Stormarn
Neues Konzept

Stormarns Polizei will bürgernäher werden

Eggert Werk (60), ist Ende Juli in den Ruhestand gegangen und war zuvor Revierleiter in Reinbek. Er hält viel von Gesprächen mit Bürgern

Eggert Werk (60), ist Ende Juli in den Ruhestand gegangen und war zuvor Revierleiter in Reinbek. Er hält viel von Gesprächen mit Bürgern

Foto: Dorothea Benedikt / HA

Mit einem neuen Konzept will die zuständige Polizeidirektion Ratzeburg mehr Präsenz schaffen. Mehr Beamte gibt es aber nicht.

Ahrensburg.  Der Wachmann, der sein Revier kennt, und den auch die Menschen kennen – was vor vielen Jahren auf Stormarns Straßen noch gang und gäbe war, ist inzwischen weitestgehend abgeschafft. Der Polizist, der regelmäßig in seinem Revier Streife läuft, den gibt es in Stormarn nicht mehr.

„Dabei sind solche Beamte von unschätzbarem Wert“, sagt Manfred Börner, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Zwar lasse sich laut Börner ihr Nutzen statistisch nicht nachweisen. „Allerdings sind greifbare Beamte für das Sicherheitsgefühl der Menschen wichtig“, sagt der Gewerkschafter. Mit der Schließung kleinerer Wachen, wie beispielsweise in Oststeinbek oder Ammersbek, und der Schaffung von Revieren gehe die Bürgernähe zunehmend verloren.

Polizei zu verlässlichen Zeiten ansprechbar

Dagegen will die für Stormarn zuständige Polizeidirektion in Ratzeburg nun ein Konzept ausarbeiten, das teilweise schon umgesetzt ist. Die Polizeiführung spricht von der sogenannten Bürgerpräsenz. Doch einen Wachmann, der in seinem Revier Streife läuft, oder „Bürgernahe Beamte“, wie es sie in Hamburg gibt, wird es auch mit der Umsetzung des neuen Konzepts nicht geben. Dieses beinhaltet aber, dass die Polizei zu verlässlichen Zeiten für den Bürger auf den Wachen ansprechbar ist.

Mit der Umstrukturierung bei der Polizei sind sogenannte Reviere entstanden. Beispielsweise ist Ahrensburg ein solches Revier, in dem die Kräfte gebündelt werden. Die Wache in Großhansdorf gehört zum Revier in Ahrensburg. Doch die Beamten dort fahren selbst keine Einsätze mehr, dies geschieht jetzt von Ahrensburg aus. „Durch diesen Wegfall werden jetzt zeitlich verlässliche Öffnungszeiten, auch kleinerer Polizeidienststellen gewährleistet“, sagt Kathrin Bertelsen, Sprecherin der Polizeidirektion.

Sprechstunde im Oststeinbeker Rathaus

Zum Konzept gehört auch, Sprechstunden für Bürger anzubieten, wie es sie zum Beispiel in Oststeinbek geben soll. Diese Wache ist im Zuge der Umstrukturierung geschlossen worden. Von September an möchte die Polizei allerdings wöchentlich eine Sprechstunde im Rathaus anbieten.

Den Nutzen solcher Sprechstunden sieht der Gewerkschafter Manfred Börner allerdings kritisch: „Wichtiger ist das Gespräch mit den Bürgern in der Fußgängerzone. Dort bekommt die Polizei Informationen, die sie sonst nicht bekommen würde und die jetzt fehlen.“ Laut Börner bekäme der klassische Bezirksdienst Entwicklungen in seinem Revier mit. „Wenn sich eine Drogenszene oder Jugendgruppen bilden, erfährt man dies, wenn man als Polizist auf der Straße ist“, sagt Börner.

Eggert Werk appelliert an Beamten

Zwar liegt es laut dem neuen Konzept im Ermessen der Revierleiter, die Bürgerpräsenz umzusetzen und somit auch Fußstreifen loszuschicken. Allerdings gibt es dafür nicht mehr Personal. „Wenn ich eine Fußstreife losschicke, fehlt mir ein halber Streifenwagen“, sagt zum Beispiel Norbert Patzker, Revierleiter in Ahrensburg. Er wirft die Frage auf, was die Menschen von der Polizei erwarten. „Beamte sollen im Notfall schnell vor Ort sein, Einbrecher jagen und andere Kriminelle dingfest machen.“ Zwar ist laut Patzer ein Bezirksdienst wichtig, allerdings müsste die Polizei eben auch Prioritäten setzen.

Eggert Werk, der im vergangenen Monat in den Ruhestand ging und zuvor Chef des Polizeireviers in Reinbek war, appelliert deswegen an alle Beamten, sich Freiräume für das Gespräch mit den Bürgern zu schaffen und dafür auf die Straße zu gehen.

Kompliziertere Problemlösung

„Einen Tag vor meiner Pensionierung habe ich eine Verkehrsschau gemacht und bin dabei am Gartenzaun mit einem Paar ins Gespräch gekommen. Die beiden fanden das toll und haben sich bedankt“, sagt Werk. Er sagt allerdings auch, dass es den Schutzmann von früher auch mit häufigeren Fußstreifen nicht mehr geben wird.

„Früher war alles unbürokratischer. Wir sind zum Beispiel angesprochen worden, wenn Straßen zugeparkt waren und die Müllabfuhr nicht mehr durchkam“, erinnert sich Werk. Damals habe die Polizei mit den Bürgern zusammen eine Lösung gefunden und das Problem war nach kurzer Zeit gelöst. „Wenn heute jemand bei der Polizei mit diesem Problem anruft, sagen wir: ,Wir sind dafür nicht zuständig, sondern die Stadt.’ Anschließend werden wir von der Kommune um Stellungnahme gebeten und haben damit viel Schreibkram. Es dauert heute viel länger und ist komplizierter, ein solches Problem zu lösen.“