Stormarn
Drahtlose Netzwerke

Freies WLAN: Stormarner Städte holen so langsam auf

In der Ahrensburger Innenstadt können Besucher schon jetzt kostenlos mit ihren Mobilgeräten wie iPad und Smartphone im Internet surfen

In der Ahrensburger Innenstadt können Besucher schon jetzt kostenlos mit ihren Mobilgeräten wie iPad und Smartphone im Internet surfen

Foto: Henrik Bagdassarian / HA

Ahrensburg hat Hot Spots mit kostenlosem Netzzugang eröffnet, Bad Oldesloe startet demnächst mit drahtlosem Zugang gegen Bezahlung.

Ahrensburg.  Von unterwegs die E-Mails checken, Fotos an Bekannte versenden oder die Zeitung als E-Paper herunterladen – mit Smartphones oder Tablets ist das heutzutage kein Problem. Dafür sind die Nutzer jedoch oft auf öffentliches WLAN angewiesen. Ein Service, den einige Städte und Gemeinden in Stormarn anbieten oder planen.

Die Stadtwerke Ahrensburg haben am 11. Juli zwei Hotspots für Zugang zum schnellen Internet an den Orten in der Innenstadt gestartet, die besonders beliebt sind. Am Rondeel und an der Großen Straße sorgen je zwei Antennen – jede hat eine Kapazität von 300 Megabit pro Sekunde – dafür, dass die Nutzer von Smartphones und anderen mobilen Geräten flächendeckend eine leistungsfähige Verbindung bekommen, ohne auf das eigene Datenvolumen zurückgreifen zu müssen.

„Die Rundstrahlantennen, die mit unserem frisch verlegten Glasfasernetz verbunden sind, sorgen für rundum guten Empfang. Die Leistung ist so hoch, dass man sich auf einer Bank an der Großen Straße auf seinem Tablet komplett ruckelfrei einen Spielfilm angucken könnte“, sagt Lars Seckler, Telekommunikationschef der Stadtwerke. „Der Zugang ist unkompliziert. Die Nutzer müssen nur per Click die Datenschutzbestimmungen akzeptieren, um das Netz kostenfrei und zeitlich unbegrenzt nutzen zu können.“

Bad Oldesloe installiert am Rathaus zwei Hotspots

15.000 Euro haben sich die Stadtwerke den Service kosten lassen, den sie schon vorher hatten anbieten wollen. „Doch erst mit der Änderung des Telemediengesetzes, dass WLAN-Anbieter nicht länger in Störerhaftung für Rechtsverstöße der Nutzer sind, können wir offenes WLAN anbieten“, sagt Ahrensburgs Kämmerer Horst Kienel, der auch Geschäftsführer der Stadtwerke ist. Er sieht den unbefristeten kostenfreien WLAN-Zugang zum schnellen Internet als Werbung der Stadtwerke um örtliche Kunden, aber auch für Gäste der Stadt – aktives Stadtmarketing sozusagen. Die Resonanz auf das Angebot entscheidet darüber, ob weitere Hotspots, zum Beispiel am Rathaus, an der Hagener und Manhagener Allee, eingerichtet werden.

In Bad Oldesloe sollen im Oktober zwei Hotspots am Rathaus installiert werden. „Die Möglichkeiten sind da, also machen wir es“, sagt Petra Grimm von der Stadtwerke Media GmbH. Die Stadt hat dem Unternehmen eine alte Glasfaserleitung, die von den Stadtwerken zum Rathaus führt, quasi geschenkt. Unter der Bedingung, öffentliches WLAN in der Innenstadt anzubieten. Zunächst wolle das Unternehmen mit den zwei Hotspots am Rathaus Erfahrungen sammeln, dann eventuell weitere WLAN-Router in der Innenstadt installieren. „Wir prüfen beispielsweise die Reichweite“, so Grimm. Nutzer werden 30 Minuten frei im Internet surfen können. Danach muss für das Angebot gezahlt werden. Laut Grimm wird es Tages- oder Wochentickets geben. Voraussichtlich wird die Tageskarte knapp zwei Euro, die Nutzung für eine Woche nicht ganz acht Euro kosten.

Dass es in der Kreisstadt großen Bedarf an frei zugänglichen und kostenlosen Einrichtungen gibt, zeigt das Engagement der Freifunker. Ihre Initiative versucht, in Städten und Gemeinden ein kostenloses WLAN-Netzwerk zu schaffen. Hintergrund ist, dass es in Deutschland kaum Restaurants oder Geschäfte gibt, die diesen Service anbieten. Viele fürchten, zur Verantwortung gezogen zu werden, wenn Nutzer illegal Filme aus dem Netz laden.

Großer Andrang vor Geschäft mit kostenlosem WLAN

Die Freifunker haben deswegen einen WLAN-Router entwickelt, der die Nutzer über eine spezielle Software über die Niederlande ins Internet führt. Damit sind Nutzer anonym im Netz unterwegs. Rund 200 solchen Hotspots gibt es in Stormarn, die meisten in der Kreisstadt. Auch die Stadt hat solche Router gekauft und versorgt damit das Stadthaus, die Bücherei , das Bürgerhaus und eine Gemeinschaftunterkunft mit kostenlosem WLAN.

Das Preisparadies an der Brunnenstraße gehörte vor einem Jahr zu den ersten Geschäften, die einen Router der Freifunker gekauft und im Schaufenster aufgestellt haben. Inzwischen haben die Betreiber das Gerät aber wieder abgeschaltet. „Es gab Beschwerden von unserem Vermieter, weil insbesondere am Wochenende viele junge Menschen das Angebot nutzten und den Platz vor dem Laden verschmutzt hinterließen“, sagt Inhaberin Angela Dittmar, die nicht ausschließt, dass sie das Gerät wieder einschaltet, wenn die Innenstadt besser mit WLAN versorgt ist.

Bargteheide: Rund um das Rathaus freies Internet

Freifunker Kaj-Simon Töde sieht den Vorstoß der Stadtwerke Media GmbH als gute Ergänzung zum Freifunker-Netzwerk. „Es ist schade, dass nur eine halbe Stunde frei ist“, sagt Töde, der aber Verständnis für das wirtschaftliche Interesse des Unternehmens habe. In Bargteheide gibt es rund um das Rathaus frei zugängliches Internet. „Das wird auch sehr gut angenommen“, sagt Maike Franell, Leiterin der Haupt- und Ordnungsabteilung. Insbesondere Politiker nutzten den Service während der Sitzungen. Weitere Hotspots sind zurzeit in Bargteheide nicht geplant. In Reinbek gibt seitens der Stadt noch kein öffentliches WLAN. „Wir machen uns jedoch Gedanken darüber“, sagt der stellvertretende Bürgermeister, Jürgen Vogt-Zembol.

Auch in Trittau soll das Thema laut Peter Lange, stellvertretender Verwaltungschef, wieder auf die Agenda kommen. „Bisher hat die Politiker freies WLAN in der Innenstadt wegen der problematischen Rechtslage abgelehnt“, sagt Lange und bezieht sich auf die Störerhaftung. Diese hat die Bundesregierung jedoch jetzt mit einer Novelle des Telemediengesetzes abgeschafft. Kaj-Simon Töde von den Freifunkern bleibt jedoch skeptisch: „Wir müssen erste Gerichtsurteile abwarten.“