Stormarn
Kriminalität

Der große Betrug mit teuren Immobilien

Kriminelle geben sich auf Immobilienportale als Makler aus und locken ihre Opfer mit Schnäppchen

Kriminelle geben sich auf Immobilienportale als Makler aus und locken ihre Opfer mit Schnäppchen

Foto: Schoening / picture alliance / Arco Images

Kriminelle stehlen die Profile von Maklern und bieten deren Angebote günstig im Internet zum Verkauf an. Interessenten sollen Geld anzahlen.

Ahrensburg.  Mit Immobilien lässt sich derzeit viel Geld verdienen – ein lukratives Geschäft, das auch Betrüger für sich entdeckt haben. Die Masche: Kriminelle locken Kaufinteressenten in Internetbörsen mit gefälschten Inseraten oder stehlen gar die Identität bekannter Immobilienmakler. Ziel der nach Erkenntnissen der Polizei international agierenden Täter ist es, ihre Opfer zu Kautions- oder Anzahlungen zu bringen. Danach hören die Kauf- oder Mietinteressenten nie wieder etwas von dem vermeintlichen Anbieter.

Die Stormarner Polizei registrierte bislang vier solcher Fälle, die alle im Versuchsstadium endeten. Landesweit sind es 50 Taten, bei denen ebenfalls die Betrüger größtenteils erfolglos blieben. Deswegen gehen die Beamten auch von einem großen Dunkelfeld aus. „Auch wenn diese Betrugsform nicht neu ist, gibt es gefühlt eine zunehmende Tendenz im Land“, sagt Stormarns Kripochef Hans-Jürgen Köhnke.

Die Masche der Scammer, wie die Polizei sie nennt, ist fast immer die gleiche: Um mit vielen potenziellen Käufern oder Mietern in Kontakt zu treten, bieten Kriminelle Immobilien zum Schnäppchenpreis an. Oft haben sie zuvor die Daten von Immobilien-Maklern gestohlen und agieren dabei in deren Namen.

Plötzlich stehen die Häuser angeblich in anderen Städten

Ein Reinbeker Maklerbüro ist in diesem Jahr Opfer solcher Betrüger geworden. „Jemand ist an unseren Zugang auf einer Immobilienseite gekommen und hat die Kontaktdaten, also die E-Mail-Adresse und Telefonnummer in unseren Inseraten geändert“, sagt eine Mitarbeiterin, die nicht mit Namen genannt werden möchte. Kaufinteressenten haben sich dann quasi bei den Betrügern gemeldet und nicht bei den Mitarbeitern im Maklerbüro.

Auffällig war, dass auch die Standorte der Objekte geändert wurden. „Ein Haus, das eigentlich in Reinbek steht, war laut Inserat plötzlich in Berlin oder Düsseldorf“, erinnert sich die Immobilienkauffrau. Auch dies ist ein Trick der Betrüger. „Die Reichweite ist größer, der Betrüger erreicht in einer Großstadt mehr Interessenten als in einer Kleinstadt“, sagt Sonja May, Sprecherin der Internetportals Immobilienscout24. Sie kennt die gängigen Maschen der Kriminellen und weiß, wie die Betrüger dann an das Geld der ahnungslosen Immobiliensuchenden kommen wollen.

„Im Laufe der Kommunikation wird behauptet, eine gemeinsame Besichtigung sei nicht möglich, weil beispielsweise der Vermieter oder Besitzer im Ausland lebt“, sagt Sonja May. „Was dann folgt, ist der Vorschlag einer Schlüsselübergabe gegen eine Kautionszahlung.“ Sie spricht in diesem Zusammenhang von einem sogenannten Vorkasse-Betrug. Die Stormarner Polizei kennt auch Fälle, in denen sich die Scammer als Erben der Immobilie ausgeben, die im Ausland leben.

Die Menschen sollen in der Regel einen geringen vierstelligen Betrag überweisen. Die Betrüger behaupten, dieser werde zurückerstattet, sobald der Schlüssel wieder per Post zurück geschickt wird. Wolle der Kunde das Haus kaufen, werde das Geld als Anzahlung verrechnet.

Um die Geschichte besonders glaubhaft zu machen, schicken die Betrüger oft eine Ausweiskopie an ihr Opfer. Damit will der Anbieter beweisen, dass es ihn tatsächlich gibt. Gleiches fordert er auch von dem Interessenten der Immobilie. Experten der Polizei gehen davon aus, dass die Betrüger die Ausweiskopien ihrer Opfer für den nächsten Betrug verwenden.

In einigen Fällen geht der Identitätsdiebstahl sogar noch weiter. Die Stormarner Kripo bearbeitete einen Fall, indem ein Interessent aufgefordert wurde, neben seinen persönlichen Daten auch die Bankverbindung an einen Vermieter zu schicken. „Der oder die Betrüger gaben sich als englische Ärztin aus“, sagt Kripo-Chef Hans-Jürgen Köhnke. Mit diesen Daten kauften die Scammer dann im Internet ein.

In anderen Fällen sind die Stormarner Opfer ebenfalls stutzig geworden, weil in den E-Mails von einem vermeintlich hiesigen Makler Übersetzungsfehler waren. „Diese deutet daraufhin, dass ein Text mit einem Programm ins deutsche übersetzt wurde“, erklärt Köhnke: „Durch einen Anruf bei dem Makler fiel der Betrug auf.“

Gegenüber Maklern geben sich Betrüger als Internetbörse aus

Die Makler selbst werden mit sogenannten Phishing-Mails Opfer der Betrüger. Sie bekommen eine E-Mail, die den Anschein erweckt, vom Betreiber einer Immobilienbörse zu stammen. Dort hat nahezu jeder Makler ein Konto. „In E-Mails fordern Betrüger die Makler auf, einen Link zu klicken und Zugangsdaten einzugeben“, erklärt Constanze Dinse, Sprecherin der Immonet GmbH. Dieser Link führe aber auf eine gefälschte Seite, die dem Internetauftritt der bekannten Immobilienportale täuschend ähnlich sehe. Dort sollen dann die Zugangsdaten eingegeben werden, die dann von den Kriminellen abgefangen werden.

Auch das Reinbeker Immobilienbüro ist auf diese Art Opfer der Betrüger geworden. „Wir hatten solch eine E-Mail bekommen“, sagt die Mitarbeiterin. Mit den abgefangenen Daten wurden dann die Inserate verändert.

Ähnlich erging es auch den Maklern von Mollwitz Immobilien in Bargteheide. Erst vor wenigen Tagen haben Unbekannte im Namen des Unternehmens gefälschte Angebote auf einer Immobilienplattform im Internet angeboten. „Das waren top Mietwohnungen in München oder Stuttgart für einen monatlichen Preis von 350 Euro“, sagt Jeannette Doberstein und spricht von Sahnestücken wie aus einem Katalog. Auch eine Wohnung in der Hafencity in Hamburg wurde zum Dumpingpreis angeboten. Welches Ziel die Kriminellen in diesem speziellen Fall mit dem Identitätsdiebstahl verfolgten, weiß die Immobilienmaklerin nicht. Doberstein: „Die Anfragen landeten bei uns. Ich hatte 750 E-Mails und das Telefon klingelte den ganzen Tag.“