Stormarn
Ahrensburg

Seit 20 Jahren wachsam unterwegs: Bürger für Sicherheit

Die Vorstandsmitglieder des Vereins (v.l.) mit Johann Friederichs, Klaus-Peter Trost, Harald Wallgrün, Jürgen Martens und Volkmar Rosink mit Notizblöcken ud Abbildtelefone. Die abgebildeten Telefone hatte der Verein in den 1990er-Jahren für seine Rundgänge angeschafft. Sie wurden inzwischen ausgemistet

Die Vorstandsmitglieder des Vereins (v.l.) mit Johann Friederichs, Klaus-Peter Trost, Harald Wallgrün, Jürgen Martens und Volkmar Rosink mit Notizblöcken ud Abbildtelefone. Die abgebildeten Telefone hatte der Verein in den 1990er-Jahren für seine Rundgänge angeschafft. Sie wurden inzwischen ausgemistet

Foto: Christian Thiesen / HA

Der Verein Bürger für Sicherheit Ahrensburg feiert nun sein Jubiläum. Die mehr als 300 Mitglieder wollen Kriminalität verhindern.

Ahrensburg.  Ihr Handwerkszeug sind Notizblock, Stift, Taschenlampe und Mobiltelefon. So ausgerüstet sind sie in Ahrensburg unterwegs, allein, zu zweit oder in Gruppen. Ihr Ziel: die Mitbürger vor Kriminellen schützen – und das seit nunmehr 20 Jahren. So lange sind die Mitglieder des Vereins Bürger für Sicherheit Ahrensburg in der Schlossstadt aktiv. Der Verein begeht das Jubiläum am heutigen Donnerstag mit einer Feierstunde im Rathaus.

„Anlass für die Gründung im August 1996 war eine sehr hohe Zahl von Einbrüchen in Ahrensburg und Umgebung, noch höher als heutzutage“, sagt Klaus-Peter Trost, der Vorsitzende des Vereins. 35 engagierte Bürger gründeten damals die Bürgerinitiative für organisierte Nachbarschaftshilfe (BONA), die sich später umbenannte. Aktuell hat der Verein 333 Mitglieder, davon 90 aktive. Sie sind überparteilich und ehrenamtlich tätig.

Vergangenes Jahr 24.000 Beobachtungsgänge gemacht

Unter dem Motto „Wir organisieren Wachsamkeit“ machen sie vor allem Beobachtungsgänge in ihrer Nachbarschaft. Rund 24.000 waren es 2015. „Das Ziel ist, Kriminalität zu verhindern, vor allem Einbrüche“, sagt Klaus-Peter Trost. Die Bürger für Sicherheit wollen dies erreichen, indem sie Verdächtiges mit offenen Augen registrieren. So achten sie auf Personen, die sich auffällig für Häuser interessieren, auf Autos, die sonst nicht an einer Straße stehen und auf Türen, die offen sind, obwohl die Bewohner bei der Arbeit sein sollten. Auffälliges wird notiert und bei dem ernsthaften Verdacht einer Straftat die Polizei informiert.

So sind unter anderem die Mitglieder Ralf Berthold und Frauke Moritz unterwegs in ihrem Stadtteil Gartenholz. „Ich mache im Verein mit, weil ich es wichtig finde, sich gegenseitig zu schützen“, sagt Ralf Berthold. Frauke Moritz achtet auf ihre Umgebung, wenn sie ohnehin ihren Hund Nigel ausführt. „Ich engagiere mich, weil der Verein gute Sachen macht, auch für Senioren und Jugendliche“, sagt sie.

Verein hat schon so einige Erfolge zu verzeichnen

„Wichtig ist, dass wir nur beobachten. Wir greifen selbst nicht ein“, betont Klaus-Peter Trost. „Wir rufen die Polizei, damit diese Straftäter festnimmt.“ Dies ist in den Regeln festgeschrieben, zu denen sich jeder Beobachtungsgänger verpflichten muss. Darin steht auch, keine Waffen mitzunehmen und nie ohne Mobiltelefon und Notizblock unterwegs zu sein.

Bei seinen Rundgängen konnte der Verein einige Erfolge verzeichnen. So wurden Einbrecher auf frischer Tat ertappt und konnten von der alarmierten Polizei dingfest gemacht werden. In anderen Fällen wurden verdächtige Personen gemeldet, bei denen sich herausstellte, dass diese bereits wegen Delikten gesucht wurden. „Wir hoffen, dass unsere Präsenz auch abschreckende Wirkung auf Kriminelle hat“, sagt Vorstandsmitglied Volkmar Rosink.

Mitglieder tragen kein Erkennungszeichen

Vereinsmitglieder wurden bislang noch nie körperlich angegriffen. Jürgen Martens, ebenfalls Mitglied im Vorstand, kann sich nur an eine brenzlige Situation erinnern: „Eine Gruppe Jugendlicher in der Friedensallee ist mal aggressiver geworden, weil sie sich wohl durch uns gestört fühlte, als wir an ihr vorbeigingen. Passiert ist aber glücklicherweise nichts weiter.“

Die Bürger für Sicherheit legen Wert auf die Feststellung, dass sie kein Sicherheitsdienst sind und keine sogenannten „Schwarzen Sheriffs“. „Das hat man uns am Anfang unterstellt, unsere Idee wurde auch abgelehnt“, erzählt Martens. „Diese Kritik ist inzwischen verstummt, man hat wohl gemerkt, dass wir anders vorgehen.“ Der Vergleich sei im übrigen auch deshalb falsch, weil die Mitglieder bei ihren Beobachtungsgängen weder Uniformen noch äußere Erkennungszeichen tragen.

Aufklärung: Wie ich mich vor Einbrechern schützen kann

Doch die Beobachtungsgänge sind nicht das einzige Betätigungsfeld der Bürger für Sicherheit. Sie wollen ihre Mitbürger auch aufklären und beraten, wie sie sich vor Kriminalität schützen können. Ein Schwerpunkt dabei sind Senioren sowie Kinder und Jugendliche. So organisieren die Mitglieder Veranstaltungen für ältere Menschen, um über Tricks von Kriminellen aufzuklären, etwa den „Enkeltrick“, und geben Tipps, wie man sich schützen kann.

Zudem fördert der Verein die Teilnahme von Kindern an sogenannten Selbstbehauptungskursen, die von Schulen organisiert werden, indem er für Eltern die Kosten übernimmt. „Die Kinder lernen dort, in bestimmten Situationen ,Nein’ zu sagen und nicht in fremde Autos einzusteigen“, sagt Jürgen Martens. Für Jugendliche brachte der Verein das Stück „Alkohölle“ einer freien Theatergruppe im Ahrensburger Marstall zur Aufführung, in dem es um die Gefahren des Alkoholkonsums ging.

Bürger für Sicherheit plagen Nachwuchssorgen

„Wir wollen durch Information der Öffentlichkeit erreichen, dass jeder das für ihn Machbare eigenverantwortlich für seine Sicherheit unternimmt“, sagt Vorsitzender Klaus-Peter Trost. Um dies zu erreichen, haben die Bürger für Sicherheit auch das Netzwerk für Kriminalprävention in Ahrensburg ins Leben gerufen. An ihm sind neben dem Verein die Stadt, die Polizei, Vereine, Schulen und Kirchengemeinden beteiligt, um gemeinsam Straftaten zu verhindern.

Doch wie viele Vereine haben auch die Bürger für Sicherheit Nachwuchssorgen. „Der Verein wird noch von seiner Gründergeneration getragen“, sagt Volkmar Rosink. „Auch wir leiden darunter, dass jüngere Menschen sich nicht an feste Organisationen binden wollen.“ Geplant ist daher ein neues Konzept für die Vereinsarbeit. Es sieht unter anderem vor, soziale Netzwerke stärker zu nutzen und mit einer App für Textnachrichten die Kommunikation zu erleichtern. Neben den gesonderten Beobachtungsgängen sollen die Mitglieder verstärkt im Alltag als Fußgänger, Rad- und Autofahrer die Augen offenhalten. So hoffen die Bürger für Sicherheit, neue Mitstreiter für ihr Ziel zu gewinnen. Klaus-Peter Trost sagt: „Wir wollen Zivilcourage zeigen, das aber mit Vernunft.“

Die Bürger für Sicherheit Ahrensburg haben ihren Sitz an der Lohe 20, 22926 Ahrensburg. Sie sind erreichbar telefonisch unter 04102/60 44 57 und per E-Mail an info@bfs-ahrensburg.de. Informationen gibt es auch im Internet auf www.bfs-ahrensburg.de Zwei weitere Bürgerinitiativen engagieren sich für den Schutz vor Kriminalität im Kreis Stormarn.
In Großhansdorf wurde die Bürgerinitiative „Mehr Sicherheit in Großhansdorf“ 1993 gegründet. Sie hat mehr als 100 aktive Mitglieder und informiert auf www.mehrsicherheit.info über sich. Telefonisch erreichbar ist der Verein unter 04102/657 61.
In Oststeinbek und Havighorst
ist die Bürgerinitiative „Sicherheit für Oststeinbek“ tätig. Sie hat vor kurzem ihr 100. Mitglied geworben. Der Verein informiert im Internet auf http://sicherheit-fuer-oststeinbek.jimdo.com über sich. Telefonische Auskünfte gibt es unter 040/738 66 65