Ammersbek

Bredenbeker Teich: Angler müssen nun Leine ziehen

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Marc R. Hofmann
Entspannt angeln wie auf diesem Bild (Symbolfoto) ist am Bredenbeker Teich schon seit Anfang Oktober nicht mehr möglich. Der Campingplatz macht von seinem Hausrecht Gebrauch

Entspannt angeln wie auf diesem Bild (Symbolfoto) ist am Bredenbeker Teich schon seit Anfang Oktober nicht mehr möglich. Der Campingplatz macht von seinem Hausrecht Gebrauch

Foto: BraunS / Getty Images

Anglerverein Alster darf schon seit Anfang Oktober nicht mehr in den Gewässern zwischen Ahrensburg und Ammersbek fischen.

Ahrensburg/Ammersbek.  „Ein absolutes Trauerspiel, die Bredenbeker Teiche waren das Aushängeschild vom Anglerverein Alster“, schreibt ein Nutzer mit dem Namen „yeti4x4“ im Ang­lerboard, einem Internet-Diskussionsforum für Freunde des Sports. Das Gewässer, das aus drei miteinander verbundenen Teichen besteht, sei Schauplatz von Auseinandersetzungen zwischen Anglern und Campern geworden. „Es hat Pöbeleien gegen Herrn Lehmann gegeben“, bestätigt Horst Waschulewski vom Anglerverein. Mit dem Vereinsvorsitzenden des Campingvereins – Fred Lehmann – sei eigentlich eine Nutzung noch bis Jahresende ausgemacht gewesen. Nun hat der Campingplatzbetreiber den Anglern ein Platzverbot erteilt.

Bisher waren die Angler Unterpächter gewesen. Waschulewski ärgert sich: „Die Vereinskollegen haben keine Rücksprache gehalten.“ Es sei lange bekannt gewesen, dass das Gewässer bis Jahresende geräumt werden müsse. Darüber seien die Angler auf der Jahreshauptversammlung im Frühjahr informiert worden. Ein finales Abfischen stehe nun im November an. „Es ist schon traurig, so ein Gewässer nach 60 Jahren abgeben zu müssen“, sagt der Vereinsvorsitzende, der sich damit abgefunden zu haben scheint. Fakt ist, mittlerweile weisen sowohl der Campingverein als auch die Angler am Zufahrtstor zum Campingplatz auf das Verbot hin. Der Hinweis der Angler informiert die Vereinskollegen direkt am verschlossenen Tor über das erloschene Pachtverhältnis. Und darüber, dass bereits mit dem Ablassen der Teiche begonnen wurde. Doch dieser Hinweis ist auf dem Schild neben dem Einfahrtshäuschen von außen kaum zu entziffern.

Campingplatzverein darf Hausrecht ausüben

Die Camper verweisen zusätzlich auf ein Urteil des Landgerichts Lübeck vom 28. Juli dieses Jahres, das den Campingplatzverein berechtige, Hausrecht auszuüben. Dieser hat die Flächen von Grundeigentümer Jan Schwartzkopff gepachtet. Dabei ist dies nur das vorerst letzte Kapitel in einem Streit, der seit 2011 schwelt. Der Hamburger Schwartzkopff hatte den Teich und umliegende Flächen einige Jahre zuvor geerbt und die regulär bis Ende 2018 geltenden Pachtverträge vorzeitig gekündigt. Neben den Anglern sind davon auch die beiden Golfclubs Hamburg-Walddörfer und Ahrensburg-Hamburg sowie besagter Campingplatz betroffen. Sie alle gingen rechtlich gegen diese Entscheidung vor (das Abendblatt berichtete).

Horst Ansén, der Bürgermeister von Ammersbek, sagt dazu: „Das Thema beschäftigt uns schon seit Langem, wir wissen bis heute nicht, was Schwartzkopff mit den Grundstücken vorhat.“ Die Gemeinde werde bei privatrechtlichen Auseinandersetzung jedoch nicht informiert, habe leider nie persönlichen Kontakt zu Schwartzkopff bekommen, sagt der Bürgermeister, in dessen Gemeinde ein Teil der Flächen liegt.

Räumungen erst zum Saisonende eingefordert

Ähnlich geht es offenbar Axel Roeb. Der Clubmanager des Walddörfer-Golfclubs sagt gegenüber dem Abendblatt: „Herr Schwartzkopff möchte nicht, dass wir Wasser aus dem Bredenbeker Teich über sein Grundstück leiten.“ Dabei sei Wasser schließlich ein Allgemeingut. Und der Kreis habe in dieser Sache eine Duldungsverfügung erlassen.

Ein weiterer Prozess vor dem Landgericht Lübeck deswegen laufe noch. Selbst auf Gesprächsangebote des jüngst verstorbenen ehemaligen Hamburger Ersten Bürgermeisters und Vereinsvorsitzenden Henning Voscherau habe Eigner Schwartzkopff nicht reagiert. Die Nachbarn vom Ahrensburger Club scheinen sich hingegen arrangiert zu haben, obwohl sie wegen Jan Schwartzkopff einen großen Teil ihres Platzes neu anlegen müssen und damit ihr charakteristisches Inselgrün an Bahn elf verlieren. Schwartzkopff habe dieses Frühjahr vor Gericht Recht bekommen, die Räumung aber erst zum Saisonende eingefordert, bestätigt der kommissarische Pressesprecher Christian Warsch auf Anfrage. Er stehe in Kontakt mit Schwartzkopff, habe „ein Auskommen“ mit ihm gefunden. „Wir haben kein Problem mehr, arbeiten jetzt konstruktiv zusammen.“

Grundstückseigner reagiert auf keine Anrufe und Anfragen

Auch der Campingplatzverein scheint sich mit dem Eigentümer geeinigt zu haben. Zwar verweigerte der Verein telefonisch jede Auskunft, doch Bürgermeister Ansén geht davon aus, dass die Camper das Gelände bis zum regulären Pachtvertragsende 2018 nutzen dürfen.

Die Angler müssen hingegen jetzt Leine ziehen. Der Vorstand hat seine Mitglieder per Post über den erloschenen Pachtvertrag informiert. Das Thema kommt zudem auf die Tagesordnung einer für Dezember geplanten Mitgliederversammlung, wie Vereinsvorsitzender Waschulewski sagt.

Eine Stellungnahme des Grundstückseigners Jan Schwartzkopff zu den Vorgängen gibt es nicht. Er reagierte über mehrere Tage nicht auf Anrufe und eine Fax-Anfrage des Abendblattes.

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