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bad Oldesloe

Wie Flüchtlinge in Arbeit kommen sollen

Wirtschaftsminister Meyer übergibt Förderbescheid über 800.000 Euro an Jugendaufbauwerk

bad Oldesloe. „Junge Menschen, die herumsitzen und nichts zu tun haben, kommen auf dumme Gedanken“, sagt Schleswig-Holsteins Arbeitsminister Reinhard Meyer. Der SPD-Politiker hat am Mittwoch das Jugendaufbauwerk in Bad Oldesloe besucht, um mit der Übergabe eines Förderbescheides den offiziellen Startschuss für das Programm „Begleiteter Übergang für Flüchtlinge in Arbeit“ – kurz „BÜFAA.SH – zu geben. Diese Maßnahme soll Flüchtlinge, die gute Chancen auf ein dauerhaftes Bleiberecht haben, in Ausbildung und Arbeit vermitteln.

„Wir wollen im gleichen Zuge unter Flüchtlingen auch aktiv für den Beginn einer Berufsausbildung werben“, so Reinhard Meyer. Dadurch solle verhindert werden, dass Asylbewerber direkt ohne Qualifikation in – im Vergleich zu Ausbildungen – besser bezahlte, aber perspektivlose Arbeitsverhältnisse ohne Absicherung gehen.

Vier Millionen Euro haben die Bundesagentur für Arbeit und das Land Schleswig-Holstein zu gleichen Teilen für das Programm zur Verfügung gestellt – zusätzlich zu bereits bewilligten Mitteln für Integrationsarbeit. Das Jugendaufbauwerk (JAW) erhält mit seinen Kooperationspartnern, dem Ausbildungsverbund Stormarn-Lauenburg und der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein, mit diesem Förderbescheid rund 800.000 Euro für die Qualifikation von Flüchtlingen.

Das in enger Zusammenarbeit mit der Wirtschaft erarbeitete Programm besteht aus zwei Teilen. In den ersten sechs Monaten soll ermittelt werden, welche Qualifikationen die Teilnehmer mitbringen. „Die Flüchtlinge können sich in sieben Bereichen versuchen“, erklärt Marcus Kruse, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Stormarn. „So können wir sehen, welche Vorkenntnisse die Menschen aus ihren Heimatländern mitbringen.“ Anschließend folgt der feste praktische Teil, etwa im Jugendaufbauwerk – und letztendlich die Vermittlung in eine Ausbildung.

Viele der Asylbewerber waren bereits beruflich tätig, haben aber – den Umständen geschuldet – selten entsprechende Nachweise. Doch selbst dann würde eine direkte Integration in den Arbeitsmarkt ohne deutsche Ausbildung schwierig werden.

Laut Matthias Dütschke von der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein haben viele Asylbewerber bereits gute Vorkenntnisse in verschiedenen Fachgebieten. „Aber letztendlich steht und fällt alles mit den Sprachkenntnissen“, sagt Dütschke. Fachlich könnten sie noch so gut ein, ohne Verständigung stünden die Chancen auf dem Arbeitsmarkt aber schlecht.

Das neue Programm soll berufliche und sprachliche Kompetenzen gleichermaßen festigen. „Wir können auch hier feststellen, dass der Sprachförderung eine zentrale Rolle zukommt, sagt Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit.

Insgesamt stehen 1600 Plätze zur Verfügung, erst 600 sind belegt. Infos gibt es bei der Arbeitsagentur unter Telefon 04102/88 24 65.