Stormarn
Tangstedt

Jan aus Bargteheide wurde an der Bundesstraße 432 geboren

Erleichterung nach der Geburt im Rettungswagen: Der kleine Jan Jonas liegt auf dem Bauch seiner Mutter Frauke. Vater Björn (r.) ist den beiden Rettungssanitätern Julia Amann und Nicolas Kronberg sehr dankbar

Erleichterung nach der Geburt im Rettungswagen: Der kleine Jan Jonas liegt auf dem Bauch seiner Mutter Frauke. Vater Björn (r.) ist den beiden Rettungssanitätern Julia Amann und Nicolas Kronberg sehr dankbar

Foto: rtn, peter wuest / rtn

Glückliches Ende einer äußerst eilbedürftigen Angelegenheit: Rettungssanitäter holen Baby an einer Bushaltestelle auf die Welt.

Tangstedt.  Bei seiner Geburt wog er exakt 2850 Gramm und war 47 Zentimeter groß: Jan Jonas kam um 8.20 Uhr im Rettungswagen 60/83/2 vor der Bushaltestelle Rade gesund und munter auf die Welt. In seiner Geburtsurkunde steht jetzt: Kreis Stomarn, Ort Tangstedt, Bundesstraße 432, Abschnitt 130 bei Kilometer 1,8. Ein Eintrag der in dieser Art nicht nur ungewöhnlich, sondern sicherlich auch sehr selten ist.

Der Tag hatte für Vater Björn bereits um 6 Uhr angefangen. Seine Frau Frauke hatte erste Anzeichen von Wehen. Schnell brachte der Bartgeheider den Sohn Ben Niklas zur Kindertagesstätte, beschloss aber sofort nach seiner Rückkehr, einen Krankenwagen anzurufen. Kurze Zeit später traf der ein. Jedoch stellte dessen Besatzung sofort fest: Es kann nicht mehr lange dauern, bis das Kind auf die Welt kommt – denn die Fruchtblase der hochschwangeren Frau war bereits geplatzt.

Die Eltern sind den Rettungskräften sehr dankbar

Schnell holten die Rettungssanitäter Julia Amann (24) und Nicolas Kronberg (42) die Trage aus dem Krankenwagen. Danach brachten sie die werdende Mutter behutsam in das Fahrzeug. Als Wunschkrankenhaus hatte die Bargteheiderin den Rettungskräften das Krankenhaus Barmbek genannt. Julia Amann erinnert sich zurück und sagt: „Dieses Ziel war aus unserer Sicht unmöglich rechtzeitig zu erreichen. So steuerten wir das Krankenhaus Heidberg an.“

Mit Blaulicht und Martinshorn ging es los, der Notarzt wurde über Funk informiert und machte sich in Richtung Rettungswagen auf den Weg. Vater Björn: „Dann ging alles sehr schnell.“ Das Baby habe keine Lust mehr gehabt zu warten, deshalb stoppte der Rettungswagen an der Bushaltestelle Rade in Tangstedt, gelegen an der Bundesstraße 432.

Rettungssanitäter hat sieben Kinder auf die Welt gebracht

Dort kam der kleine Jan Jonas noch vor dem Eintreffen des Notarztes gesund und ohne Komplikationen auf die Welt. Der besondere Dank der Eltern gilt den beiden Rettungssanitätern Julia Amann und Nicolas Kronberg für deren professionelle Art. Nach der aufregenden Geburt sagte Vater Björn: „Die beiden Rettungskräfte hatten ihre Anspannung mit großer Ruhe überdeckt, und waren nach der Geburt wie wir einfach glücklich und beruhigt.“ Besonders habe ihm imponiert, dass sie den kleinen Jungen der Mutter nach der Geburt auf die Brust legten. Der Bargteheider: „Bei der Geburt unseres ersten Sohnes Ben Niklas im Krankenhaus hat meine Frau das sehr vermisst.“ Seine kleine Familie werde den beiden Helfern immer dankbar sein. „Die waren einfach super.“

Für die junge Rettungssanitäterin Julia Amann war dies ein besonderer Einsatz. Seit einem Jahr ist sie an der Rettungswache in Ahrensburg fest angestellt. Ihr Kollege Nicolas Kronberg ist hauptberuflicher Disponent in der Integrierten Rettungsleitstelle Süd in Bad Oldesloe. Er ist seit mehr als 18 Jahren im Rettungsdienst tätig. Bisher hat er sieben Kinder auf die Welt gebracht. Doch eine Geburt an der Bushaltestelle sei schon etwas besonderes gewesen.

Große Verwirrung bei Ausstellung der Geburtsurkunde

Mitarbeiter der Rettungsleitstelle bestätigen, dass solch eine Geburt wie bei Jan Jonas schon sehr selten sei. Meistens sei dann doch immer ein Notarzt mit dabei oder die Patientin werde noch rechtzeitig in die Klinik gefahren.

Doch ganz so einfach ist es nicht, wenn man an einer Bushaltestelle geboren wird. Das mussten die Eltern feststellen, als sie die Geburtsurkunde für ihren Sohn beantragen wollten. Zunächst hieß es, dass die Geburtsurkunde von Jan Jonas dort ausgestellt wird, wo die Nachgeburt war – im Krankenhaus Barmbek und somit von der Hansestadt Hamburg. Doch bei der Entlassung aus dem Krankenhaus bekamen die Eltern ihre Unterlagen zurück. Sie müssten sich an das Standesamt in Norderstedt wenden, da der Ort der Nabelschnurdurchtrennung für den Geburtsort ausschlaggebend sei. Beim Norderstedter Standesamt kam wiederum die Ansage, dass die Bushaltestelle in Tangstedt liegt. Der Haken an der Sache: Tangstedt hat kein Standesamt.

Schließlich eilte die ratlose Familie zum zuständigen Standesamt nach Itzstedt. Das Amt ist kreisübergreifend und neben Tangstedt gehören sechs Gemeinden aus Segeberg dazu. Hier nahm sich eine Standesbeamtin des Problems an und recherchierte fleißig. Nun, zwei Wochen später, steht fest: Der Ort der Geburt ist da, wo das Kind auf die Welt kommt – also in Tangstedt , an der B 432.