Stormarn
Serie „Kennzeichen E“

Die Bilanz: „Dem Stromer gehört die Zukunft“

Foto: Anne Pamperin

Martin Oster fährt seit vier Monaten ein E-Auto aus dem Hause Renault. Heute zieht er eine abschließende Bilanz für die Abendblatt-Leser

Ich muss schon ein wenig schmunzeln, wenn ich mit meinem heutigen Erfahrungsstand als Elektromobilist meine ersten Berichte der Serie Kennzeichen E im Abendblatt lese. Besonders mein Langstreckenreport von einer Reise in die Lüneburger Heide an meinem zweiten Tag als Fahrer eines Elektroautos kommt mir vor wie aus einer lang zurückliegenden Zeit.

Nach vier Monaten stromgetriebener Fortbewegung lerne ich zwar immer noch Fakten hinzu. So zum Beispiel musste ich jetzt feststellen, dass ein kalter Akku bei kalten Außentemperaturen am Schnelllader keineswegs mehr schnell lädt.

Thema Reichweite: Hersteller gehen auf Bedürfnisse ein

Allerdings kann ich über das Wort Reichweitenangst nur noch lächeln. Inzwischen fließe ich mit 120 km/h auf der Autobahn problemlos mit dem Verkehr mit, schleiche nicht mehr hinter Lkw, die reichlich Windschatten bieten, her.

Das Thema Reichweite wird in den kommenden Jahren auch für die breite Masse der E-Autos keine große Rolle mehr spielen; denn jüngst wurden die neuesten Modelle der elektrifizierten Fahrzeuge vorgestellt. Der von mir gefahrene Renault Zoe wird inzwischen mit 400 Kilometern Reichweite angeboten. Der Opel Ampera-e wird mit sogar über 500 Kilometer Fahrstrecke pro Batterieladung im Jahr 2017 erhältlich sein. Weitere Hersteller kündigen bis 2020 mehrere Modelle für verschiedene Bedürfnisse mit Reichweiten jenseits der 500 Kilometer an.

Das Ladenetz muss noch weiter ausgebaut werden

Ich habe meine Mobilitätsmuster studiert und habe beschlossen, dass ich zunächst mit meinen durchschnittlich rund 150 Kilometern pro Ladung auskomme und nicht auf einen größeren Akku wechseln werde. Ich kann beim Einkaufen am Schnelllader und allabendlich an der heimischen Steckdose aufladen. Sicherlich muss das Ladenetz noch deutlich weiter ausgebaut werden, Schnelllademöglichkeiten an den Autobahn-Rasthöfen und Bundesstraßen sowie Möglichkeiten mit mittleren Ladegeschwindigkeiten an Orten des täglichen Lebens müssen in größerer Zahl im Verhältnis zur steigenden Anzahl der E-Mobile zur Verfügung stehen. Wenn das Auto länger steht, muss es geladen werden können. Das spart wertvolle Ressourcen für Speicherkapazitäten. Der Umstieg zur Elektro-Mobilität sollte losgelöst sein von der bisherigen Ära der Verbrennungsmotoren. Wir fahren nicht mehr alle zwei Wochen an die Tankstelle, wenn der Sprit günstig ist.

Ich habe viele Bedenken gegen die E-Mobilität gelesen und gehört. Ich zähle die meist genannten am Ende des Textes auf und liefere Fakten gegen diese Argumente.

Anderes Fahrverhalten als mit Verbrennungsmotor

Mein Fazit nach vier Monaten: E-Mobilität ist eine Technologie, die noch in den Kinderschuhen steckt, deren Fußabdrücke aber stetig wachsen. Ich fahre einen spritzigen geräumigen Kleinwagen. Das Drehmoment meines 88 PS starken Motors liegt sofort an, ich gewinne jeden Ampelsprint. Das Fahren selbst ist ein ruhiges Dahingleiten, keine Schaltvorgänge, kein Motorruckeln. Es ist ein anderes Fahrverhalten als mit einem Verbrennungsmotor. Früher wusste ich genau, wo die Tankstellen sind, heute sind mir die Standorte der Lademöglichkeiten innerhalb meines alltäglichen Bewegungsradius bekannt.

Ich bin inzwischen absolut überzeugt, dass die Stromer zumindest einen gewichtigen Teil des emissionsfreien Mobilitätskonzepts der Zukunft bilden werden. Mein Fazit mag sich wie ein subjektives Plädoyer für das neue Mobilitätskonzept anhören. Aber es sind meine nüchtern empfundenen Eindrücke, die ich in den vergangenen Monaten mit meinem Renault Zoe gesammelt habe.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit der Serie Kennzeichen E einen nachvollziehbaren Eindruck vom Thema Elektromobilität geben. Wenn Sie Fragen oder Anmerkungen haben, zögern Sie bitte nicht, mich zu kontaktieren. Gerne gebe ich Hilfestellung, erläutere individuelle Fragestellungen und diskutiere auch kontroverse Themen rund um die E-Mobilität.

Die Bedenken gegen die Elektromobilität

Hier nun die Bedenken, die mir gegen die Elektro-Mobilität entgegengebracht wurden: Elektroautos haben zu geringe Reichweite, das „Betanken“ dauert zu lange und sind zu teuer.

Die neue Generation Elektroautos hat Reichweiten von bis zu 500 Kilometer. Je nach Ladesäule ist der Akku in rund einer Stunde wieder annähernd voll geladen. Mit steigenden Produktionszahlen werden die Preise sinken.

Der Ressourceneinsatz von seltenen Rohstoffen für die Akkus ist zu hoch. Die Akkus enden als Sondermüll.

Die neuesten Batterien schaffen mit gleichem Materialeinsatz beinahe doppelte Kapazität als noch vor fünf Jahren. Die Entwicklung schreitet weiter voran. Lässt die Kapazität nach, können die Stromspeicher noch als Massenspeicher für regenerativ erzeugten Strom im Second Life eingesetzt werden.

Für die E-Mobilität wird ein Vielfaches des heutigen Stromverbrauchs benötigt.

Derzeit werden deutschlandweit rund 600 Milliarden Kilowattstunden an Strom jährlich verbraucht. Gleichzeitig fahren in Deutschland zugelassene Fahrzeuge rund 700 Milliarden Kilometer pro Jahr. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 20 kWh pro 100 km, über alle Fahrzeugklassen verteilt, macht das einen Mehrverbrauch von 140 Milliarden kWh oder nicht einmal einem Viertel der jetzigen Kapazität. Schon heute wird ein Viertel dieser Strommenge regenerativ erzeugt.