Kirchenkreis Hamburg-Ost

Sparkurs: Das wird aus den Kirchen in Stormarn

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Harald Klix
Die Kirchengemeinde Reinbek-Mitte saniert die 1901 erbaute Maria-Magdalenen-Kirche für rund 370.000 Euro und gründet einen Förderverein

Die Kirchengemeinde Reinbek-Mitte saniert die 1901 erbaute Maria-Magdalenen-Kirche für rund 370.000 Euro und gründet einen Förderverein

Foto: Tabel

Reaktionen auf Kategorie „nicht förderfähig“ reichen von Entwidmung in Todendorf bis zum Förderverein in Reinbek. Mitgliederzahl sinkt.

Ahrensburg.  Nach der Veröffentlichung der bisher geheimen Liste des evangelischen Kirchenkreises Hamburg-Ost zur Zukunft seiner Gebäude sorgen sich etliche Stormarner um die Kirchen und Gemeindehäuser in ihrer Nähe. Das interne Papier teilt alle 138 Kirchen und 140 Gemeindehäuser in A-, B- und C-Standorte. Geld für den Erhalt zahlt der Kirchenkreis künftig nur noch für die Kategorien A („auf jeden Fall förderfähig“) und B („förderfähig im Vergleich“). Für die C-Gruppe („nicht förderfähig“) – 35 Prozent aller Immobilien – bedeutet dies: Entweder die Kirchengemeinde trägt künftig alle Kosten oder macht das Gebäude dicht. In Stormarn sind zehn Standorte betroffen. Die Schließung der Todendorfer Kirche ist schon auf dem Weg.

„Wir haben zu viele Gebäude“, sagt Kirchenkreissprecher Wolfgang Främke. Über Jahrzehnte habe man vor allem beim Personal gespart. In gut 25 Jahren ist die Zahl der Mitglieder im Gebiet von 660.000 auf 442.000 gesunken. Parallel zum Mitglieder- und Steuerschwund ging die Zahl der Pastoren, Musiker und Diakone um etwa 30 Prozent zurück. Dagegen wurde der Bestand an Kirchen und Gemeindehäusern nur um acht Prozent reduziert.

Es fehlt Nachwuchs, um Stellen besetzen zu können

Främke betont, dass es die Synode war, die das Gebäudekonzept im April 2016 beschlossen habe. „Fast alle Gemeinden waren dort mit Delegierten vertreten“, sagt er, „zwei Drittel der 154 Synodalen sind ehrenamtliche Mitarbeiter“. Deshalb komme das Votum, bis 2026 einen Teil der Gebäude nicht mehr oder anders zu nutzen, auch von der Basis. Die Synode verdoppelte auch den Etat für Bauzuschüsse: Ab 2017 sind 1,2 Millionen Euro jährlich abrufbereit.

Der Kirchenkreis stellt sich auf den nächsten finanziellen Schnitt ein. Ein Großteil der Steuerzahler gehört zur Generation 50plus. „Wenn diese Menschen in Rente gehen, wird sich das stark bemerkbar machen“, sagt Wolfgang Främke. Doch nicht nur viele Steuerzahler genießen ab Mitte der 2020er-Jahre ihren Ruhestand, sondern auch etliche Pastoren. Daraus ergibt sich eine weitere Herausforderung. „Es fehlt der Nachwuchs, um alle Stellen besetzen zu können“, sagt Främke. Es gebe nicht genug Theologiestudenten.

Die Abendblatt-Regionalausgabe Stormarn fasst zusammen, was das Gebäudekonzept für die Region von Ahrensburg bis Reinbek bedeutet. Der Norden von Bargfeld-Stegen bis Reinfeld gehört zum Kirchenkreis Plön-Segeberg.

Kirche Todendorf: Die Kirchengemeinde Eichede hat die Entwidmung bereits beschlossen. Mehr als 130.000 Euro Sanierungskosten waren für die nächsten 15 Jahre veranschlagt. Der letzte Gottesdienst in der 1967 eingeweihten Kirche ist für Silvester geplant. Danach gibt es drei Optionen: Vermietung, Verkauf, Abriss. Es gebe Interessenten, die das Grundstück kaufen oder die Kapelle zum Wohnhaus oder Ärztezentrum umbauen wollten. Bürgermeister Hans-Joachim Dwenger (Wählergemeinschaft) favorisiert eine neue Feuerwache oder Gemeindehaus. Der Glockenturm könnte stehen bleiben.

Haus der Kirche und St. Johanneskirche Ahrensburg: Das Haus der Kirche wird auf Sicht keines mehr sein. „Es ist klar, dass wir uns irgendwann davon trennen“, sagt Ursula Wegmann, Vorsitzende des Beauftragtengremiums, das die Geschäfte nach der Auflösung des Kirchengemeinderats führt. Die Außenstelle war 1984 eröffnet worden. Heute wird das Haus nur selten für Bastel- und Ökumenekreis sowie einen Frauentreff genutzt. Heiligabend um 15.30 Uhr ist Familiengottesdienst.

Die Entwidmung der 1960 eingeweihten St. Johanneskirche war 2013 bereits beschlossene Sache. Ein privater Förderverein erreichte Ostern 2014 die Wiedereröffnung, der Vertrag läuft bis Ende 2019. Der Verein bringt jährlich 15.000 Euro für laufende Kosten und 3000 Euro als Rücklage zur Instandsetzung auf. Zudem erledigen die Mitglieder Arbeiten im Wert von rund 15.000 Euro. Die Gemeinde bietet Gottesdienste mit Pastor und Organist an. Das Entwidmungsverfahren wurde gestoppt.

Gemeindezentrum Hoisbüttel: Das 1976 erbaute Gemeindezentrum, das für Gottesdienste, Treffen und Veranstaltungen genutzt wird, ist „nicht förderfähig“. Über das Projekt „Kirche in der Region“ ist eine Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden Bergstedt und Volksdorf in die Wege geleitet worden. „Diese Entwicklung weist in die Zukunft“, sagt Kirchenkreissprecher Wolfgang Främke. Ralf Weisswange, seit fast 20 Jahren Pastor in dem Ammersbeker Ortsteil, ist mit einer Viertelstelle in der Region beschäftigt.

Auferstehungskirche Braak: „Wir sind an dem Erhalt des Standorts sehr interessiert“, sagt Pastor Christian Reinhart, Vorsitzender des Kirchengemeinderats Alt-Rahlstedt. „Deshalb hat die Liste erst mal keine Konsequenzen.“ Die Auferstehungskirche habe eine besondere Bedeutung, da sie auch als Friedhofskapelle genutzt werde. Vor zwei Jahren war das dortige Gemeindehaus für knapp 400.000 Euro neu gebaut worden, da das alte zu groß und zu teuer im Unterhalt war. „Deshalb sind zunächst auch keine Reparaturkosten zu erwarten“, sagt Reinhart. Zusätzliche finanzielle Sicherheit bringt der Kirchengemeindeverband Rahlstedt, der Träger der Friedhöfe in Rahlstedt und Braak ist und kirchliche Immobilien verwaltet. Die Einnahmen aus diesem Extra-Etat fließen auch in Bauprojekte.

Kirche Willinghusen und Gemeindehaus Oher Weg Glinde: Die 1964 eingeweihte Kirche und das Gemeindehaus in Glinde gehören zur Kirchengemeinde St. Johannes. „Die Einstufung ist für uns keine direkte Handlungsaufforderung“, sagt Pastor Sören Neumann-Holbeck, Vorsitzender des Kirchengemeinderats. Die Finanzlage sei auch wegen der momentan hohen Steuereinnahmen vergleichsweise gut, sodass das Gremium nicht über Schließungen nachdenken müsse. Das Gemeindehaus in Willinghusen wurde 2014 aufwendig saniert und erweitert. „Es ist mutig, dass sich der Kirchenkreis an dieses heiße Eisen herantraut“, sagt Neumann-Holbeck. Die Grundsatzfrage sei, wie die Angebote in Zukunft gestaltet würden. „Das ist noch lange nicht zu Ende diskutiert“, sagt der Pastor.

Ansgarkirche und Gemeindehaus Schönningstedt sowie St. Michaelis-Kapelle Ohe: In der Ansgar-Kirchengemeinde Schönningstedt-Ohe wurden alle drei Gebäude in die Kategorie „nicht förderfähig“ eingestuft. Akut gefährdet sind sie trotzdem nicht. „Im Moment stehen keine größeren Sanierungen an“, sagt Pastor Benedikt Kleinhempel. Der Kirchengemeinderat müsse überlegen, wie die Ansgarkirche und das Gemeindehaus in Schönningstedt sowie die St. Michaelis-Kapelle Ohe auch langfristig zu erhalten sind. Neben der Baurücklage hat er eine Substanzerhaltungsrücklage eingerichtet, um alle Reparaturen bezahlen zu können. „Wir sind auf die Menschen und kreative Lösungen angewiesen“, sagt Kleinhempel. Ein Beispiel sei die Spendenaktion „Die Kirche muss im Dorf bleiben“, die fortgeführt werde.

Maria-Magdalenen-Kirche Reinbek: Die Kirchengemeinde Reinbek-Mitte lässt die 1901 erbaute Maria-Magdalenen-Kirche gerade von Grund auf sanieren. Für rund 370.000 Euro decken Handwerker das Dach neu, reparieren den 28 Meter hohen Kirchturm und das Mauerwerk. Für den langfristigen Erhalt soll eine Stiftung gegründet werden. Die aktuellen Arbeiten finanziert die Gemeinde größtenteils aus Rücklagen, rund 25.000 Euro spendeten Mitglieder. Die Gemeinden Reinbek-Mitte und Reinbek-West haben rund 5000 Mitglieder. Im Gegensatz zur Maria-Magdalenen-Kirche gelten in Reinbek-West die Nathan-Söderblom-Kirche und das Gemeindehaus an der Berliner Straße als „auf jeden Fall förderfähig“.

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