Stormarn
Schülerzahlen

Mehr Kinder in Stormarn eingeschult

Am Anfang steht das „L“: Fast 2400 Erstklässler in Stormarn lernen jetzt auch Schreiben

Am Anfang steht das „L“: Fast 2400 Erstklässler in Stormarn lernen jetzt auch Schreiben

Foto: dpa Picture-Alliance / Hubert Link / picture-alliance/ ZB

Zahl der Erstklässler steigt um drei Prozent auf 2372. Experte: „Elterntaxis“ sind eine Gefahr auf dem Schulweg.

Bad Oldesloe.  Für genau 2372 Kinder im Kreis Stormarn beginnt jetzt die Schule. Die Zahl ist im Vergleich zum Vorjahr um knapp drei Prozent gestiegen. Nach etlichen Jahren mit rückläufigen Schülerzahlen hatte es im Vorjahr mit 2308 Abc-Schützen eine Trendwende gegeben. Im Sommer 2011 waren 2188 Mädchen und Jungen eingeschult worden, ein Jahr darauf nur noch rund 2100.

Auch in Dörfern wie Hamberge gibt es wieder ausreichend Nachwuchs. „Nach jetzigem Stand muss sich kein Ort in Stormarn Sorgen um die Zukunft machen“, sagt Michael Rebling, Schulrat bei der Kreisverwaltung in Bad Oldesloe. Die vom Land festgelegte Mindestgröße von 80 Kindern werde überall deutlich überschritten. Von Reinbek im Süden bis Reinfeld im Norden gibt es 35 reine Grundschulen sowie die Oldesloer Grund- und Gemeinschaftsschule Am Masurenweg.

Anstieg durch Flüchtlingskinder

Ein Grund für den jüngsten Anstieg sind Flüchtlingskinder. Rund 250 von ihnen besuchten im Vorjahr Grund- und weiterführende Schulen in Stormarn. Hinzu kamen noch einmal etwa 250 Kinder aus dem europäischen Ausland.

Im Unterschied zu fast allen anderen Landesteilen steigt aber auch die Einwohnerzahl im Kreis. „Es gibt Arbeit und etliche große Neubaugebiete, die vor allem junge Familien anziehen“, sagt Schulrat Rebling. Besonders deutlich sei das in Bargteheide zu spüren. Dort ist zum Beispiel die Zahl der Kinder an der Emil-Nolde-Schule binnen weniger Jahre von 180 auf 240 gestiegen. Eine ähnliche Entwicklung erwarten die Behörden mit dem für rund 1000 Menschen ausgelegten Erlenhof-Viertel in Ahrensburg.

Junge Lehrkräfte zieht es nach Kiel

645 Lehrer mit Voll- und Teilzeitstellen sowie 26 Lehramtsanwärter unterrichten die Grundschüler. „Es ist uns gelungen, alle Stellen zu besetzen“, sagt Michael Rebling. Das sei gerade bei befristeten Verträgen und in Regionen mit hohen Mieten nicht immer einfach. Das beobachtet auch der Reinbeker Landtagsabgeordnete Martin Habersaat (SPD). Er sagt: „Leider ziehen einige junge Lehrkräfte sogar eine befristete Anstellung in Kiel noch immer einer unbefristeten Anstellung bei uns im Süden vor.“

Die aktuellen Zahlen stehen in krassem Gegensatz zum Schulentwicklungsplan des Kreises aus dem Jahr 2014. Vor gerade mal zwei Jahren war bis 2020 ein Rückgang der Schülerzahlen um ein Fünftel prognostiziert worden. Die Zahl der Grundschüler sollte demnach von mehr als 8700 auf gut 7000 sinken. Bis 2035 würden es sogar nur noch knapp 5600 sein. Derselbe Trend wurde für Gemeinschaftsschulen und Gymnasien vorausgesagt. Der Plan muss laut Landesschulgesetz alle fünf Jahre erstellt werden.

Sinkende Zahlen an Gymnasien

In Schleswig-Holstein ist die Schülerzahl an allgemein- und berufsbildenden Schulen vor allem wegen der Flüchtlingskinder erstmals nicht gesunken, sondern stabil bei 380.200 geblieben. Grundschulen verzeichnen ein Plus von 3,4 Prozent auf 100.600 Kinder, Gemeinschaftsschulen von 4,6 Prozent auf 91.500 Schüler. An Gymnasien sinkt die Zahl wegen des Wegfalls des doppelten Abiturjahrgangs um 8,5 Prozent auf 83.600.

An Eltern von Erstklässlern appelliert der Kinderschutzbund, den Nachwuchs tatsächlich zur Schule gehen zu lassen und nicht tagtäglich mit dem Auto bis vor die Eingangstür zu fahren. „Gerade die vielen Autos vor den Gebäuden machen den Schulweg unsicher“, sagt Ingo Loeding, stellvertretender Landesvorsitzender des Kinderschutzbunds und Geschäftsführer des Stormarner Kreisverbands. Durch das ständige Parken und Anfahren komme es ununterbrochen zu unübersichtlichen Situationen.

Fußweg besser als „Elterntaxi“

Loeding rät Eltern, den Schulweg zu Beginn gemeinsam mit den Kindern zu absolvieren. Danach sollten Gruppen mit Geschwistern oder Kindern aus der Nachbarschaft organisiert werden. „Tatsächlich können auch die Kleinen schon mehr, als ihnen manchmal zugetraut wird.“ Der gemeinsame Fußweg an frischer Luft sei auch eine bessere Vorbereitung auf den Unterricht als das sogenannte „Elterntaxi“.

Ganz wichtig sei es zudem, die Erstklässler nicht sofort unter Druck zu setzen. Loedings Tipp an alle Familien: „Ermöglichen Sie Ihren Kindern Freude und Spaß am Lernen, denn viele Wege führen zum Ziel.“