Stormarn
Bad Oldesloe

Die Trave soll wieder im ursprünglichen Verlauf fließen

Fritz Witten (80) vom Oldesloer Angelverein auf der grünen Brücke im Brenner Moor

Fritz Witten (80) vom Oldesloer Angelverein auf der grünen Brücke im Brenner Moor

Foto: Christina Schlie / HA

In den 40er-Jahren wurde der Fluss begradigt. Anglerverein und NaturFreunde wollen dies nun wieder rückgängig machen.

Bad Oldesloe.  Blau-grün glitzert die Trave im Brenner Moor bei Bad Oldesloe in der Sonne. Langsam aber stetig sucht sich der Fluss seinen Weg vom Ursprung im Quellenteich in Gießelrade bis hin zur Ostsee. 124 Kilometer durch Schleswig-Holstein. Auch durch Bad Oldesloe. Ein fließendes Idyll. Gerade ist die Trave durch den Bund der NaturFreunde Deutschland als Flusslandschaft 2016/2017 ausgezeichnet worden. Unterstützer der Kampagne ist der Deutsche Angelfischerverband.

Fritz Witten (80) ist seit 17 Jahren der 1. Vorsitzende des Oldesloer Anglervereins (OAV). Der Klub betreut die Trave im Abschnitt um Bad Oldesloe seit 1935. Hoch erfreut aber zugleich skeptisch ist er anfangs von der Auszeichnung gewesen, sagt Fritz Witten. Die Sorge war groß, dass die Interessen zwischen dem Anglerverein und dem Bund der NaturFreunde zu sehr auseinander klaffen. „Angeln ist mehr als nur Fische fangen“, wird der rüstige Rentner nicht müde, immer wieder zu betonen. Zur großen Erleichterung Wittens habe man jedoch schnell einen gemeinsamen Nenner gefunden: Den Gewässerschutz und die Landschaftspflege.

Der OAV hat ein besonderes Anliegen. Der Verein forciert die Rückführung des Flusslaufes hin zu seinem ursprünglichen Verlauf. In den 40er-Jahren wurde die Trave begradigt. „Eine absolut falsche Entscheidung“, sagt Witten. Im Laufe der Zeit drohen die Alt-Arme zu verlanden und zu verkrauten. Die alten Flussläufe seien aber wichtige Rückzugsgebiete für die Fische bei Gefahr wie beispielsweise Gülleunfällen, zum Laichen und zum Überwintern.

Bei einer gemeinsamen Ortsbegehung im April dieses Jahres haben sich der Bund der NaturFreunde und er OAV darauf geeinigt, sich für die Renaturierung der Alt-Arme und die Durchlässigkeit des Flusslaufes einzusetzen. Der Bund der NaturFreunde wollte nach Aussage Wittens einen Förderantrag stellen. „Das ist nun schon so viele Wochen her und nichts ist passiert. Vielleicht wurde gar kein Antrag gestellt“, beklagt sich Fritz Witten. Der zuständige Sachbearbeiter war auf Nachfrage des Hamburger Abendblattes nicht erreichbar.

Der OAV ist Pächter von 10,74 Hektar Fließgewässer und 11,70 Hektar Standgewässer. Die 560 Mitglieder investieren Zeit und Geld in die Erhaltung der Gewässer und die Hege des Fischbestandes. Rund 10.000 Euro investiert der OAV jährlich in Besatzmaßnahmen, das bedeutet die Hege des Fischbestandes.

Eine Veränderung am Flusslauf der Trave fällt in die Zuständigkeit des Eigentümers und somit des Landes Schleswig-Holstein. „Man kann nicht so einfach den Flusslauf verändern“, sagt Uwe Leiner vom Landesbetrieb für Küstenschutz und Nationalparks (LKN). „Die Flächen rechts und links des Flusses gehören verschiedenen Eigentümern und müssen geschützt werden“, so Leiner, der für die Trave zuständig ist.

Seit 2000 gibt es die EU-Wasserrahmenrichtlinie, die besagt, dass in allen Gewässern möglichst wieder naturnahe Strukturen umgesetzt werden und Lebensraum für Lebewesen geschaffen wird. Seit 2002 gibt es zwei Arbeitsgruppen, die sich mit der Trave beschäftigen. In diese Arbeitsgruppen sind alle ortsansässigen Vereine integriert, so auch der OAV. Die Rückführung von Flussläufen unterliegt strikten Genehmigungen und ist ein sehr kostspieliges Unterfangen. Im Travelauf Höhe Sühlen soll im kommenden Jahr eine zirka 300 Meter lange Umgehung für Durchlässigkeit sorgen. „So ein Projekt kostet schnell an die 500.000 Euro“, sagt Leiner. Die Kosten für die Maßnahmen tragen Land, Bund und teilweise auch die EU.

Sorge macht Fritz Witten außerdem ein weiteres Projektziel der NaturFreunde Deutschlands, das die Förderung des sanften Tourismus vorsieht. „Der bestehende Umfang ist absolut ausreichend“, sagt der Rentner. „Eine Ausweitung würde die Probleme nur verstärken.“ Im Konflikt zu den Anglern stehen vor allem Wassersportler wie Kanuten oder Ruderer. „Der Tourismus muss naturverträglich sein“, fordert der 1. Vorsitzende der Oldesloer Angler.