Stormarn
Kopernikus-Gymnasium

Bargteheider Schüler geben sich eigenes Gesetz

Diese fünf Schüler bilden das neue Parlamentspräsidium am Kopernikus-Gymnasium: Valentin (v.l.), Florim, Amelie, Tom und Dolph

Diese fünf Schüler bilden das neue Parlamentspräsidium am Kopernikus-Gymnasium: Valentin (v.l.), Florim, Amelie, Tom und Dolph

Foto: Christina Sclie / HA

Am Kopernikus-Gymnaisum wird jetzt repräsentative Demokratie gelebt - mit einem Parlament, Ausschüssen und einer „Regierung“.

Bargteheide.  In Bargteheide zählt jede Stimme. Am Kopernikus-Gymnasium (KGB) wurde gestern das erste Schülerparlament gegründet. „Die Idee kam von den Schülern selbst“, sagt Vertrauenslehrer und Organisator Hauke Seiler. „Die bisherige Schülervertretung wurde als intransparent und uneffektiv empfunden.“ Ein Jahr lang hat eine Gruppe engagierter Schüler an der neuen Struktur gearbeitet. Herausgekommen ist ein zehn Seiten langes Statut, gespickt mit Paragrafen und Vorgaben. Ob ein Konstrukt aus festen Regeln bei Schülern auf Gegenliebe stößt? „Wir brauchen feste Strukturen. Bislang war nie klar, wer welche Aufgaben übernimmt und wo man mitbestimmen darf“, sagt Florim, der erste gewählte Präsident des Schülerparlaments. Das soll jetzt alles anders werden.

Die aus dem Klassenverbund heraus gewählten Klassensprecher bilden das neue Schülerparlament. Am KGB sind das gut 80 Klassensprecher, die dort stellvertretend für 900 Schüler agieren. „Ihr seid die Delegierten eurer Klassen, seid euch dieser Verantwortung bewusst“, sagte Lehrer Hauke Seiler zur Eröffnung der ersten Sitzung. Die Parlamentarier wählen für jedes Schuljahr einen Präsidenten und einen Schülersprecher. Der Präsident hat die Aufgabe, die Sitzungen zu moderieren und eng mit dem Parlament zusammenzuarbeiten. Der Schülersprecher – die Exekutive, quasi die „Regierung“, – trifft sich mit der Schulleitung und bespricht die vom Parlament erarbeiteten Themen. Daneben gibt es als zentrales Element der neuen Satzung themen- und fachbezogene Ausschüsse. „Wenn der Wunsch nach mehr Fahrradständern geäußert wird, wäre das ein Thema für den Ausschuss“, erklärt der Vertrauenslehrer.

„Kein elitärer Bestimmerkreis“

In den Ausschüssen kann sich jeder Schüler einbringen und mitbestimmen. „Bislang galt häufig der Grundsatz: Wer cool ist, kann bestimmen,“ sagt Seiler. „Wir brauchen aber keinen elitären Bestimmerkreis.“ Dies hat sich mit der neuen Regelung durchgesetzt. Am KGB soll so künftig echte Mitbestimmung gelebt werden. Juristisch wurde das Statut vom Rechtskundelehrer der Schule – einem Rechtsanwalt – begleitet.

Schulleiterin Brigitte Menell zeigt sich erfreut über die Veränderungen. „Durch die neuen Vorgaben wird die Arbeit viel transparenter“, sagt sie. Die Erfahrung zeige, dass die Schüler ihrem Engagement konkrete Taten folgen lassen wollen. Durch die festgelegten Strukturen unterstütze die neue Satzung dieses Bedürfnis. „Dass alle sich in den Ausschüssen engagieren können, schafft größtmögliche Offenheit“, so die Direktorin.

Gemeinsam etwas verändern

Konkret etwas bewegen möchte auch das frisch gewählte neue Gremium aus dem Präsidenten Florim, seinem Stellvertreter Dolph, den beiden Schriftführern Valentin und Amelie sowie Kassenwart Tom. Sie alle sind angetreten, um für die Schüler ihrer Schule etwas zu bewegen. „Es sind häufig die kleinen Sachen, die nerven“, sagt Florim. „Das ständig verstopfte Klo, kein Toilettenpapier oder zu wenig Fahrradständer. Im Gespräch mit allen Schülern können wir herausfinden, wo Prioritäten liegen und gemeinsam etwas verändern.“ Der 16-Jährige nimmt das Amt des Präsidenten ernst. Wirtschaft und Politik interessieren ihn. Auch ein späteres Studium in diese Richtung könnte er sich vorstellen.

Protokollführerin Amelie sitzt schon jetzt im Jugendausschuss und engagiert sich auf Kreisebene. Schriftführerin ist nicht das beliebteste Amt, weiß sie aus Erfahrung. „Aber es ist wichtig“, sagt die 17-Jährige. Alle Protokolle werden zukünftig veröffentlicht, unter anderem auf der Homepage der Schule.

Auch Lisa aus der sechsten Klasse findet es toll, dass sie mitbestimmen kann. „Bislang wurden immer nur die Klassensprecher gefragt“, sagt die 11-Jährige. In einer Klassenlehrerstunde, die regelmäßig alle zwei Wochen angesetzt ist und künftig immer vor einer Parlamentssitzung stattfindet, sollen Themen erörtert und Probleme festgehalten werden. Die Klassensprecher präsentieren diese Ergebnisse anschließend im Parlament. Demokratie lebt vom Mitmachen und so sind auch am KGB alle Schüler gefordert ihr Parlament mit Leben zu füllen.

Das sind die neuen Regeln für die Schüler

Es heißt offiziell Statut und umfasst eine Präambel sowie zehn Paragrafen, die sich auf sieben DIN-A4-Seiten erstrecken. Hier einige Auszüge:

Jedes Mitglied des Schülerparlaments ist in seinen Entscheidungen frei und seinem Gewissen verpflichtet. Es gilt das freie Mandat. (Präambel)

Die Schülervertretung hat folgende Organe: die Klassensprecher, das Schülerparlament, das Schülerparlamentspräsidium, den Schülersprecher, die Ausschüsse. (§ 1, Satz 1)

Das Schülerparlament ist das oberste Organ der Schülervertretung. Es setzt sich aus den Klassensprechern, dem Schülerparlamentsvorstand, dem Schülersprecher und dem Verbindungslehrer zusammen. Es hat das Recht, den Schülersprecher durch ein Misstrauensvotum abzuwählen (...) (§ 3, Abs. 2)

Der Verbindungslehrer wird vom Schülerparlament (...) für die Dauer von zwei Schuljahren gewählt. Der Verbindungslehrer kann mit einer zweidrittel Stimmenmehrheit seines Amtes enthoben werden. Auf Wunsch eines Mitglieds des Parlaments kann der Verbindungslehrer den Raum verlassen. (§6, Abs.1)

Der Schülersprecher, die Ausschüsse und das Schülerparlamentspräsidium sind verpflichtet, dem Schülerparlament über ihre Tätigkeiten zu berichten und Sie über Beschlüsse (...) zu informieren, sofern diese nicht vertraulich sind. Die Klassensprecher sind verpflichtet, allen Schülern ihrer Klasse die erhaltenen Informationen weiterzugeben. Die Lehrer sollten die dafür nötige Zeit gewähren. (§8, Abs. 1)


Die Geldmittel der Schülerschaft werden nur für die Kosten der Geschäftsführung des Schülerparlaments sowie für außerordentliche Anschaffungen oder Projekte (...) verwendet. (§9, S. 1)

Eine Änderung des Statuts kann mit einer Mehrheit von zwei Dritteln der Mitglieder des Schülerparlaments beschlossen werden. (§ 10, S.1)