Stormarn
Hundesport

Hovawart-Meisterschaften: Elite kommt nach Oldesloe

Die Hunderasse Hovawart zählt in Deutschland zu den sogenannten Gebrauchshunden

Die Hunderasse Hovawart zählt in Deutschland zu den sogenannten Gebrauchshunden

Foto: Henrik Bagdassarian / HA

Bei den Meisterschaften der Hovawarte werden in drei Disziplinen die Sieger ermitteln. Das Abendblatt stellt die Prüfungen vor.

Bad oldesloe.  Die Rückkehr ins Travestadion erlebt Ralf Meins an diesem Sonnabend mit gemischten Gefühlen. Denn seit Wochen fiebert der 50 Jahre alte Hundesportler den Deutschen Meisterschaften der Hovawarte im Vielseitigkeitssport entgegen. Diese werden dieses Mal in seiner Heimatstadt Bad Oldesloe ausgetragen. Die Sportstätte am Konrad-Adenauer-Ring verknüpft der Polizeibeamte zudem eng mit Erinnerungen an alte Jugendtage, in denen er mit den Fußballern des VfL Oldesloe den einen oder anderen Erfolg feierte. Dass Meins die Titelkämpfe an alter Wirkungsstätte aber nur als Zuschauer erlebt, wurmt ihn schon. Zumal er mit seiner fünf Jahre alten Hovawarthündin Azzura zum engeren Favoritenkreis zählte.

Ein Missgeschick ließ den Traum vom Podium platzen: „Azzura hatte sich eine leichte Vergiftung zugezogen“, erzählt Meins. Als Grund verdächtigt er eine in seinem Garten wachsende Weinrebe. „Dieser Bereich ist zwar sorgfältig von unseren Hunden abgeschirmt, irgendwie muss Azzura es doch geschafft haben, sich ein paar Trauben zu stibitzen. Glücklicherweise hat sie sich schnell wieder erholt.“

Hovawarte zählen zu Gebrauchshunden

Die Hunderasse Hovawart zählt in Deutschland – ebenso wie die Rassen Deutscher Schäferhund, Rottweiler, Dobermann, Boxer, Airedale Terrier, Riesenschnauzer, Bouvier des Flandres und Malinois – zu den sogenannten Gebrauchshunden. Jede der neun Rassen ist durch einen Verein im Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) vertreten. Die meisten Klubs organisieren einmal im Jahr ihre Titelkämpfe.

Meins’ gute Kontakte zu Jörg Lemke, dem gerade vereidigten neuen Bürgermeister der Kreisstadt, halfen dabei, die Titelkämpfe nach Bad Oldesloe zu holen. Beide kennen sich aus gemeinsamen Fußballertagen beim VfL. Ausrichter der Meisterschaft ist die Landesgruppe Nord-Nordost des Rassezuchtvereins für Hovawarthunde.

Wettkampf gliedert sich in drei Disziplinen

15 Hundeführer und ihre Vierbeiner kämpfen in drei Disziplinen – Fährte, Unterordnung und Schutzdienst – um Punkte und gute Platzierungen. Die Zuschauer können im Stadion ab 10.30 Uhr die ersten vier Teams bei der Unterordnung und beim Schutzdienst bewundern. Bereits zweieinhalb Stunden zuvor treffen sich die ersten Starter in kleinem Kreis im Fährtengelände.

Das mehrere Hektar große Gelände – bestehend aus gegrubbertem Acker - hat ein Landwirt aus dem Oldesloer Umland zur Verfügung gestellt. „Entsprechendes Fährtengelände für eine höhere Anzahl an Prüfungen zu bekommen ist meist der schwierigste Teil bei der Organisation einer Meisterschaft“, sagt Landesgruppen-Übungswartin Christine Köser-Steen.

Keine Kommandos in der Fährte

Verständlich, denn die Länge einer einzigen Fährte beträgt bei einer Gebrauchshundeprüfung der Stufe IPO 3 immerhin 600 Schritt. Zudem schreibt die Prüfungsordnung vier Winkel und fünf Schenkel vor, die der Hund mit seiner Nase sorgfältig und ruhig abzusuchen hat. Die Spur legt ein Fährtenleger bereits eine Stunde zuvor. Mit jedem Auftreten löst er dabei eine mechanische Veränderung des Bodens aus. Das dadurch entstehende Geruchsbild nimmt ein gut ausgebildeter Hund mit der Nase auf und verfolgt es hochkonzentriert bis zum Fährtenende.

In der Fährte arbeitet ein Hund selbstständig, ohne jegliche Einwirkungen oder Kommandos des Menschen. Dagegen hat er im zweiten Teil der Prüfung, der sogenannten Unterordnung, die Kommandos seines Hundeführers während des Ablaufens einer vorgegebenen Strecke schnell und freudig auszuführen. Ein zügiges Befolgen des Kommandos „Sitz“, „Platz“ oder „Steh“ aus der Bewegung oder das Apportieren eines Bringholzes auf ebener Erde, über eine Hürde oder Schrägwand – jede Aktion wird von einem Leistungsrichter verfolgt und entsprechend beurteilt.

Wettstreit um die Beute beim Schutzdienst

Damit alles reibungslos klappt, ist im Training eine sensible Geradlinigkeit und sichere Beständigkeit im Handeln des Menschen Voraussetzung. „Jede einzelne Übungsstunde schweißt Hund und Mensch weiter zusammen“, sagt Köser-Steen. „Der Hovawart ist eine Rasse, die viel Freude an der körperlichen und mentalen Auslastung hat.“

Mit dem Schutzdienst endet eine Gebrauchshundeprüfung. Zwischen Hund und seinem Kontrahenten Schutzdiensthelfer entsteht hierbei ein Wettstreit um die Beute. Das Objekt der Begierde ist ein mit Jute oder Leder umhüllter Schutzarm des Helfers. Nur gut ausgebildete Hunde, die selbst in höchster Trieblage den nötigen Gehorsam zeigen, entsprechen den Prüfungsanforderungen.

Ralf Meins arbeitet seit vielen Jahren auch als Schutzdiensthelfer. „Früher hatte ein Hovawart feste Aufgaben“, sagt der Stormarner. „Er hatte Heim und Hof zu bewachen und das Eigentum seines Besitzers zu beschützen. Da er diese Aufgaben in der Regel heutzutage nicht mehr hat, sollte er seine Triebe anderweitig kanalisieren. Die sportliche Schutzhundausbildung eignet sich hervorragend, damit ein Hund sich körperlich verausgabt, während er feste Regeln lernt.“