Stormarn
Bauarbeiten

Rethwisch: A 1-Müll wird für Lärmschutzwall wiederverwendet

Landwirt Alfred Stapelfeldts Grundstück liegt direkt an der A1

Landwirt Alfred Stapelfeldts Grundstück liegt direkt an der A1

Foto: Alexander Sulanke / HA

Betroffene Landwirte können endlich aufatmen: Keine Schadstoffe im Boden. Geröll dient dem Bau von Lärmschutzwall in Willinghusen.

Rethwisch.  „Ich bin guter Dinge, dass alles ein positives Ende nimmt“, sagt Landwirt Albert Stapelfeldt (64). Was er damit meint, ist der Müll-Ärger von der A 1 . Seit gut einem Jahr sitzen Stapelfeld sowie zwei weitere Landwirte auf den Hinterlassenschaften des Autobahnausbaus: Erde, Geröll, Schutt und Müll.

Die Bochumer Baufirma Betam, die mit der Sanierung der A 1 zwischen Bad Oldesloe und Reinfeld beauftragt war, hatte kurz nach Fertigstellung der Bauarbeiten Insolvenz angemeldet (wir berichteten). Zurückblieben versiegelte Bodenflächen und Berge von Erde und Schutt. Die Instandsetzung der Flächen fiel eigentlich in die Zuständigkeit der Baufirma. Mit deren Insolvenz sollte die Verantwortung auf die Landwirte übertragen werden. Das Land Schleswig-Holstein sah sich nicht in der Pflicht.

Bodenaushub nicht mit Schadstoffen belastet

Gut 15.000 Kubikmeter unbelasteter Bodenaushub von Stapelfelds Grundstück sowie weitere 5.000 Kubikmeter von der Fläche eines zweiten Landwirtes werden nun Ende August für den Bau der Lärmschutzwände in Willinghusen verwendet. Erdproben hatten erst im Frühjahr dieses Jahres ergeben, dass der vorhandene Bodenaushub nicht mit Schadstoffen belastet ist, und somit weiter verwendet werden kann. „Wenn alles gut läuft, sollte bis zum Ende des Jahres alles erledigt sein“, sagt Stapelfeldt. Dann wird der Landwirt die Fläche auflockern und Mutterboden verteilen, im kommenden Jahr soll neu drainiert werden. Bis es so weit ist, lässt Stapelfeldt „Gras über die Sache wachsen, damit sich der Boden erholt“, so der 64-Jährige optimistisch.

Die Frage, ob er jemals wieder sein Land für den Straßenbau zur Verfügung stellen würde, verneint er vehement. „Aus der Geschichte habe ich gelernt und ziehe meine Konsequenzen“, sagt Stapelfeldt und rät auch anderen Landwirten davon ab. Der Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr (LBV) müsste nach Stapelfeldts Ansicht als Bauträger für öffentlichen Straßenbau haften.

Damalige Landrat Klaus Plöger setzte sich für Bauern ein

In diesem Fall hatte sich nach Insolvenz der Baufirma der damalige Landrat Klaus Plöger für die Landwirte starkgemacht. Erst vor Kurzem bekamen der Kreis Stormarn sowie die betroffenen Landwirte Geld aus der Insolvenzmasse zugesprochen. Stapelfeldt hofft, dass dieses Geld ausreicht, um seine Grundstücke sowie die der beiden anderen Betroffenen von den Autobahnhinterlassenschaften zu säubern.

Landwirt Sönke Behnk aus Steensrade kann nicht von dem Bau der Lärmschutzwände profitieren. Sein Problem: Die Grundstücke sind versiegelt. Auf dem ehemaligen Acker wurden zum Bau der Autobahn Steine gebrochen und Beton gemischt. „Wir wissen noch nicht, wie es für uns weitergehen wird“, sagt Susanne Behnk. Zurzeit liegt die Fläche brach.

Die Arbeiten an dem Lärmschutzwall an der A 1 bei Willinghusen haben gestern begonnen und sollen bis Dezember abgeschlossen sein. Ab dem 22. August wird die A 1 in Höhe Rethwisch/Meddewade tageweise von drei auf zwei Fahrstreifen eingeengt. Die Beeinträchtigung soll maximal fünf bis sechs Werktage andauern. (csc)