Stormarn
Wohnmobil-Tour

74.000 Kilometer durch Wüste und Dschungel

Gabriele und Wolf Leichsenring legten mehr als 74.000 Kilomter zurück

Gabriele und Wolf Leichsenring legten mehr als 74.000 Kilomter zurück

Foto: Gabriele Leichsenring / HA

Gabriele und Wolf Leichsenring waren zwölf Monate in Neuseeland und Australien unterwegs. Ihr Wohnmobil hatten sie verschifft.

Bad Oldesloe.  Die Auffahrt des Grundstücks von Gabriele und Wolf Leichsenring ist leer. Ein Wohnmobil, an dessen Außenverkleidung noch roter Staub aus dem australischen Outback klebt, steht hier nicht. Doch im Haus brennt Licht – das Oldesloer Ehepaar scheint also wirklich wieder zu Hause zu sein. Und tatsächlich: Gabriele Leichsenring öffnet die Tür und bittet freundlich herein.

Tageszeitungen, benutztes Geschirr, gerückte Stühle – drinnen sieht es aus, als wäre nie jemand weg gewesen. Auch die Eheleute selbst erwecken nicht den Eindruck, als wären sie erst seit Kurzem wieder hier. Zwölf Monate tourten sie mit dem Wohnmobil durch Australien und Neuseeland. Die Bilanz: 74.000 gefahrene Kilometer, mehr als 10.000 Fotos, ein platter Reifen und Erfahrungen, die ihnen niemand mehr nehmen kann.

Verschiffung des Wohnmobils war günstiger

Das Wohnmobil mieteten die Leichsenrings nicht etwa vor Ort, sondern verschifften es von Deutschland aus auf die andere Seite des Globus’. Langfristig gesehen sei das billiger gewesen, habe aber auch mehr Zeit in Anspruch genommen. „Bis es in Australien ankam, vergingen Wochen“, sagt Wolf Leichsenring. „Und bis es wieder hier bei uns ist, dauert es auch noch.“

Während Gabriele Leichsenring Kaffee einschenkt, deutet sie auf die Tischdecke. „Die haben wir auf den Tiwi-Inseln bei Aborigines gekauft“, sagt die 71-Jährige und lächelt. Aha, also doch. Der von den australischen Ureinwohnern erstellte Stoff – ein erster sichtbarer Hinweis auf die Reise des Ehepaars.

Seine Erfahrungen hält das Ehepaar in zwei Büchern fest

Einen Zweiten präsentiert Wolf Leichsenring. Der 69-Jährige hält ein Buch in der Hand, auf dessen Cover sein Name steht. Darunter: „Die Suche nach dem Paradies – mit dem Wohnmobil 12.000 Kilometer durch Neuseeland.“ Er sagt: „Wir haben während unserer Reise zwei Bücher verfasst. Eines über Neuseeland und eines über Australien. Letzteres befinde sich noch im Druck, werde aber bald erscheinen.

Zwei Bücher innerhalb eines Jahres – nach Urlaub klingt das irgendwie nicht. „Dort drüben wird es immer zwischen 17 und 18 Uhr dunkel“, sagt Wolf Leichsenring. „Wir haben um diese Zeit jeden Tag, egal wo wir gerade waren, angefangen zu arbeiten.“ Für die Texte sei er, für die Fotos seine Frau verantwortlich gewesen. „Klassisches Work and Travel also“, sagt Wolf Leichsenring und lacht.

62.000 Kilometer legten die Leichsenrings in Australien zurück. Ihre Route führte sie einmal an der Küste entlang und dann quer durch das Landesinnere. In Städten wie Sydney, Melbourne und Brisbane verweilten sie nur kurz. „Es war schön dort“, sagt Gabriele Leichsenring, „aber am wohlsten fühlen wir uns in der Natur. So sind wir gestrickt.“

Ehepaar begleitete für einen Tag einen Outback-Postboten

Ihrem Mann liege das Reisen in den Genen. „Meine Kindheit verbrachte ich auf Zeltplätzen“, sagt dieser. „Seit 35 Jahren erkunden meine Frau und ich mit dem Wohnmobil die Welt.“ Island, Amerika, Marokko – die Liste der Orte, die das Ehepaar besuchte, ist lang. Doch im Outback – so werden australische Regionen bezeichnet, die fernab der Zivilisation liegen – sei es ganz besonders schön gewesen. „Wir haben mit vielen Einheimischen gesprochen, um von Orten zu erfahren, die außerhalb des typischen Touristengebiets liegen“, sagt Wolf Leichsenring. „Und das hat sich ausgezahlt.“

An einem Tag begleitete das Ehepaar einen Outback-Postboten auf seiner Tagestour. „Der fährt zweimal die Woche jeweils 600 Kilometer durch die Wildnis, um Briefe und Pakete zu den wenigen Menschen zu bringen, die dort draußen Leben“, sagt Leichsenring. „Eine der Farmen war flächenmäßig so groß wie Belgien.“ Nicht mal ein Dutzend Menschen kümmere sich dort um 60.000 Rinder.

Leichsenrings haben Vorträge und Ausstellungen geplant

Auf die Frage, ob Neuseeland oder Australien schöner sei, antwortet Gabriele Leichsenring: „Das ist unmöglich zu beantworten. Neuseeland war mit seinen Bergen, Gletschern und Grünstreifen wunderschön. In Australien gefielen mir die vielen Tiere am besten.“ Ob Krokodile, Kängurus, Schlangen, Papageien oder Koalas – die Leichsenrings haben sie alle gesehen. „Das war wirklich beeindruckend“, sagt Wolf Leichsenring. „Exotische Vögel gibt es dort wie Spatzen bei uns.“

Wohin die nächste Reise das Ehepaars führe, stehe noch nicht fest. „In den nächsten Monaten sind wir erstmal mit Vorträgen und Ausstellungen beschäftigt“, sagt Wolf Leichsenring. „Dann schauen wir mal.“ Aber dass es weitergehe, sei ganz sicher. „Es wird die Zeit kommen, da können wir nicht mehr fröhlich in der Welt umherspringen“, sagt der 69-Jährige. „Aber bis es soweit ist, stellt das Reisen unseren eigenen Jungbrunnen dar.“

Informationen zu den Reisen und Vorträgen der Leichsenrings: ga-wo.leichsenring.net, nächster Vortrag am Di 1.11., 19.00–20.30 , Bürgerhaus Bad Oldesloe, Mühlenstraße 22, Thema: Norwegen