Stormarn
7-Jähriges Mädchen

Versuchte Entführung? Polizei ermittelt in Stapelfeld

Johanna Schulz (40) und ihre Tochter Raphaela (7) an der Reinbeker Straße in Stapelfeld. Dort soll ein junger Mann versucht haben, das Kind zu entführen

Johanna Schulz (40) und ihre Tochter Raphaela (7) an der Reinbeker Straße in Stapelfeld. Dort soll ein junger Mann versucht haben, das Kind zu entführen

Foto: Dorothea Benedikt / HA

Unbekannter Mann soll in Stapelfeld ein siebenjähriges Mädchen in sein Auto gestoßen haben. Es schrie um Hilfe und trat nach dem Mann.

Stapelfeld.  Mit einem gelben Buntstift malt die sieben Jahre alte Raphaela einen Schmetterling auf ein weißes Stück Papier. Mit Orange verziert sie den Falter, setzt jeden Strich sehr präzise. Raphaela ist ein aufgewecktes Kind, lacht viel. „Gott sei Dank“, sagt ihre Mutter Johanna Schulz. Denn wenige Tage zuvor soll ein unbekannter Mann versucht haben, das Mädchen zu entführen.

„Ich wollte für Mama ein Geburtstagsgeschenk kaufen“, sagt die Siebenjährige, als sie sich an den 6. Oktober, vergangenen Donnerstag, erinnert. Die Zweitklässlerin läuft gegen 15 Uhr von Daheim zu dem nur wenige Hundert Meter entfernten Frischemarkt an der Hauptstraße. Ihre Großeltern waren vor Kurzem zu Besuch bei der Familie und haben Raphaela etwas Geld in ihr kleines hellblaues Portemonnaie gesteckt.

Raphaela schafft es, sich aus dem Auto zu befreien

Davon möchte das Mädchen ihrer Mutter Pralinen kaufen. Am Sonntag feiert diese ihren 40. Geburtstag. Raphaela kauft eine Schachtel Sarotti-Pralinen und geht wieder nach Hause. An der Reinbeker Straße, nur 50 Meter von ihrem Zuhause entfernt, steht an einer Einfahrt ein schwarzes Auto. So berichtet es Raphaela. Die Beifahrertür ist geöffnet, ein Mann kniet davor. Raphaela geht vorbei. „Kannst du mir helfen“, soll der Unbekannte mit leiser Stimme gesagt haben. Die Siebenjährige dreht sich um, tritt an die Autotür heran. „Dann hat er mich ins Auto gestoßen“, sagt das Mädchen und macht mit seinen kleinen Händen die Stoßbewegung nach.

„Mir hat sie erzählt, ihr Kopf habe dort gelegen, wo der Schalthebel ist“, erinnert sich die Mutter. Raphaela schafft es, sich auf den Rücken zu drehen und nach dem Mann zu treten, der sie anlächelt. Das Mädchen wehrt sich, schreit. „Ich habe auch gesagt, dass meine Mama gleich kommt, ich nur vorgegangen bin“, sagt Raphaela.

Plötzlich packt der unbekannte Mann, den Raphaela als sehr jung beschreibt, das Kind und wirft es regelrecht auf die Straße. „Ich bin dabei auf die Knie gefallen“, erinnert sich das Mädchen, das anschließend nach Hause rennt. „Sie kam weinend zu mir gelaufen“, erinnert sich Johanna Schulz. Schluchzend erzählt Raphaela, was passiert ist. „Natürlich habe ich meinem Kind geglaubt, aber im ersten Moment nicht realisiert, was da passiert ist“, sagt die Mutter, der erst später bewusst wird, dass ihr Kind offenbar knapp einem Verbrechen entkommen ist.

Polizeisprecher: „Wir nehmen die Sache ernst“

Johanna Schulz geht mit ihrer Tochter zu der Stelle, wo das schwarze Auto stand. Auf dem Weg kommt ihnen eine Radfahrerin entgegen. Sie hält die Schachtel Pralinen sowie das kleine hellblaue Portemonnaie, verziert mit Rehen und weißen Kaninchen, in der Hand. Raphaela hatte beides fallen gelassen, als der Mann sie wieder auf die Straße warf. Laut Johanna Schulz hat die Frau nur die Sachen gefunden, den Vorfall aber nicht beobachtet.

Erst rund eine Stunde nach der Tat, gegen 16.30 Uhr, ruft die Mutter bei der Polizei an. Zwei Beamte aus Trittau fahren zu der Familie und befragen das Kind. „Mich hat gewundert, dass der Polizist mit ihr wie mit einer Jugendlichen gesprochen hat“, sagt Schulz.

„Wir nehmen die Sache ernst“, erklärt Polizeisprecher Holger Meier, der allerdings sagt, dass einiges nicht in sich schlüssig ist. „Das heißt nicht, dass wir dem Kind nicht glauben“, so der Polizist. Er spricht von ersten Ermittlungsansätzen in dem Fall. Gleichwohl hat sich die Polizei dagegen entschieden, die Öffentlichkeit über den Vorfall zu informieren. Man wolle keine Unruhe verursachen.

Mutter infomiert Kita und Grundschule

Johanna Schulz dagegen hält es für wichtig, auch andere Eltern über eine mögliche Gefahr zu informieren. Sie hat am Freitag mit dem Mitarbeiter im Frischemarkt gesprochen. Auch Bürgermeister Jürgen Westphal kam zufällig in den Laden und erfuhr von dem Vorfall. „Ich habe mit der Polizei über den Vorfall gesprochen, weiter möchte ich dazu nichts sagen“, sagt Westphal.

Die Mutter, deren Kinder eine Hamburger Schule besuchen, informierte auch die Kita und die Grundschule in Stapelfeld. „Ich habe mit den Lehrern darüber gesprochen“, sagt Schulleiterin Jutta Grot. Ohne auf den konkreten Fall einzugehen sollen die Pädagogen mit den Schülern darüber sprechen, wie sich die Kinder in solch einem Fall verhalten sollen. Die Eltern informierte Grot nicht. „Nur wenn eine Mutter oder ein Vater mich darauf angesprochen hätte, hätte ich es gemacht – man will die Pferde schließlich nicht scheu machen“, sagt Grot. Wie die Kita, die ebenfalls an der Reinbeker Straße ist, damit umgegangen ist, darüber will die Leiterin keine Angaben machen.