Stormarn
Nahverkehr

Kreis spinnt neues Busnetz für Stormarns Süden

Die Linie 133 ist die Strecke mit den meisten Kunden: Künftig fahren die Busse im Berufsverkehr sogar im Fünf-Minuten-Takt

Die Linie 133 ist die Strecke mit den meisten Kunden: Künftig fahren die Busse im Berufsverkehr sogar im Fünf-Minuten-Takt

Foto: Torben Simon / HA

Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein erweitern Angebot von Reinbek bis Trittau. Kreis spart zugleich in zehn Jahren fünf Millionen Euro.

Glinde.  Besser und günstiger: Diesen Spagat legt der Kreis Stormarn beim neuen Busnetz für seinen Süden hin. Mit dem Winterfahrplan, der ab 11. Dezember gilt, nehmen im Raum von Reinbek und Glinde über Oststeinbek und Barsbüttel bis nach Trittau etliche neue Linien ihren Betrieb auf. Zusätzliche Haltestellen und mehr Fahrten in Stoßzeiten runden das Angebot ab. Und: Der Kreis zahlt dafür in den nächsten zehn Jahren fünf Millionen Euro weniger als bisher.

Das alles ist das Ergebnis der europaweiten Ausschreibung des Busnetzes Südstormarn. Das beste Angebot haben die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) gemacht, die einen Betriebshof in Glinde unterhalten. 176 Mitarbeiter sorgen mit 60 Bussen – davon sind mehr als die Hälfte neu – künftig dafür, dass Zehntausende Stormarner zur Arbeit, zum Arzt und Einkauf oder zur Schule kommen. Allein auf der Hauptlinie 133 zwischen Billstedt, Oststeinbek, Glinde, Neuschönningstedt und Trittau zählen die VHH täglich 8000 Kunden.

Jährlich kommen 2,5 Millionen Kilometer zusammen

Für Landrat Henning Görtz ist der neue Vertrag das Ergebnis der guten Zusammenarbeit von Kreis und Kommunen sowohl auf politischer als auch auf Verwaltungsebene. „Wir sparen mit dem neuen Busnetz Geld, und das bei besseren Leistungen“, sagt er. Die Resonanz auf die europaweite Ausschreibung überraschte Experten: Statt 3,3 Millionen Euro muss der Kreis künftig nur 2,8 Millionen im Jahr zahlen.

Das neue Südstormarn-Netz – eine Zusammenlegung der noch getrennten Netze Glinde und Südstormarn – umfasst 2,5 Millionen Fahrplankilometer im Jahr. Davon liegen 81 Prozent auf Stormarner Gebiet, 15 Prozent in Hamburg und die restlichen vier Prozent im Kreis Herzogtum Lauenburg.

„Vorteile nutzen und auf Synergie-Effekte setzen“

Die Busse sorgen vor allem dafür, dass die Menschen in der dicht besiedelten Hamburger Randregion zu den U-Bahnhöfen Billstedt, Mümmelmannsberg und Steinfurther Allee sowie zu den S-Bahnhöfen Reinbek, Bergedorf und Aumühle kommen.

Äußerst zufrieden ist auch VHH-Geschäftsführer Toralf Müller. „Für uns ist dieser Auftrag über zehn Jahre sehr wichtig“, sagt er. ,,Denn er sichert die Jobs unserer Mitarbeiter.“ Von denen seien viele mehr als 50 Jahre alt, und die könnten jetzt beruhigt ihrer Rente entgegensehen.

Für Müller war die Fusion der beiden Netze der entscheidende Faktor, um das günstigste Angebot machen zu können. „Da konnten wir unsere Vorteile nutzen und auf Synergie-Effekte setzen“, sagt Müller. Die seien besonders bei der Einsatzplanung von Personal und Fahrzeugen vorhanden. Dass es andere Angebote gab, bestätigen alle Seiten. Wie viele es waren, bleibt aus Wettbewerbsgründen geheim.

Klimaanlagen und Videoüberwachung für alle Busse

In der Kreisverwaltung ist Björn Schönefeld zuständig für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). „Viele Neuerungen sind das Ergebnis einer beispiellosen Beteiligung der Kommunen und Bürger“, sagt er. So werde der Schülerverkehr in alle Richtungen komplett neu aufgestellt.

In der Hauptverkehrszeit fahren die Busse der Linien 133 und 333 auf der Achse Glinde/Oststeinbek/U-Bahnhof Steinfurther Allee im Fünf-Minuten-Takt. „Das ist einmalig im Hamburger Rand“, sagt Schönefeld. Auch die Trittauer kommen so schnell wie nie zum Zug: Die neue Linie 433 bringt sie direkt zum S-Bahnhof Aumühle.

Auch auf Komfort und Sicherheit sei geachtet worden. Alle Busse haben Klimaanlagen und sind mit Videoüberwachung ausgerüstet.

Vertreter der Kommunen hoffen, dass die Einwohner das Angebot jetzt auch nutzen. „Gerade in unserer Region, in der es keinen Schienenverkehr gibt, ist ein gutes Busnetz die Lösung vieler Verkehrsprobleme“, sagt Glindes Bürgermeister Rainhard Zug.

Oststeinbeks Gewerbegebiet ist jetzt auch zu erreichen

Sein Oststeinbeker Kollege Jürgen Hettwer sieht das genauso. „Unsere Gemeinde hat viel Geld in Busspuren investiert, deshalb wäre es absurd, wenn der Zehn-Minuten-Takt verlängert worden wäre“, sagt er. In seinen Sprechstunden sei der Busverkehr immer ein wichtiges Thema. Doch nicht nur Bürger, sondern auch etliche Firmenchefs hätten immer wieder nachgefragt. Mit Erfolg: Künftig kommen Mitarbeiter auch per Bus ins Gewerbegebiet. Die Linie 233 nimmt montags bis freitags täglich zehn Fahrten zu den Haltestellen Fachmarktzentrum, Meessen und Gewerbering auf. Die Kosten von 36.000 Euro für zwei Jahre Probezeit übernimmt die Gemeinde komplett.

Für seine Heimatstadt Reinbek zieht Heinrich Dierking (Wählervereinigung Forum 21), Stadtverordneter und auch Kreistagsabgeordneter, ein rundum positives Fazit. „Wir können sehr zufrieden sein“, sagt er. „Das ist eine optimale Anbindung.“

VHH-Geschäftsführer Toralf Müller verspricht, sich nicht auf dem Lob auszuruhen. „Wir bleiben nicht stehen“, sagt er. Nächste Projekte seien E-Ticketing und ein Fahrplan mit Echtzeitdaten. Da Müller in Oststeinbek wohnt, ist der Zehn-Jahres-Vertrag für ihn auch aus persönlichen Gründen wichtig: „Ich hätte es nicht ertragen, ein anderes Unternehmen vor meiner Haustür entlangfahren zu sehen.“