Stormarn
Serie

Liebeserklärung an Nienwohld: Familienleben mit Tieren

Jenny Salzwedel lebt in Nienwohld Tür an Tür mit ihrem Pony Lady

Jenny Salzwedel lebt in Nienwohld Tür an Tür mit ihrem Pony Lady

Foto: Christina Schlie / HA

Warum lieben Stormarner ihre Heimat? Das erfahren Sie in einer Serie unter dem Titel „Liebeserklärung an...“. Heute: Nienwohld.

Was macht Nienwohld so lebens- und liebenswert? Christina Schlie hat bei den Einwohnern nachgefragt.

„Tür an Tür mit dem eigenen Pferd“

„Es ist Lady, die mich in Nienwohld hält“, sagt Jenny Salzwedel. Lady, das ist das Pony der 19-Jährigen. Jennys Herz hängt so sehr an dem Deutschen Reitpony, dass sie sich noch nicht dazu durchringen konnte, aus Nienwohld wegzuziehen. Ein Blick über den Gartenzaun genügt, und schon kann sie ihre temperamentvolle Stute beobachten.

Und genau darin liegt für die junge Frau der Reiz, auf dem Dorf zu leben. Das eigene Pferd in direkter Nachbarschaft zum Wohnhaus – ein Luxus, den sich Jenny in zentralerer Lage nicht leisten könnte. Zum Ausreiten bietet Nienwohld alles, was das Reiterherz begehrt. Wiesen, Wälder, das Moor und Wege, ohne auch nur eine Straße überqueren zu müssen – bis nach Duvenstedt.

„Dorfgeschichte und Zitronen-Baiser“

„Ich habe mir hier meinen Lebenstraum erfüllt“, sagt Anja Manke. Der Lebenstraum der 50-Jährigen ist ein kleines, schnuckeliges Wochenend-Café, das an Omas Zeiten erinnert. Das einzige in Nienwohld. Bereits das Haus wurde 1905 errichtet. Den selbstgebackenen Kuchen – die Klassiker sind Zitronen-Baiser und Heidelbeer-Quark-Sahne – gibt es von Sammeltellern.

An den Wänden des Cafés hängt altes Werkzeug und die kleinen Gäste können mit einem nostalgischen Puppenwagen spielen. „Auf unserer Sofaecke darf sogar gehopst werden“, sagt die Hobby-Bäckerin. Dass der handgefilterte Kaffee hier besonders köstlich schmeckt, liegt bestimmt an dem Nienwohlder Brunnenwasser. „Bei uns lebt die Dorfgeschichte“, sagt Anja Manke und lächelt zufrieden dabei.

„Früher wurde mit den Pferdewagen Torf abgebaut“

Günter Hamann kennt das Nienwohlder Moor wie seine Westentasche. Seit fünf Jahren kümmert er sich ehrenamtlich um das Moor. Eingesetzt wird er vom Landesjagdverband Schleswig-Holstein. Zu seinen Aufgaben gehört die regelmäßige Überprüfung der Wasserpunkte, die besagen, wie feucht das Moor ist. Er überprüft die Wege und kontrolliert Reptilienplatten, die besagen, welche Art von Tieren in welcher Anzahl im Moor leben.

Das Nienwohlder Moor hat eine Größe von 400 Hektar und dehnt sich bis Sülfeld und Itzstedt aus. Es gilt als eines der besterhaltenen Moore in Schleswig-Holstein. Früher wurde hier mit Pferdewagen Torf abgebaut. „Immer wieder kommt es vor, dass Menschen hier ihren Müll abladen“, sagt Hamann mit Unverständnis. Ein Spaziergang durch das stille Moor ist für den Rentner stets ein besonderes Erlebnis.

„Familienleben mit Tieren“

Joy stürmt los und kann es kaum erwarten, mit Frauchen Sandra Salzwedel einen ausgiebigen Spaziergang zu machen. Der einjährige Shit-Zu-Pekinese ist ein Temperamentsbündel und immer in Bewegung. „Hier kann ein Hund frei laufen und sich austoben“, sagt die 48-Jährige. „Ich bin sehr naturverbunden und liebe meine Tiere.“ Neben Hundedame Joy gehört der Nienwohlderin noch die Haflinger-Stute Nancy.

Da ist es praktisch, dass der Stall in direkter Nachbarschaft zum Wohnhaus ist. Als zweifache Mutter kennt Sandra Salzwedel allerdings auch die Nachteile des Lebens auf dem Dorf. „Solange die Kinder noch kleiner sind und keinen Führerschein haben, muss man sie überall hinfahren.“ Ein Leben in Nienwohld ohne Auto ist schwer vorstellbar und eine sehr große Herausforderung.

„Leben, wo andere gern Urlaub machen“

Äpfel, Birnen, Zwetschgen, Quitten oder rote Früchte – Martin Schmidt kann alles gebrauchen. In der Süßmosterei Schmidt wird aus heimischen Früchten Saft gepresst. Bis zu 400 Tonnen Äpfel werden pro Jahr in der Süßmosterei zu köstlichem Apfelsaft verarbeitet. Seit 1970 hat das Familienunternehmen seinen Sitz in Nienwohld. „Wir leben hier, wo andere gern Urlaub machen würden“, sagt Martin Schmidt.

Die Dorfgemeinschaft sei es, die das Leben in Nienwohld zu etwas Besonderem mache. Vom Feuerwehrfest bis zum Laternelaufen, wenn es etwas zu feiern gibt, ist das ganze Dorf auf den Beinen. Seit 17 Jahren engagiert sich der 62-Jährige in der Gemeindeverwaltung, seit drei Jahren ist er stellvertretender Bürgermeister. „Die Verbindung zu Nienwohld bleibt ein Leben lang bestehen“, sagt Schmidt. Gerade für Kinder bedeute das Leben auf dem Dorf die große Freiheit.

„Nienwohlder wissen, was an ihrer Heimat gut ist“

Dittmer Martens ist ein waschechter Nienwohlder Jung. In Nienwohld geboren, aufgewachsen und niemals von dort weggegangen. Auf die Frage, was ihn in dem kleinen Dorf hält, antwortet er nur ein Wort „Heimat“. Bereits Dittmer Martens Mutter hat ihr Leben in Nienwohld verbracht.

Und auch Martens erwachsenen Sohn scheint es nicht von hier wegzuziehen. Dittmer Martens betreibt einen kleinen Fischladen im Ort. Geräucherten Aal, Forelle, Lachs und Karpfen hat er im Angebot. „Die Forelle läuft am besten“, sagt er 64-Jährige zum Abendblatt. „Die Nienwohlder wissen halt, was gut ist“, sagt der rüstige Rentner.

„Moorhühner treffen sich zu Spieleabenden“

Es war die Liebe zu ihrem Ehemann Joachim, die Isa Brüggemann-Bornhöft 1993 nach Nienwohld verschlagen hat. „Wir haben uns bewusst für das Leben auf dem Dorf entschieden“, sagt die 55-Jährige. Isa Brüggemann-Bornhöft stammt aus Rümpel, hat ihr Herz aber schnell für Nienwohld entdeckt. „Die Menschen im Ort haben es mir angetan.“

Ehemann Joachim war 30 Jahre lang Feuerwehrchef, bevor er in diesem Jahr das Amt an seinen Sohn übergeben hat. In Sachen Geselligkeit stehen die Nienwohlder Frauen den Männern in nichts nach. Vor 20 Jahren haben sie die „Moorhühner“ gegründet. Eine Vereinigung von Feuerwehrfrauen. Einmal im Monat treffen sich die 20 Frauen zum Spieleabend, Kinobesuch oder zur Fahrradtour. „Wir haben hier eine sehr starke Gemeinschaft.“