht auf Abenteuerreise

Stephanie Steinert mit sechs ihrer sieben Kinder Henrike (v.l.), Jarne , Kristin, Kjell, Nils mit Familienhund Fritzi und Lars

Stephanie Steinert mit sechs ihrer sieben Kinder Henrike (v.l.), Jarne , Kristin, Kjell, Nils mit Familienhund Fritzi und Lars

Foto: Barbara Moszczynski

Ob Bürgermeisterzimmer, Feuerwehrauto oder Großfamilie: Figuren waren vier Wochen lang ausgeliehen. Sonntag berichten die Gastgeber.

Reinbek.  Der Fototermin mit dem Ochsen ist geplatzt. Feuerwehrchef Oliver Selke und seine Männer sind ausgerückt und er musste mit. Auf dem Armaturenbrett des Löschfahrzeugs, vorn an der Windschutzscheibe, mit bestem Blick auf das Geschehen. In diesem Fall eine Tierrettung: Schimmel „Zwocki“ ist im Sachsenwaldauer Moor eingesunken. Die Kameraden konnten den 30 Jahre alten Wallach gottlob retten. „Das ist das älteste Pferd in Sachsenwaldau, das hätte so eine Art zu gehen nicht verdient“, sagt Selke.

An diesem Sonntag wird er im Adventsgottesdienst berichten, was der Ochse bei der Freiwilligen Feuerwehr in Reinbek-Ohe noch so alles erlebt hat. Denn das Holztier ist eine der Figuren aus der Weihnachts-Krippe, die nun in der St. Michaelis-Kapelle am Müssenredder wieder aufgebaut wird. Vier Wochen waren die Krippenfiguren Untermieter. Maria und Joseph beispielsweise im Kleinen Rasthof an der Schönningstedter Dorfstraße und der Hirtenhund im Haus von Hundeliebhaberin Ursula Berger aus Ohe. Ab 9.30 Uhr wollen morgen alle sieben „Herbergseltern“ erzählen, wie es ihnen dabei ergangen ist.

Pastor Kleinhempel hatte Idee mit den Krippenfiguren

Bente Fürböter-Lorenz ist eine von ihnen, sie sagt: „Ich finde es eine ganz tolle Idee, wenn die Kirche auch mal raus zu den Menschen kommt.“ Die 40-jährige ist Sozialarbeiterin bei „fördern & wohnen“ in Sachsenwaldau. Die Einrichtung bietet Suchtkranken die Möglichkeit für den Neustart in ein abstinentes Leben. Die Heiligen Drei Könige haben hier Obdach im hauseigenen „Café in Takt“ gefunden. „Dahinter steckt die Botschaft, dass in den Augen Gottes jeder Mensch ein König ist“, sagt Pastor Benedikt Kleinhempel. Er hatte die Idee, die Krippenfiguren ausziehen zu lassen und hat dafür alle Gasteltern persönlich ausgesucht. Fürböter-Schmidt wird mit den Heimbewohnern Stefan Reichow und Wilfried Meyer berichten, was die Drei Könige erlebt haben. Dafür haben sie ein kurzes Theaterstück geschrieben: Die Könige werden miteinander schnacken, über traurige und fröhliche Gäste im Café und über die heilsame Kraft von Gesprächen.

Stephanie Steinert will erzählen, wie es dem Esel ergangen ist: „Der ist froh, dass er endlich Ruhe hat“, sagt die Mutter von sieben Kindern und lacht. Das Holztier stand im Flur ihres Hauses und in den letzten Wochen ging es dort turbulent zu. Der Älteste feierte seinen 18. Geburtstag, im ersten Stock wurde renoviert und überhaupt ist in einer Familie mit fünf Jungs und zwei Mädchen im Alter von vier bis 18 Jahren immer eine ganze Menge los. „Ich fand die Idee sofort total schön, habe mich aber auch ein wenig geehrt gefühlt, dass mein Lieblingspastor an mich gedacht hat“, erzählt die Finanzwirtin, die neben Job und Familie noch Zeit für ehrenamtliches Engagement findet.

Bürgermeister Warmer hat Kamel mit ins Büro genommen

Woher sie die Energie nimmt? „Eigentlich aus den Kindern, wenn man anderen hilft kommt sie zurück“, sagt die Schönningstedterin, die sich im Förderverein des Kindergartens und im Besuchskreis des Bismarck-Seniorenstiftes engagiert.

Im Café des Stiftes, das auch Gemeinschafts- und Veranstaltungsraum ist, stehen die beiden Hirten mit ihren Schafen auf einer großen Tafel. Café-Leiterin Birgt Schmitt hat vor allem das Lämmchen mit dem kaputten Vorderbein ins Herz geschlossen. „Es hatte zuerst Angst. Aber dann hat es festgestellt, dass hier niemand vollkommen ist und auch die mit einem Makel hier schöne Momente erleben können“, sagt sie. Für die Senioren und ihre Besucher boten die hölzernen Gäste willkommenen Gesprächsstoff. „Die Figuren sind wirklich schön“, sagt Heimbewohner Egon Friese. Benedikt Kleinhempel freut das besonders: „Ich habe gehofft, dass die Figuren bei den Bewohnern schöne Kindheitserinnerung wecken können.“

Reinbeks Bürgermeister Björn Warmer durfte übrigens zwischen den Hirten und dem Kamel wählen. Er hat für sein Büro das Kamel ausgesucht und angekündigt, es auch zu Sitzungen und Amtsleiterrunden mitzunehmen. Man darf also gespannt sein, was er am Sonntag zu erzählen hat.

Der Gottesdienst zum 1. Advent mit Pastor Benedikt Kleinhempel und dem Wiedereinzug der Krippenfiguren ist an diesem Sonntag, 27. November, von 9.30–10.30 Uhr in der St. Michaels Kapelle am Müssenredder