Stormarn
Freiwillige Feuerwehr

Ein Großfeuer zerstört Gutshof in Rümpel

Mehr als 120 Feuerwehrleute kämpften am Mittwochmorgen gegen die Flammen auf dem historischen Gut Höltenklinken bei Bad Oldesloe

Mehr als 120 Feuerwehrleute kämpften am Mittwochmorgen gegen die Flammen auf dem historischen Gut Höltenklinken bei Bad Oldesloe

Foto: rtn, peter wuest / rtn

Denkmalgeschütztes Herrenhaus in Rümpel wird Opfer der Flammen. Mann rettet seine 95 Jahre alte Großmutter vor den Flammen.

Rümpel.  Es war bereits das dritte Großfeuer innerhalb weniger Wochen im Kreis Stormarn: Am Mittwochmorgen ist das alte Gutshaus im Rümpeler Ortsteil Höltenklinken abgebrannt. Sieben Wehren kämpften stundenlang gegen die Flammen.

Um kurz vor 6 Uhr morgens erreichte die Rettungsleitstelle der Notruf: Feuer auf dem Gutshof in Höltenklinken bei Bad Oldesloe. Schon beim Eintreffen der ersten Einsatzkräfte schlugen die Flammen aus dem Dachstuhl. Sieben Wehren aus Rümpel, Rohlfshagen, Pölitz, Bad Oldesloe, Grabau, Fischbek und Lasbek versuchten mit insgesamt 120 Feuerwehrleuten, das Feuer unter Kontrolle zu bringen.

Fünf Menschen werden beim Brand leicht verletzt

„Als das Feuer ausbrach, befanden sich noch fünf Menschen im Haus“, sagt Amtswehrführer Christian Rieken. Alle Bewohner hätten sich jedoch rechtzeitig in Sicherheit bringen können. „Unter ihnen war auch eine ältere Dame, die von ihrem Enkel gerettet wurde“, so der Feuerwehrmann. Die 95 Jahre alte Frau kam mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus. Ebenfalls leicht verletzt wurden eine 75-jährige Frau und ein 37-jähriger Mann, beide Bewohner des Hauses, sowie zwei Polizisten, die als erste an der Brandstelle eingetroffen waren. Da es unklar war, ob sich noch Menschen im Haus befanden, hatten sich die beiden Polizisten entschlossen, das brennende Haus zu betreten.

Die Nachbarn wurden von der anrückenden Feuerwehr geweckt. „Wir sind sofort hinüber gerannt. Meine Frau hat geholfen, die Großmutter raus zu tragen und ich habe noch versucht, einige Sachen aus dem Büro zu retten“, erzählt Marcus Strohmeier. „Aber viel konnte man da nicht mehr ausrichten.” Jetzt sitzt er mit seiner Frau Jessica vor dem abgebrannten Haus und beobachtet die Löscharbeiten. Beide wirken erschöpft und mitgenommen.

Bedingungen für Löscharbeiten sehr gut

Etwas weiter die Straße herunter sitzen Lothar Kulik und Hans Joachim Trimm in ihrem Garten und verdauen den Schreck des Morgens. „Als wir zum Gutshaus liefen stand der Dachstuhl schon komplett in Flammen und die Feuerwehr war da”, erzählt Trimm. Eine andere Passantin berichtet, auch sie und ihr Mann seien von den Sirenen aus dem Schlaf gerissen worden. „Erst haben wir uns gefragt, was wohl passiert ist. Und dann haben wir schon die Flammen von unserem Fenster aus gesehen.”

Der Dachstuhl des denkmalgeschützten Gebäudes brannte komplett aus. Die Bedingungen für den Löscheinsatz waren glücklicherweise relativ gut. „Durch den Wassergraben vor dem Haus und einen Hydranten hatten wir genügend Wasser“, so Rieken. Für die Dauer der Löscharbeiten musste auf dem gesamten Gelände der Strom abgestellt werden, um gefahrlos arbeiten zu können. Um den Schweinestall, der nah am Haus steht, weiter belüften zu können, setzten die Retter ein Notstromaggregat und zwei Hochdrucklüfter ein.

Denkmalgeschützte Gebäude ist unbewohnbar

Obwohl die Feuerwehr ein Übergreifen der Flammen vom Dachstuhl auf die unteren beiden Etagen vermeiden konnte, entstand durch den Einsatz ein erheblicher Wasserschaden am Haus. Das denkmalgeschützte Gebäude aus dem Jahr 1906 ist jetzt unbewohnbar. Ersten Schätzungen zufolge beläuft sich der Schaden auf mehrere Hunderttausend Euro. „Der Turm muss wohl runter, der steht schon ein bisschen schief”, erklärt Feuerwehrmann Rieken.

Die Brandursache ist bisher noch unbekannt. Hinweise auf vorsätzliche Brandstiftung liegen der Kriminalpolizei jedoch nicht vor. Es war der dritte Großbrand in den letzten Wochen in der Region – bei den hohen Temperaturen eine große Belastung für die ehrenamtlichen Brandbekämpfer. „Die Kameraden haben mal wieder alles gegeben”, sagt Rieken. Die Nachlöscharbeiten dauerten noch bis zum Nachmittag an.

Das Herrenhaus Höltenklinkenin seiner jetzigen Form wurde im Jahr 1906 erbaut. Zuvor gab es an selber Stelle bereits ein Adelsgut aus dem 16. Jahrhundert, das lange im Besitz der Familie Rantzau war.
1636 verkauften es die Rantzaus. Danach wechselte es so häufig den Besitzer, dass es in der Gegend als „Walzengut“ bekannt wurde – nach der „Walz“, den Wanderjahren der Gesellen.
Oscar Stachow, der das Gut 1892 kaufte, ließ schließlich das alte Gebäude abreißen und nach den Entwürfen des Hamburger Architekten August Odt das heutige Herrenhaus errichten.
1929 kaufte die Familie des heutigen Besitzers das Gut und bewirtschaftet es seitdem.