Stormarn
Bargteheide

Pflegekräftemangel: Migranten sollen die Lösung sein

Teilnehmer aus Dänemark, Italien und Großbritannien haben sich in Bargteheide zum Austausch getroffen

Teilnehmer aus Dänemark, Italien und Großbritannien haben sich in Bargteheide zum Austausch getroffen

Foto: Christina Schlie / HA

Die Einrichtung Steinbuck nimmt an einem internationalen Projekt teil. 16 Prozent der Mitarbeiter haben einen Migrationshintergrund.

Bargteheide.  „Das Thema Multikulturalität in der Pflege ist schon jetzt aktuell und wird in den kommenden Jahren noch an Bedeutung zunehmen“, sagt Christiane Kiesel, Projekt- und Diversitymanagerin bei der Pflegeeinrichtung Steinbuck in Bargteheide . „Bis 2030 fehlen in Deutschland 500.000 Pflegekräfte“, so Kiesel. Schon jetzt sei der Pflegekräftemangel deutlich zu spüren.

Ohne den Einsatz von Migranten ist die Pflegesituation nicht zu bewältigen. In der Pflegeeinrichtung Steinbuck haben 16 Prozent der Mitarbeiter einen Migrationshintergrund. „In den kommenden zehn Jahren wird die Zahl auf 50 Prozent steigen“, ist sich Kiesel sicher.

Auch die Kunden werden künftig internationaler sein

Um die Mitarbeiter für die Zusammenarbeit mit ausländischen Kollegen zu sensibilisieren, wurde das internationale Erasmus Plus-Projekt „Multiculturality in Care“ ins Leben gerufen. Daran nehmen Teams aus Dänemark, Italien, Großbritannien und Deutschland teil. Je Land sind ein Bildungszentrum aus der Pflege sowie eine stationäre Pflegeeinrichtung vertreten. Aus Deutschland ist die Bargteheider Pflegeeinrichtung Steinbuck dabei. Sie war jetzt Gastgeber eines internationalen Treffens. „Es geht darum, voneinander zu lernen und interkulturelle Missverständnisse aus dem Weg zu räumen“, sagt Kiesel. Jeder Mensch habe andere Werte, viel zu häufig versuche man, den eigenen Standpunkt auf Mitmenschen zu übertragen.

Nicht nur das Personal in der Pflege wird immer internationaler, auch die Kunden werden künftig aus den verschiedensten Herkunftsländern stammen. „Gute Integrationsarbeit und erfolgreiche Zusammenarbeit sind wichtige Faktoren für eine hochwertige Pflege“, sagt die Projektmanagerin. Auch wenn die Pflegesysteme der Teilnehmerländer sich unterscheiden: Das Problem, qualifiziertes Personal für die Pflege zu finden, eint sie. „Es fehlt die Anerkennung für den Beruf“, sagt der dänische Projektleiter Frants Christensen. In einer Stadt wie Kopenhagen arbeiten mehr als 40 Prozent Migranten in der Pflege. In Italien sind es zehn Prozent, in Großbritannien 20. Daher sei es wichtig, auf die Bedürfnisse dieser Menschen einzugehen.

Insgesamt finden sieben Arbeitstreffen statt. Die Ergebnisse werden in einem umfangreichen Handbuch zusammengestellt. Alle interessierten Einrichtungen können nach Fertigstellung im kommenden Jahr kostenfrei darauf zugreifen und für die Schulung der Mitarbeiter davon profitieren.