Stormarn
Fallschirmsprung

Ahrensburger macht am Himmel seinen Meister

Max Manow zählt zu den besten Fallschirmspringern der Welt

Max Manow zählt zu den besten Fallschirmspringern der Welt

Foto: Max Manow / HA

Der Fallschirmspringer Max Manow siegt bei deutschen Titelkämpfen in seiner Spezialdisziplin Canopy Piloting und stellt Rekord auf.

Ahrensburg.  Einen Meter, bevor er kurz den Boden berührt, ist Max Manow noch mit 120 km/h unterwegs. Gerade hat er das Eintrittstor zum Parcours passiert, zwei 1,50 Meter hohe aufblasbare Pylonen im Abstand von zehn Metern auf einem Teich im tschechischen Klatovy. Dann ein Kontakt auf festem Untergrund – und wieder geht es nach oben. Erst nach 165 Meter Weitsprung landet der Ahrensburger und stellt einen deutschen Rekord auf. Im vierten Anlauf hat es endlich geklappt. Der Fallschirmspringer ist in seiner Disziplin, dem sogenannten Canopy Piloting, Deutscher Meister.

„Ich war hochkonzentriert, alles hat gepasst“, sagt der 27-Jährige. Das muss er auch, denn seine Sportart birgt viele Gefahren. So ist es extrem wichtig, die eigene körperliche Verfassung als auch die Wetterbedingungen realistisch einzuschätzen. Wem das nicht gelingt, für den kann es im schlimmsten Fall tödlich enden. Neunmal springt Manow in diesem Wettbewerb aus einem Flugzeug ín 1500 Meter Höhe ab. Nach bis zu sieben Sekunden freiem Fall öffnet er den Fünf-Quadratmeter-Schirm, bleibt rund zwei Minuten in der Luft, ehe es darum geht, nicht den Parcours zu verfehlen. Zum einen kommt es nach dem Bodenkontakt auf die Weite an, aber auch die Geschwindigkeit geht in die Wertung ein. Der Parcours wird mithilfe von Lichtschranken kontrolliert, der Untergrund muss an bestimmten Stellen berührt werden.

Engagement in Neuseeland

Manow hat einen vertikalen Top-Speed von 150 km/h, horizontal kommt er auf 120 und sticht in Klatovy 15 deutsche Konkurrenten aus. Preisgeld gibt es für diesen Titel nicht, dafür aber 200 Euro für Rang vier bei den Pink Open, einem parallel ausgetragenen internationalen Wettbewerb mit 60 Startern. „Klatovy ist auch bei Fallschirmspringern aus Neuseeland, Australien und den USA sehr beliebt“, sagt Manow. Der Ahrensburger hat sich in mehreren Trainingscamps auf die Meisterschaften vorbereitet. „Da bin ich auf 150 Sprünge gekommen“, sagt er. Sein Schirm ist ein Prototyp, klein und schnell.

Aufgeregt sei er bei den Titelkämpfen nicht gewesen. „Man entwickelt im Wettbewerb eine gewisse Routine.“ Die hat er in diesem Sport ohnehin. Schließlich ist es sein Beruf. Manow arbeitet als Gleit- und Fallschirmpilot, bietet Tandem-Sprünge für Menschen an, die nicht alleine, sondern mit einem Profi am Schirm hängen wollen. Er hat quasi sein Zuhause am Himmel – und kommt dabei weit herum.

Meisterschaft als Urlaubserlebnis

Von Mai bis Oktober lebt er in der Schweiz in der Nähe von Luzern, ist dort bei der größten Fallschirmspringerschule des Landes fest angestellt. Die Teilnahme in Klatovy sei für ihn eine Woche Urlaub mitten in der Hauptsaison gewesen, sagt Manow. Vom vergangenen Dezember bis Februar dieses Jahres verdiente er sein Geld in Mexiko. Demnächst soll es in die andere Himmelsrichtung gehen. Manow: „Ich plane, ab Dezember für einige Monate in Neuseeland als Fluglehrer zu arbeiten.“ Das Tolle an seinem Beruf sei, zu reisen und neue Länder sowie Leute kennenzulernen.

Dafür hat Manow, der zu den weltbesten Fallschirmspringern zählt, kein festes Zuhause. Eigene Wohnung, eigene Möbel – Fehlanzeige. Unterkünfte mietet er nur monatsweise, ausgestattet mit Bett und Schrank. Akten und Versicherungsunterlagen sammelt er in einem Ordner, den der Ahrensburger immer bei sich hat und regelmäßig aussortiert. In seine Heimat nach Stormarn kommt Manow regelmäßig im Herbst, besucht Familie und Freunde. Davor will er im September aber noch bei den französischen Meisterschaften starten und Wettkampfpraxis sammeln.

Mutter brachte ihn zum Sport

Für seine Berufswahl ist seine Mutter mitverantwortlich. Sie war es, die ihrem Sohn zum 14. Geburtstag einen Fallschirmflug schenkte und die Begeisterung von Max Manow für diesen Sport entfachte. Mit 16 Jahren machte er die Lizenz, die ihn dazu berechtigte, seinen Fallschirm selbst zu packen.

Nach dem Zivildienst in den Stormarner Werkstätten in Ahrensburg bekam er nicht gleich einen Studienplatz, ging stattdessen 2009 nach Australien, weil das Fallschirmspringen dort das ganze Jahr über möglich ist. Sein erster Job: an einer Fallschirmspringerschule an der Ostküste die Schirme zu packen. Dafür durfte Manow immer mehr eigene Sprünge machen und erwarb den Lehrerschein. Dreieinhalb Jahre verbrachte er Down Under mit dem Ziel, an den Deutschen Meisterschaften teilzunehmen. Das hat Manow mit dem jüngsten Erfolg nun sogar übertroffen.

Erster Tandem-Sprung mit dem Vater vor zwei Wochen

Inzwischen hat der Ahrensburger rund 5000 Sprünge auf dem Buckel. Einer derjenigen, die er nie vergessen wird, ist gerade einmal zwei Wochen her: Mit seinem Vater machte er einen Tandem-Sprung aus 4000 Meter Höhe. Für den Senior war es eine Premiere. Max Manow sagt: „Ich wollte ihm zeigen, was ich beruflich mache. Für meinen Vater war das eine tolle Erfahrung.“