Aufregung

Viele Badegäste ignorieren die neuen Verbote am Großensee

| Lesedauer: 6 Minuten
Verena Künstner
David Mosick (22, l.) aus Hamburg-Rahlstedt und Phillip Marlow (23) aus Farmsen sind mit ihren Hunden Bonnie (l.) und Marli zum Nordstrand gekommen

David Mosick (22, l.) aus Hamburg-Rahlstedt und Phillip Marlow (23) aus Farmsen sind mit ihren Hunden Bonnie (l.) und Marli zum Nordstrand gekommen

Foto: Verena Künstner / HA

Warnschild und drohendes Bußgeld halten Hundehalter nicht vom Besuch des Nordstrandes ab. Viele fühlen sich zu Unrecht bestraft.

Lütjensee.  Es ist nicht zu übersehen – trotzdem wird es von vielen Badegästen ignoriert: Das erst vor wenigen Tagen aufgestellte Schild mitten am Nordstrand des Großensees. Es mahnt zum Schutz der Natur, Strandbesucher werden unmissverständlich aufgefordert: „Nehmen Sie Ihren Müll wieder mit!“ Außerdem untersagt es das Zelten und Grillen, Pferde und Hunde sind am Nordstrand ausdrücklich verboten. Doch am Wochenende, das mit Temperaturen um 28 Grad im Schatten zu den heißesten dieses Sommers gehörte, kühlten sich nicht nur Menschen am Großensees ab. Zahlreiche Hunde tobten trotz klarer Anordnung im Wasser, in der Luft lagen der Duft gegrillter Würstchen, hinter Büschen und Sträuchern lag jede Menge Müll.

Sind viele Strandbesucher am Großensee also völlig resistent, was die Verbote betrifft? David Mosick aus Rahlstedt liegt mit Freunden auf dem grauen Sand, neben ihm seine Hündin Bonnie. „Ganz ehrlich? Ich hab’ das Schild nicht bewusst missachtet. Das durchgestrichene Symbol für Hunde sehe ich erst jetzt“, sagt der 22-Jährige. Ob er seine Bonnie nun wieder einpacke und nach Hause fahre? „Nee. Ich finde es schwachsinnig, an einem Natursee Hunde zu verbieten. Was soll das denn? Wer sich an den Tieren stört, hat doch an anderen Stellen am See die Möglichkeit, ungestört zu baden.“

Sein Freund Philipp ergänzt: „Außerdem passen wir auf. Wenn unsere Hunde hier hinmachen, räumen wir das weg.“ Er finde es unfair, für das Fehlverhalten anderer Einschränkungen hinnehmen zu müssen. „Es wird immer Leute geben, die Regeln brechen. Daran ändert auch ein solches Schild nichts. Aber man darf nicht alle über einen Kamm scheren.“

Badegäste sehen Verbotsschild als falschen Weg an

Dieser Meinung sind die meisten der Befragten an diesem Sonnabendnachmittag. Viele zeigen Verständnis für die Gemeinden, die aufgrund der massiven Verschmutzung Maßnahmen ergreifen müssen. Doch ein allgemeines Verbotsschild empfinden viele als den falschen Weg. „Es stimmt, es muss durchgegriffen werden“, sagt Alexander Sadowski. Dazu müssten Verbote aber „richtig aufgezogen werden.“ Der 27-Jährige aus Trittau befürworte regelmäßige Kontrollen, bei denen bei Fehlverhalten sofort eingegriffen werden könnte. „Dafür würde ich hier auch einen oder zwei Euro Eintritt bezahlen.“

Doch zunächst haben sich die Gemeinden Lütjensee und Großensee für das große Schild entschieden, um der Problematik Herr zu werden. „Die Zustände am Nordstrand sind nicht mehr tragbar“, begründet Lütjensees Bürgermeisterin Ulrike Stentzler den Schritt. „Wenn wir die Situation nicht bald in den Griff bekommen, wird der Strand dicht gemacht.“ Die Gemeinden sind auf einer Linie mit dem zuständigen Forstamt. Großensees Bürgermeister Karsten Lindemann-Eggers verweist darauf, dass es bereits vor dem Aufstellen des Schildes untersagt war, Hunde und Pferde mit an den Badestrand zu nehmen. Und es sei nicht hinnehmbar, dass der Förster – wie mehrfach geschehen – angepöbelt werde, wenn er auf das Reitverbot am Strand und Hundehalter auf die Anleinpflicht hinweise. Regine Vogt-Bangert kommt seit fast 30 Jahren zum Schwimmen und Entspannen hierher. Sie hat weder Hund noch Pferd. Trotzdem störe sie sich an den Verboten. „Für mich ist es ein tolles Erlebnis, die Reiter mit ihren Pferden zu beobachten.“ Was sie sehr störe, sei der Müll, der von vielen achtlos liegengelassen werde. „Das könnte man mit dem Aufstellen von Containern und regelmäßigen Leerungen sicherlich in den Griff bekommen.“ Am Boberger See, wo sie auch ab und zum Schwimmen gehe, klappe das gut.

Regelmäßige Polizeistreifen als sinnvolle Alternative

Saubere Wege wünscht sich auch das Ehepaar Ammon aus Hamburg-Tonndorf. Um sich fit zu halten, laufen beide regelmäßig ein Mal um den Großensee. „Es ist wirklich nicht schön, wenn sogar auf dem Wasser Tüten und Alufolie herumschwimmen“, sagt Jutta Ammon. Rüdiger Ammon habe den Eindruck, dass seit Aufstellen des Verbotsschildes weniger Hunde frei am Wasser herumtoben. „Das finde ich besser. Manchmal waren hier so viele Hunde, dass man sich als Mensch fast schon fehl am Platz vorkam.“

Dass Toleranz, Rücksichtnahme und Sauberkeit allein durch ein Verbotsschild bewirkt werden können, bezweifelt ein Großteil der Strandbesucher. Christian Buzuck, Lehrer aus Ahrensburg, hält Polizeistreifen, die hin und wieder nach dem Rechten schauen, für sinnvoller. „Jedenfalls sinnvoller als dieses Schild“, ergänzt seine Frau Gabriela Buzuck, die von dem gedruckten Appell rein gar nichts hält.

Andere Idee: Abgeteiltes Strandstück für Hunde

Michelle Barske aus Braak hat ihren Hund Charlie mit zum Nordstrand gebracht. Der Toy-Terrier ist zwar winzig, aber ein Hund – und damit am Nordstrand verboten. „Ich weiß“, sagt Barske, „aber akzeptieren kann ich das nicht. Das war hier immer schon ein Hundestrand. Gerade deswegen kommen doch so viele Leute hierher. An einen reinen Badestrand würde ich Charlie aus Rücksicht auf anderen Badegäste nicht mitnehmen.“ Sie wünsche sich, dass sich die Zuständigen statt eines Verbotes um Alternativen kümmern, um den Strand sauber zu halten. „Beispielsweise durch ein abgeteiltes Strandstück für Hunde, mehr Mülltonnen und feste Grillstellen. Dann würde der Sand vielleicht irgendwann nicht mehr grau von der ganzen Kohle sein, sondern endlich wieder seine Ursprungsfarbe zurück erhalten.“

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