Stormarn
Großalarm

Fünf Verletzte bei Chemie-Unfall in Trittau

Die verletzten Mitarbeiter wurden vor Ort vom Rettungsdienst versorgt und anschließend in Krankenhäuser gebracht

Die verletzten Mitarbeiter wurden vor Ort vom Rettungsdienst versorgt und anschließend in Krankenhäuser gebracht

Foto: Christina Schlie / HA

Mitarbeiter eines Pharma-Unternehmens leitet Lauge in Säuretank. Chemische Reaktion setzt Dämpfe frei. Fachfirma muss Räume reinigen.

Trittau.  Großalarm beim Trittauer Arzneimittelwerk Rotexmedica GmbH: Gegen kurz vor 11 Uhr am Freitagvormittag schlug in dem Unternehmen an der Bunsenstraße der Brandmeldealarm an. In einem Abfüllraum, der sich im Keller eines Gebäudes befindet, wurden versehentlich 300 Liter einer Lauge in einen Tank geleitet, in dem sich bereits 200 Liter einer Säure befanden. Dadurch kam es zu einer chemischen Reaktion, in deren Folge sich Hitze und Dämpfe entwickelten. Fünf Mitarbeiter – drei Männer im Alter von 50, 58 und 61 Jahren sowie zwei Frauen (40 und 62) – wurden durch das Austreten des Gases verletzt. Rettungskräfte behandelten die Verletzen vor Ort und brachten sie anschließend zur Kontrolle in ein Krankenhaus.

Unglücksursache soll der Fehler eines Mitarbeiters sein

„Es handelt sich bei der Ursache für den Unfall um menschliches Versagen“, sagte Kai-Uwe Harms, Herstellungsleiter der Firma Rotexmedica GmbH, gegenüber dem Hamburger Abendblatt am Unglücksort.

Das pharmazeutische Unternehmen, das 1999 von der französischen Panpharma übernommen wurde, stellt in Trittau flüssige Arzneimittel wie etwa Antibiotika, Corticoide und Anästhetika her. Normalerweise sei ein Unfall dieser Art gar nicht möglich, sagt Harms. Die Zuleitungsanschlüsse für Lauge und Säure hätten verschiedene Größen und seien eigentlich nicht kompatibel. „Warum es dem Mitarbeiter dennoch passierte, die Anschlüsse zu verwechseln und miteinander zu verbinden, gilt es noch zu klären“, so der Herstellungsleiter.

Größerer Schaden konnte verhindert werden

Als es zu dem Unglück kam, befand sich nur ein Mitarbeiter direkt im Abfüllraum. Vier weitere hielten sich in den angrenzenden Räumen auf. Das Gebäude wurde evakuiert. Alle 156 Produktionsmitarbeiter mussten den betroffenen Bereich verlassen und wurden anfangs in einen trockenen Raum des Kellers geführt. Gegen Mittag wurden sie in den Feierabend zum Wochenende entlassen. Die gesamte Produktion kam zum Stillstand.

Dadurch, dass das Gas wie Schwefelsäure stinkt, wurde der Vorfall schnell bemerkt, ein größerer Schaden konnte verhindert werden. Der direkte Kontakt mit der Lösung kann zu einer Atemwegserkrankung führen, erklärt der Herstellungsleiter. Die Flüssigkeit ist ätzend und schädigt Haut und Augen. Die durch die Reaktion entstehende Hitzeeinwirkung auf die Behälter kann schlimmstenfalls zu einem Druckanstieg mit Explosionsgefahr führen. „Diese Gefahr bestand in diesem Fall aber nicht, die Situation war unter Kontrolle“, so Harms. Auch nach Angaben der Polizei war die Bevölkerung durch den Unfall nicht gefährdet.

Einsatzkräfte der Feuerwehren aus Trittau und Lütjensee sowie der Löschzug-Gefahrgut Stormarn (LZG) waren im Einsatz. Der LZG ist eine Einheit des Kreisfeuerwehrverbandes Stormarn und wird immer dann gerufen, wenn es zu Unfällen mit biologischen oder chemischen Mitteln kommt. Gut 70 Feuerwehrleute waren vor Ort, sagte Stefan Evers, Zugführer der Feuerwehr Trittau. Die Feuerwehr Reinbek brachte den zuständigen Notarzt nach Trittau. Dieser versorgte mit den Rettungsassistenten die fünf Verletzten, die Dämpfe eingeatmet hatten, und überwies sie zur weiteren Kontrolle ins Krankenhaus. Dort sei festgestellt worden, dass sich niemand ernsthaft verletzt habe, sagte Rotexmedica-Geschäftsführer Patrick Lever. Zu einer Schädigung der Umwelt sei es ebenfalls nicht gekommen.

Eine Spezialfirma muss die Produktionsräume reinigen

Wie hoch der entstandene Schaden für Rotexmedica ist, konnte Kai-Uwe Harms direkt nach dem Vorfall noch nicht beziffern. „Die nächsten zwei bis drei Tage steht die Produktion erst einmal still“, so der Herstellungsleiter. Eine Fachfirma aus Lübeck muss die Produktionsräume säubern und die Chemikalien gesondert entsorgen. Das Trittauer Unternehmen hat keine eigene Neutralisierungsanlage mehr.

Es ist nach Angaben des Unternehmens das erste Mal, dass es zu einem Chemie-Unfall bei der Firma Rotexmedica gekommen ist. Harms: „Bislang stellte sich jeder Alarm als Fehlalarm heraus. Davon sind wir hier anfangs auch ausgegangen.“