Stormarn
Ahrensburg

Wie sicher sind Stormarns Kunstrasenplätze?

Markus Petrat (r.), Vorsitzender des Barsbütteler SV, und Fußball-Obmann Michael Böge auf dem Kunstrasenplatz am Soltausredder. In der Hand hält Petrat grünes EPDM-Granulat, das in den Platz eingearbeitet ist

Markus Petrat (r.), Vorsitzender des Barsbütteler SV, und Fußball-Obmann Michael Böge auf dem Kunstrasenplatz am Soltausredder. In der Hand hält Petrat grünes EPDM-Granulat, das in den Platz eingearbeitet ist

Foto: René Soukup / HA

Kommunen und Vereine sind nach Fund von krebserregenden Stoffen in Granulat beim SSC Hagen alamiert. Es gibt Prüfungsbedarf.

Ahrensburg.  Der Fund von krebserregenden Stoffen in schwarzem SBR-Granulat, das in den neuen Kunstrasenplatz des SSC Hagen Ahrensburg eingearbeitet werden sollte (wir berichteten), schlägt im Kreis Stormarn hohe Wellen. Vereine, deren Plätze mit solchem Material verfüllt sind, wenden sich an die Hersteller. Auch die Kommunen sind alarmiert. Es gibt reichlich Gesprächsbedarf. Denn eines ist ihnen ganz wichtig: Gesundheitsgefährdungen für die Sportler auszuschließen.

Sorgenfrei sind jene Vereine, auf deren Spielflächen auf SBR-Granulat (Styrol-Butadien-Rubber) aus geschredderten Autoreifen verzichtet wurde. Denn Alternativen gibt es, nur sind sie teurer. Für jene Varianten haben sich im Kreis mehrere Vereine und Kommunen entschieden. Das Abendblatt zeigt, mit welchen Materialien Stormarns Kunstrasenplätze aufgefüllt sind.

Ahrensburg

Unbedenklich ist das Spielen auf den beiden Kunstrasenflächen auf dem Stormarnplatz. Dort ist der Rasen laut Verwaltung mit sogenanntem EPDM verfüllt. Dieses Granulat ist ein alterungsbeständiger und synthetischer Kautschuk, der nicht gesundheitsschädlich ist. Auch der Platz des SSC Hagen hatte dieses Material. Das verklumpte jedoch. Mitunter blieb die Masse an den Schuhen der Kicker kleben. Wegen der schlechten Erfahrungen mit dem Füllstoff entschloss sich die Stadt in Absprache mit dem Verein, SBR einzusetzen. Der Belag wurde ausgetauscht, die Arbeiten dann im Oktober gestoppt. Grund waren neue Erkenntnisse von Wissenschaftlern aus den Niederlanden, die krebserregende Stoffe in dem Granulat vermuteten, sogenannte Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK).

Ahrensburg ließ das Material vom Büro für Geologie und Umwelt (BGU) prüfen. Und tatsächlich wurden nach der Europäischen Chemikalienverordnung REACH acht Grenzwerte leicht überschritten . Bindend in Deutschland ist jedoch die Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung. Nach dieser werden alle Werte eingehalten. Trotzdem schlägt die Verwaltung vor, auf SBR zu verzichten und EPDM einzusetzen. Imke Bär, Sprecherin der Stadt Ahrensburg: „Womöglich wird die europäische Richtlinie kommendes Jahr übernommen. Da macht es keinen Sinn, das bereits gekaufte SBR einzusetzen.“ Am kommenden Montag entscheidet die Politik. Ulrike Wößner, geschäftsführende Gesellschafterin der BGU, sagt: „Ahrensburg ist ein Einzelfall.“ Man müsse immer schauen, welches Altmaterial in dem jeweiligen Granulat verarbeitet wurde. Die Expertin: „In der Summe sehe ich das Material aber nicht für Sportplätze geeignet.“

Bad Oldesloe

Die Kreisstadt hat gleich drei Kunstrasenplätze. Der auf dem Exer am Bürgerpark sowie jener im Kurparkstadion sind mit EPDM verfüllt. „Und am Masurenweg ist kein Granulat vorhanden“, sagt Bürgermeister Jörg Lembke.

Glinde

Im Juni 2015 eröffnete der TSV Glinde seinen Kunstrasenplatz. Er ist mit SBR aufgefüllt. Joachim Lehmann, hauptamtlicher Vorsitzender, hatte Montag eine Unbedenklichkeitsbescheinigung des Herstellers angefordert. Die bekam er postwendend. Lehmann: „Wir werden nichts mehr unternehmen.“ Das Granulat stammt von einer dänischen Firma. „Es ist zertifiziert. Die Materialien werden ständig von unabhängigen Laboren auch auf mögliche Gesundheitsrisiken geprüft“, sagt Fußball-Abteilungsleiter Frank Gabbert.

In der Praxis habe sich gezeigt, dass kaum Abrieb bei dem Granulat zu verzeichnen sei. Gabbert: „Das wird auch dadurch belegt, dass unsere Bälle nicht verfärbt sind. Diese Verfärbungen sind teilweise bei anderen Kunstrasenplätzen, die offenbar qualitativ minderwertiges Gummigranulat verwenden, festzustellen.“ Im Ahrensburger Fall ist laut BGU „davon auszugehen, dass das Gummigranulat nicht abriebstabil ist und Sportreibende den PAK nicht nur durch gelegentlichen Hautkontakt, sondern längerfristig auch den schadstoffbelasteten Stäuben ausgesetzt sind“.

Barsbüttel

Der Kunstrasen am Soltausredder ist laut Markus Petrat, Vorsitzender des Barsbütteler SV, elf Jahre alt. Aufgefüllt ist er mit grünem EPDM-Granulat. In Kürze wird gegenüber auf dem Gelände der Erich-Kästner-Gemeinschaftsschule ein Klein-Fußball-Kunstrasenfeld mit den Maßen neun mal zwölf Metern fertiggestellt. Es wird ausschließlich Sand aufgetragen.

Bargteheide

Das Sportzentrum am Volkspark verfügt seit 2010 über einen Kunstrasenplatz. Eingearbeitet ist grünes EPDM-Granulat.

Oststeinbek

1989 wurde der Kunstrasen für damals 800.000 Mark erbaut, 2006 ausgewechselt. Das Füllmaterial ist SBR. „Wir werden jetzt die Herstellerangaben genau überprüfen“, sagt Bürgermeister Jürgen Hettwer.

Großhansdorf

Das Spielfeld am Kortenkamp kommt ohne Granulat aus. Dort wurde Sand eingearbeitet. Verwaltungsmitarbeiter Sven Gruß: „Er wird alle zwei bis drei Jahre entfernt, das ist sehr aufwendig.“

Hoisbüttel

Seit August 2014 spielt der Hoisbütteler SV auf Kunstrasen mit SBR-Füllung. Das Projekt kostete rund 500.000 Euro, mehr als die Hälfte stemmte der Verein. „40.000 Euro haben wir für die Qualitätskontrolle durch Landschaftsarchitekten ausgegeben. Ich habe keine Bedenken.“, sagt der Vorsitzende Siegfried Höchst. Er werde das Thema in den Vorstand einbringen und gegebenenfalls eine Überprüfung veranlassen.

Trittau

Eigentümer des Kunstrasens ist der Schulverband Trittau. Dass er mit SBR befüllt ist, bestätigte die Baufirma. Matthias Burmeister, Fußball-Obmann des TSV Trittau, sagt: „Ich werde das Gespräch mit dem Schulverband und dem Bürgermeister suchen.“

Pölitz

In den neuen Platz, der seit diesem Sommer bespielt wird, sind Kork und Quarzsand eingearbeitet. „Wir haben uns sehr lange beraten lassen“, sagt Fußball-Obmann Jens Elschenbroich.

Hoisdorf

Der Kunstrasen ist mit schwarzem Granulat verfüllt. Zuständig für den Platz ist das Amt Siek. Dessen Leiterin Susanne Kuplich sagt: „Wir werden den Platz von einer Fachfirma auf Inhaltsstoffe prüfen lassen, wollen auf Nummer sicher gehen.“