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Von „A“ bis „ZW“: Welche Geheimnisse Kennzeichen verbergen

Hans-Wolfgang Neumann hat ein Buch über Kfz-Kennzeichen geschrieben – der Reinbeker kennt jetzt jedes in Deutschland

Hans-Wolfgang Neumann hat ein Buch über Kfz-Kennzeichen geschrieben – der Reinbeker kennt jetzt jedes in Deutschland

Foto: Susanne Holz / BGZ

Der Reinbeker Hans-wolfgang Neumann hat ein Buch darüber geschrieben und erstaunliche Details und Hintergründe entdeckt.

Reinbek.  Viele Männer interessieren sich für chromglänzende Felgen, PS, ABS, Bremswege und Benzinverbrauch. Das Herz von Hans-Wolfgang Neumann (72) schlägt für Nummernschilder. Von „A“ wie Augsburg bis „ZW“ wie Zweibrücken. Den Autokennzeichen hat der Reinbeker ein ganzes Buch gewidmet, das druckfrisch in den Buchhandlungen der Region angeboten wird. 1000 Stück hat der pensionierte Geograf davon im Selbstverlag drucken lassen.

Mit dem Finger auf der Landkarte recherchiert

Sechs Jahre hat der Reinbeker geforscht, mit dem Finger auf der Landkarte viele Orte und Regionen entdeckt, die außer ihm vermutlich nur die dortigen Einwohner kennen. Er hat im Internet recherchiert und traf in Stadtverwaltungen auf sehr nette und kooperative Mitarbeiter, die ihm wichtige Informationen lieferten.

Seitdem er sein ungewöhnliches Hobby professionalisiert hat, geht er mit anderen Augen durch die Welt. Geparkte Autos sind kein Hindernis mehr, sondern eine Fundgrube. Denn nicht selten haben sie auf ihren Nummernschildern Buchstaben-Kombinationen, die selbst er, der Fachmann, noch nicht kennt. Und das will schon etwas heißen, hat er doch mittlerweile Hunderte von ihnen entziffert.

Im Buch stehen auch internationale Kennzeichen

Würden seine drei erwachsenen Kinder heute auf langen Autoreisen nochmal mit ihm und seiner Frau wie früher „Kennzeichen-Raten“ spielen, sie müssten sich warm anziehen. Oder schnell das Buch ihres Vaters zur Hand nehmen, das in jedes Handschuhfach passt. „Mir war es wichtig, dass der Leser nicht nur erfährt, aus welcher Region ein Auto kommt. Ich wollte, dass Interessierte auch noch die Region kennenlernen“, sagt Neumann. Sogar internationale Kennzeichen hat er in seinem 256-seitigen Nachschlagewerk aufgeführt.

Wer nicht weiß, wofür „HO“ steht, ist nach kurzem Blättern schlauer: Das Auto kommt aus der Stadt (45 000 Einwohner) oder dem Landkreis Hof an der Saale (97 000 Einwohner), einer Wohlfühlregion in oberfränkischer Hügellandschaft. Wer ein „HOG“ vor sich entdeckt, hat es wohl mit einem Fan vieler Sagen und Märchen zu tun. Denn dafür ist der Landkreis Hofgeismar in Hessen bekannt. Das Kennzeichen „HOG“ wurde 1972 gestrichen, wird erst seit der Kennzeichenliberalisierung 2013 wieder vergeben.

Reinbeker hat auch eine Smartphone-App entwickelt

Diese Liberalisierung unter dem ehemaligen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer hat Hans-Wolfgang Neumann sehr viel Arbeit beschert. Denn plötzlich kamen zu den vorhandenen Kennzeichen der 405 Verwaltungseinheiten eben jene zusätzlichen Regional-Kennzeichen hinzu. „In der Folge zeigten immer mehr der rund 50 Millionen Autofahrer ihre Heimatverbundenheit mit diesen neuen Kennzeichen“, weiß Neumann. Die Zahl wuchs auf 821. Mittlerweile hat er so viele Informationen beisammen, dass ein noch umfangreicheres Buch mit Ausflugstipps und vielem mehr entstehen soll. Eine App fürs Smartphone hat er ebenso entwickelt. Mit seinem Buch steht Neumann jetzt auf Weihnachtsmärkten und Seniorenmessen und will eines beweisen: Im Ruhestand kommt man ganz schön weit, wenn man richtig Gas gibt.

Hans-Wolfgang Neumann, Herzensangelegenheiten „Autokennzeichen“, ISBN: 978-3-00-053597-0