Stormarn
Cruiser-Problem

So will Barsbüttel endlich die illegalen Autorennen stoppen

Die Gemeinde Barsbüttel hat auf der Rahlstedter Straße unweit der Autobahn 1 Betonringe angebracht, um das Problem mit den illegalen Autorennen in den Griff zu bekommen

Die Gemeinde Barsbüttel hat auf der Rahlstedter Straße unweit der Autobahn 1 Betonringe angebracht, um das Problem mit den illegalen Autorennen in den Griff zu bekommen

Foto: René Soukup / HA

Nach Streit zwischen Politik und Polizei setzt die Verwaltung eine Billig-Lösung um. Betonpoller verengen nun die Rahlstedter Straße.

Barsbüttel.  Vor der BMW-Niederlassung auf der Rahlstedter Straße im Barsbütteler Gewerbegebiet ist auf der rechten Spur kein Durchkommen mehr. Kurz hinter der Einfahrt sind seit Kurzem zwei Betonringe nebeneinander installiert, rund 40 Meter weiter ein dritter. Sie sind mit rot-weißen Hinweisschildern versehen. Der Bereich ist durch eine weiße durchgezogene Linie auf dem Asphalt von der noch verbliebenen Spur getrennt.

Fahrbahn-Verengung heißt so etwas. Und genau damit will die Gemeinde das Problem der illegalen Autorennen in den Griff bekommen. An jenem Ort unweit der Auf- und Abfahrt zur Autobahn 1 auf Höhe von Möbel Höffner, wo die Cruiser ihre Autos seit Jahren binnen kürzester Zeit von null auf Tempo 100 beschleunigen und dabei sich selbst und andere Menschenleben in Gefahr bringen.

Ein politischer Beschluss war für den Umbau nicht nötig

2500 Euro hat die Gemeinde für diese Betonringe gezahlt. „Wir haben uns eine Anordnung von der Verkehrsaufsicht des Kreises Stormarn geholt“, sagt Barsbüttels Bauamtsleiterin Rita Dux. Einen politischen Beschluss dafür brauchte man nicht.

„Das war Verwaltungshandeln“, erklärt CDU-Politiker Wolfgang Böckmann . Der Christdemokrat hatte im April dieses Jahres dafür gestimmt, 30.000 Euro in die Hand zu nehmen, um rechts und links der je zweispurigen Fahrbahnen Betonpfeiler aufzustellen. Angedacht war, in größerem Umfang als jetzt zu verengen bis hin zum Verkehrskreisel am Ende des Gewerbegebietes. So stand es in einer entsprechenden Verwaltungsvorlage. Böckmann war jedoch der einzige von elf stimmberechtigen Mitgliedern des Planungsausschusses, der dafür votierte. Bei einer Enthaltung sprachen sich neun Politiker dagegen aus.

Sommer 2015: Polizei ist fast täglich vor Ort

Die Gegner sehen die Polizei in der Pflicht, nicht die Gemeinde. Bauliche Maßnahmen seien nicht sinnvoll, um Straftaten zu ermitteln und zu verfolgen, hieß es unter anderem. Ihre Forderung lautete: mehr Beamte vor Ort. Eggert Werk, damals Chef des Polizeireviers in Reinbek und inzwischen im Ruhestand, versuchte noch, die Politiker zu überzeugen. „Auch wenn ich 15 Mitarbeiter mehr hätte, würden wir das Pro­blem nicht in den Griff bekommen“, sagt er. Es sei ein Katz-und-Maus-Spiel, das die Polizei nicht gewinnen könne. Die Cruiser hätten Wachposten, die vor den Beamten warnten. Die Argumente Werks fanden aber kein Gehör.

Untätig wollte die Verwaltung dann aber doch nicht bleiben. Dazu sind die Zustände offenbar zu schlimm. Im Sommer 2015 waren die Cruiser laut Polizei fast jeden Tag im Gewerbegebiet – zu unterschiedlichen Zeiten und teilweise mitten in der Nacht. André Lutz, Leiter der Polizeistation in der Gemeinde, sprach von bis zu 100 Fahrzeugen und in der Regel zwischen 200 und 300 Zuschauern bei den illegalen Veranstaltungen. Und auch in diesem Jahr ist die Situation ähnlich, berichtet Yvonne Schulze, die stellvertretende Leiterin der Barsbütteler Polizeiwache. „Es haben sich sogar vermehrt Anwohner im benachbarten Rahlstedt bei der Polizei in Hamburg beschwert, weil sie sich durch den Lärm gestört fühlen“, sagt die Polizistin.

Runder Tisch: Rathausmitarbeiter und Polizisten

An Wochenenden seien die Cruiser manchmal um 22 Uhr in Barsbüttel, wichen dann auf andere Orte aus und kämen um zwei Uhr in der Nacht zurück. „Wir fahren dort regelmäßig Streife, sagt Schulze. Zudem seien wiederholt Straßenschilder abgebaut worden. In der Vergangenheit hatte sich bereits Möbel Höffner bei der Verwaltung gemeldet und von wiederholten Sachbeschädigungen und Müllentsorgungen auf dem Betriebsgelände berichtet.

Deswegen setzten sich Rathausmitarbeiter mit Polizei und der Verkehrsaufsichtsbehörde an einen Tisch, um über Möglichkeiten zu sprechen, die Strecke für die Raser mit geringen finanziellen Mitteln unattraktiv zu machen. Herausgekommen ist eine Minimallösung auf freiwilliger Basis. „Wir wollten nicht warten, bis etwas Schlimmes passiert“, sagt Dux.

Die Polizei ist skeptisch: Reichendie Poller aus?

Polizistin Schulze ist am vergangenen Wochenende im Gewerbegebiet auf Streife gewesen und hat dort keine Raser angetroffen. „Trotzdem haben wir nach dem Bau der Betonringe Bremsspuren am Kreisel entdeckt“, sagt die Beamtin. Die Cruiser hätten zu viele Ausweichmöglichkeiten. „Ich glaube, es reicht so nicht, um sie zu vertreiben.“

CDU-Politiker Wolfgang Böckmann ist der Meinung, dass man jetzt erst einmal abwarten und schauen müsse, wie sich die Sache entwickele. „Wenn die Fahrbahnverengung tatsächlich zu keiner Besserung führt, ist zu überlegen, auf der anderen Straßenseite das Gleiche hinzusetzen.“

Dazu gezwungen werden kann die Gemeinde allerdings nicht. Bauamtsleiterin Dux sagt: „Barsbüttel ist nicht in der Pflicht, wegen illegaler Rennen Straßen umzubauen.“