Stormarn
Fahrrad-Reparatur

Großhansdorfer Werkstatt hilft Flüchtlingen in den Sattel

Vor der Fahrradwerkstatt in Großhansdorf ist am Nachmittag viel los: Ehrenamtliche Mitarbeiter vergeben gebrauchte Fahrräder, helfen Flüchtlingen bei der Reparatur

Vor der Fahrradwerkstatt in Großhansdorf ist am Nachmittag viel los: Ehrenamtliche Mitarbeiter vergeben gebrauchte Fahrräder, helfen Flüchtlingen bei der Reparatur

Foto: Sina Böger, Anna Parrisius / HA

Großhansdorfer schrauben ehrenamtlich Räder zusammen, verteilen sie, helfen bei Reparaturen und unterstützen bei ersten Fahrversuchen.

Grosshansdorf. Anna Parrisius

Alaa Sarhan (18) und Mohamed Ahbatji (27) warten schon im Hof. Alaa braucht ein Fahrrad, Ahbatji hat bereits eines. Das muss allerdings repariert werden. Beide kommen aus Syrien und sind noch kein Jahr in Deutschland. Sie stehen vor dem Pferdestall Weidner in Großhansdorf, der seit eineinhalb Jahren auch eine Fahrradwerkstatt beherbergt. Sieben ehrenamtliche Helfer aus der Region schrauben hier zweimal die Woche Fahrräder für Flüchtlinge zusammen, helfen bei Reparaturen und unterstützen bei ersten Fahrversuchen.

Meragha Mohammadi (26) ist heute zum ersten Mal in der Werkstatt, um sein Fahrrad reparieren zu lassen. Ihn begleitet sein Pate Rolf Dahlmann (70), bei dem Mohammadi mit seiner Frau und seinem acht Monate alten Kind lebt. Er braucht sein Fahrrad, um damit zu seinem Deutschkurs in Ahrensburg zu fahren, zur Bibliothek oder zu Picknicks mit Freunden.

Auch Flüchtlinge helfen mit

Immer mehr Menschen kommen nach und nach auf den Hof. Unter ihnen auch Manfred Schade (61) und Wilfried Kraft (67), zwei der ehrenamtlichen Helfer, die der rege Betrieb nicht wundert. „An manchen Tagen vergeben wir bis zu zehn Fahrräder. Sie werden in der Regel von Stormarnern gespendet“, sagt Kraft. Das erste Fahrrad vergibt die Werkstatt kostenfrei, ein zweites Fahrrad und Ersatzteile gibt es für eine kleine Spende. In der Werkstatt wird es immer voller. Viele kennen sich schon aus, schnappen sich ihr Werkzeug und fangen gleich an zu schrauben. Mittlerweile arbeiten einige Flüchtlinge selbst regelmäßig in der Werkstatt.

So auch Kasim Qasem Sherzai (33). Der Afghane lebt seit einem Jahr in Deutschland. Da er in seiner Heimat neun Jahre lang mit der Bundeswehr zusammenarbeitete, spricht Qasem Sherzai gut Deutsch und kann vor allem als Dolmetscher behilflich sein. „Übersetzer wie Kasim können wir hier gut gebrauchen, da es immer wieder zu Verständigungsproblemen kommt“, sagt Kraft. Auch weitere Monteure werden gesucht.

Fahren muss erst gelernt werden

Qasem Sherzais Frau und seine vier Kinder haben alle ein Fahrrad aus der Werkstatt am Pferdehof. „Meine Frau lernte hier auf einem kleinen Rad das Fahren.“ Das ist hier nichts Außergewöhnliches. „Viele saßen noch nie auf einem Fahrrad“, sagt Manfred Schade, der sich selbst als „hemmungslosen Heimwerker“ beschreibt. Um Sicherheit zu gewähren, vergeben er und die ehrenamtlichen Helfer Räder nur nach einer erfolgreichen Probefahrt. Wilfried Kraft sagt: „Kinder lernen am schnellsten. Ihnen ist es nicht so wichtig, wie modern das Fahrrad ist, sie freuen sich einfach, fahren zu können. Da macht mir die Arbeit dann richtig Spaß.“ Wer mehr Geld ausgeben kann und möchte, hat auch die Möglichkeit, ein moderneres Bike für einen geringen Preis zu erwerben.

Schon circa 300 Fahrräder wurden in den vergangenen eineinhalb Jahren vergeben. „In Ahrensburg sehe ich überall Flüchtlinge auf Fahrrädern“, sagt der ehemalige Berufsschullehrer Wilfried Kraft.„Heimwerker war ich nie. Aber die Arbeit in der Werkstatt gibt meiner Woche eine Struktur und ist eine sinnvolle Beschäftigung.“ Keiner der ehrenamtlichen Mitarbeiter hier ist Fachmann. Bei schwierigeren Reparaturen helfen daher schon mal örtliche Fahrradläden.

Kinderfahrräder und Helme benötigt

Seit Holger Scharre die Werkstatt mit Unterstützung des Freundeskreises für Flüchtlinge Ahrensburg gründete, sind schon viele Spenden eingegangen. „Trotzdem haben wir weiterhin immer Bedarf“, sagt Manfred Schade. Besonders dringend werden momentan Kinderfahrräder, Helme und Anhänger benötigt.

Die Helfer lassen besonders Kinder ungern ohne Helm auf die Straße. Wer spenden möchte, kann mittwochs und donnerstags zwischen 14 und 17 Uhr bei der Werkstatt am Pferdehof Weidner, Ostring 1 in Großhansdorf vorbeischauen oder sich bei Holger Scharre unter der Telefonnummer 04102/695 70 28 melden.

Fahrradtour für Flüchtlinge

Die Monteure der Fahrradwerkstatt laden Flüchtlinge mit ihren Betreuern, Familien und Freunden, für Sonntag, 21. August, zu einer zweieinhalbstündigen Fahrradtour ein. Treffpunkt ist um 10 Uhr das Rathaus Ahrensburg.