Stormarn
Heimspiel

Der doppelte Plöger: Künstler ehren Ex-Landrat

Foto: Michael Rauhe

In Barnitz arbeitet Bildhauer Thomas Helbing an einer Klaus-Plöger-Büste. Schau mit Weggefährten des Kunstförderers in Ahrensburg.

Barnitz.  „Bin in der Werkstatt“, so steht es auf dem Post-It an der Eingangstür von Thomas Helbings Haus in Barnitz. Wo sie zu finden ist, verrät der neonfarbene Zettel indes nicht. Das Treffen beginnt also mit einem Gang ins ungewisse Grüne hinter dem Wohnhaus. Ein Hase kümmert sich hier um den nicht ganz englischen Rasen, leise erklingt eine Jazzgitarre. Künstler-Idylle in Stormarn.

Die Musik – Helbing verrät wenig später, dass ein Album von Joe Pass gespielt wird – führt in den Werkraum des Bildhauers. Büsten und Skulpturen aus Bronze oder Gips sind im Raum verteilt. An den Wänden hängen Skizzen und Bilder, im hinteren Teil des Raums steht ein lockeres Sofa-Ensemble, in Griffweite davon entfernt eine E-Gitarre der Marke Epiphone. Für Gäste hat Helbing Kaffee und Tee bereitgestellt.

Helbing schätzt Plögers unverstellten Blick auf Kunst

Eingeladen ist Stormarns Ex-Landrat Klaus Plöger , der allerdings noch in seinem VW Polo unterwegs ist, irgendwo zwischen Barsbüttel und Barnitz. Macht nichts, denn der ehemalige Verwaltungschef ist auch ohne physische Präsenz anwesend: Neun Bilder hängen an einer Flipchart, die Plöger in allen erdenklichen Perspektiven zeigen und an die biometrischen Bilder von Ausweisdokumenten erinnern. Und dann ist da auch noch der äußerst lebendig gestaltete Tonkopf auf einem runden Drehtisch in der Mitte des Raumes.

Klaus Plöger hat sich telefonisch entschuldigt, er komme einen Moment später. „Das ist untypisch“, sagt Helbing und beginnt schon einmal von der Arbeit an der Büste zu erzählen. Ein „kleines Dankeschön“ sei sie. Dafür, dass Klaus Plöger sich in seinen 18 Jahren als Landrat für die Kunst in Stormarn verdient gemacht hat, so Helbing. Ab 2. September ist sie in einer Ausstellung im Kulturzentrum Marstall in Ahrensburg zu sehen. Unter dem Titel „heimspiel“ stellen 13 Weggefährten des ehemaligen Landrats ihre Werke aus.

Seit einigen Jahren kennen Plöger und Helbing einander schon, mehrere Male hat der ehemalige Landrat die Werkstatt besucht und hier auch schon Ausstellungen eröffnet. Am Montag erst hatte er seine erste Sitzung als Modell für die Büste. Thomas Helbing dreht sich eine Zigarette. Ihn interessiere die Person Plöger, sagt er. Auch dessen Blick auf die Kunst schätze er, seine „ehrliche, klare und frische Meinung.“

Begeisterung für Kunst ist im Ruhestand geblieben

Anschließend erzählt der Künstler von einem Studium der Kunstgeschichte in Hamburg, einer Ausbildung zum Steinmetz und dem Bildhauerstudium in München. Zu Studienzeiten in Hamburg habe er an der Fruchtallee gewohnt, Ecke Emilienstraße. Gut sei das gewesen, aber auch laut. Hier auf dem Land ist es ruhiger.

Das ändert sich schlagartig, als ein äußerst redseeliger Klaus Plöger die Bühne betritt. „Hast du gut gemacht“, sagt er mit Blick auf sein tönernes Ebenbild, „da merkt man, dass er ein Profi ist.“ Seit Ende April ist Plöger im Ruhestand, seine Begeisterung für Kunst und Künstler ist geblieben.

Helbing arbeitet mit Spateln unterschiedlicher Größe an dem Tonkopf, nächste Woche soll er fertig sein. Dann nimmt der Künstler einen Gipsabdruck. Aus ihm entsteht eine Negativform, in die wiederum Gips gegossen wird. Die fertige Büste wird dann mit Holzbeize und Schellack bearbeitet.

Klaus Plöger hat noch Ideen für ungenutzte Potenziale

In seiner Zeit als Landrat und als Vorsitzender der Sparkassen-Kulturstiftung hat Plöger viele Ausstellungen eröffnet und viele Künstler besucht. Ihm fehle „seine Kulturstiftung“, sagt der 67-Jährige, er habe aber schon einige Ideen, wie sich Kunst und Kultur in Stormarn weiter fördern ließen. „Wir müssen die Potenziale nutzen“, sagt Plöger, der sich schon bald mit Künstlern und anderen Persönlichkeiten aus dem Kreis zusammensetzen will, um neue Konzepte zu besprechen.

Von Ruhe kann bei dem Ruheständler also kaum die Rede sein, obwohl er nach eigenen Angaben seit dem Zapfenstreich Ende April auch schon zweimal im Urlaub war. Auch habe er sich derweil aber um liegengebliebene Dinge in seinem Barsbütteler Haus gekümmert, ein erstes Smartphone gekauft und – so ganz nebenbei – das Beratungsbüro Plöger-Consult gegründet. Das Angebot richtet sich an Unternehmen, Vereine, Privatpersonen und Verwaltungen. Auf www.ploegerconsult.de lässt es sich abrufen. Ob er nicht genug gearbeitet habe? „Ich kann jeden Morgen lange schlafen“, sagt Klaus Plöger und grinst. Und außerdem sei das Treffen heute Morgen bei Helbing in Barnitz doch „ein super Termin, das macht doch Spaß.“

Während der ehemalige Landrat und der Bildhauer noch ein wenig schnacken über Kunst, Politik und Marketing, ist es Zeit, das Stormarner Idyll wieder zu verlassen. Nicht jedoch ohne einen Hinweis: „Kommendes Wochenende ist mein Atelier geöffnet“, so Helbing. Zu den Sommerateliers Schleswig-Holstein laden Künstler am Sonnabend und Sonntag, 20. und 21.8., jeweils von 11 bis 19 Uhr in ihre Werkräume. Helbings Haus ist in der Straße Lokfeld 12.