Stormarn
Aktionstag

Ahrensburg: Rauschbrille öffnet Augen für Gefahr

Berüfsschülerin Kim Jacobsen (22) testet die Alkohol-Brille unter Anleitung des Präventionsbeamten Tino Sdunek

Berüfsschülerin Kim Jacobsen (22) testet die Alkohol-Brille unter Anleitung des Präventionsbeamten Tino Sdunek

Foto: Finn Fischer / HA

Polizei informiert bei Aktionstag in Ahrensburg über die Folgen von Alkohol und Drogen im Straßenverkehr. Schüler testen Alkoholbrille.

Ahrensburg.  Wenn Schüler scheinbar betrunken durch die Pausenhalle torkeln, gibt es in der Regel reichlich Ärger vom Direktor. An der Ahrensburger Berufsschule gehören solche Szenen in dieser Woche allerdings zum Lehrplan. Noch bis Freitag sind Präventionsbeamte der Polizei an der Schule, um über die Gefahren von Alkohol, Drogen und Smartphones am Steuer zu sprechen.

Im Gepäck hat die Polizei natürlich keinen Schnaps, sondern ein Ersatzprodukt: Eine Alkoholbrille. „Damit lässt sich optisch ein Rausch simulieren“, sagt Polizist Tino Sdunek, während er einer Schülerin die klobige Brille aufsetzt, um sie anschließend durch einen Parcours mit verschiedenen Geschicklichkeitsaufgaben zu schicken. Wenn schon das Öffnen einer Tür mit einem Schlüssel schwerfällt, ist an Autofahren nicht mehr zu denken. „Ich trinke nie einen Tropfen, wenn ich noch fahren muss“, sagt Kim Jacobsen (22). Die Alkoholbrille sei schon eine ganz neue Erfahrung gewesen: „Anscheinend war ich noch nie so betrunken.“ Ihr Klassenkamerad Pascal Polster (19) musste mit der Suff-Brille eine Treppe hinunter balancieren und einen Ball aufheben: „Das war schon ein ziemlich ekliges Gefühl – ich habe das noch nie so gesehen“, sagt der Berufsschüler. „Es ist auf jeden Fall eine sinnvolle Aktion.“

Immer mehr Unfälle durch Handynutzung am Steuer

Die Präventionswoche hat einen ernsten Hintergrund. Immer wieder überschätzen Autofahrer ihre Fähigkeiten im Straßenverkehr. 2015 starben bundesweit 3459 Menschen bei Verkehrsunfällen. Nach den Senioren gehören junge Autofahrer zwischen 18 und 24 Jahren zu der größten Risikogruppe. Autofahrer im Alter unter 21 Jahren und Fahranfänger (in der Probezeit) dürfen überhaupt keinen Alkohol konsumiert haben, bevor sie sich ans Steuer setzen. Nach der Probezeit gilt die 0,5-Promille-Grenze. Fahren mit 1,1 Promille ist eine Straftat, eine medizinisch-psychologische Untersuchung kann ab einem Wert von 1,6 Promille angeordnet werden.

Doch es sind nicht nur Alkohol oder Drogen, die ursächlich sind für schwere Unfälle. Eine immer größere Gefahr besteht laut dem Stormarner Polizei-Präventionsteam durch Ablenkung. Seit Jahren sind Handys am Steuer verboten. Doch die Verlockung, mal schnell am Steuer eine Nachricht zu beantworten, ist für viele zu groß. Jetzt plant die Bundesregierung höhere Geldstrafen für die Nutzung von Smartphones während der Fahrt. Für Tino Sdunek geht das nicht weit genug. 100 statt 60 Euro Bußgeld sind nicht genug. „In keinem anderen Land sind die Strafen so gering“, sagt der Polizist. Auch sei der Nachweis in der Praxis häufig schwierig. Umso wichtiger ist Aufklärung. Der Erfolg der Präventionsarbeit ist natürlich schwer messbar. „Niemand ruft uns an und sagt, dass er sich eigentlich unter Alkohol ans Steuer setzen wollte, aber es wegen uns jetzt doch nicht macht“, sagt Sdunek. „Aber wenn durch uns auch nur ein tödlicher Unfall vermieden wird, hat sich der Einsatz gelohnt.“

Polizei ist überzeugt von Präventionsaktion in Schulen

Immer wieder werden Tino Sdunek und sein Kollege Patrick Moser mit den Folgen jugendlichen Leichtsinns konfrontiert. Einer ist besonders im Gedächtnis geblieben: Der Tod einer Jugendlichen in Bargteheide, die von einem jungen alkoholisierten Autofahrer an einer Bushaltestelle überfahren wurde. „Beide gingen auf diese Berufsschule, an der wir einige Tage später zufällig eine Präventionsaktion angeboten haben – das war sehr bedrückend“, erinnert sich Moser. Oft gebe es von einigen Schülern zwar auch einen präpubertären coolen Spruch aber in der Regel, so ist der Polizist überzeugt, komme die Botschaft an.