Stormarn
Kirchenmusik

Trittau hat endlich eine neue Kirchenorgel – eine Hörprobe

Kirchenmusikerin Barbara Fischer vor ihrem neuen Arbeitsplatz. Als Mitbegründerin des Orgelbauvereins ist sie besonders stolz auf das neue Instrument

Kirchenmusikerin Barbara Fischer vor ihrem neuen Arbeitsplatz. Als Mitbegründerin des Orgelbauvereins ist sie besonders stolz auf das neue Instrument

Foto: Verena Künstner / HA

Das Schmuckstück wird nächsten Monat vorgestellt. Das Abendblatt konnte schon jetzt hinhören und traf Kirchenmusikerin Barbara Fischer.

Trittau.  Eigentlich ist sie noch gar nicht in Betrieb, die neue Trittauer Kirchenorgel . Und auch der offizielle Pressetermin zu ihrer Vorstellung ist erst im nächsten Monat. Doch dem Abendblatt konnte schon jetzt in die Martin-Luther-Kirche, um das riesige, handgefertigte Instrument in Augenschein zu nehmen. Und seinen ersten Klängen zu lauschen.

Und da steht, besser gesagt, thront die Orgel: auf der Empore hoch über den Bänken. Das dunkle Holz des Kirchengebälks wirkt wie ein Rahmen für das Schmuckstück, auf das die Kirchengemeinde rund sechs Jahre hingearbeitet hat. Allen voran Barbara Fischer, die seit 2007 hauptamtliche Kirchenmusikerin in Trittau ist. Mit einer Handvoll Gleichgesinnter gründete sie als engagiertes Gemeindemitglied 2010 den Orgelbauverein, der unter dem Motto „Wir ziehen alle Register“ fortan Aktionen organisierte, die das nötige Geld zur Finanzierung eines Orgelneubaus einspielen sollten.

Kostenvoranschlag von mindestens 300.000 Euro

„Der vorigen Orgel ist wortwörtlich die Luft ausgegangen“, sagt Barbara Fischer, die als Organistin besonders darunter litt, dass „ihr“ Instrument immer stärkere Verfallserscheinungen zeigte. Unvermeidbare Fehltöne sorgten für Missstimmung. Als selbst mit Klebeband nichts mehr zu flicken war, entschied sich die Gemeinde für eine Neuanschaffung. Die neue Orgel sollte explizit für die Verhältnisse der Trittauer Martin-Luther-Kirche erbaut werden. Der Orgelbau-Betrieb von Frank Weimbs aus Hellenthal in der Eifel bekam den Zuschlag. Schon der erste Entwurf der Handwerksexperten überzeugte die Trittauer. Allein der Kostenvoranschlag brachte sie ein wenig aus dem Konzept: Mindestens 300.000 Euro sollte die Orgel kosten. Zu viel für die Kirchengemeinde – und Anlass zur Gründung des Orgelbauvereins, der neben herkömmlichen Spendenaufrufen auch Patenschaften für die rund 1200 Orgelpfeifen vergab. Mit Erfolg: 281.000 Euro wurden gesammelt. Und die Finanzierung damit gesichert.

„Am besten Sie setzen sich in eine der ersten Reihen“, sagt Barbara Fischer von der Empore herab. Dort oben, am Spieltisch der neuen Orgel, ist ihr Arbeitsplatz. Erst seit ein paar Tagen ist die Kirchenmusikerin hier ganz allein, denn bis vor Kurzem war Jochen Breuer stets an ihrer Seite. Als Intonateur sorgt er dafür, dass die Orgel ihr Klangvolumen optimal entfaltet. 38 Tage lang tastete er sich mit feinem Gehör und handwerklichem Geschick an den optimalen Sound heran. Zwischen 60 und 100 Mal muss jede einzelne Orgelpfeife angefasst und mit Spezialwerkzeug bearbeitet werden, bis endlich der gewünschte Ton erklingt. Bei mehr als 1000 Pfeifen eine langwierige Prozedur. Zuvor steckten die Orgelbauer in ihrer Eifeler Werkstatt bereits 6000 Stunden Handarbeit in den Bau des fünf Meter hohen Orgelgehäuses aus fein gewachsenem Eichenholz. Wieder in seine Einzelteile zerlegt, wurde das sechs Tonnen schwere Instrument Ende Mai auf die 530 Kilometer lange Reise nach Trittau geschickt und hier mit einem rauschenden Willkommensfest begrüßt.

Mit Schellwerk Tön lauter und leiser werden lassen

Ganze neun Wochen dauerte der Auf- und Einbau in der Kirche, die selbst auch eine Renovierungskur hinter sich hat: Unter anderem wurde die Empore in ihren einstigen Zustand zurückversetzt, indem der alte, abgestufte Holzboden freigelegt und aufgearbeitet wurde. Statt wie bisher auf Stühlen sitzen die Kirchgänger dort nun wieder auf historischen Bänken.

„Die Arbeit des Intonateurs hat mich unheimlich fasziniert“, sagt Barbara Fischer. Sie ist davon überzeugt, dass der hörbare Unterschied zur vorigen Orgel allen Trittauern und Trittau-Besuchern auffallen werde. Und tatsächlich geht bereits der erste Ton von Bachs C-Dur Präludium BWV 545, den Fischer anstimmt, durch Mark und Bein. Der ganze Körper scheint von einem Klang umhüllt zu werden, den – gefühlt – eine ganze Schar von Musikern erzeugt. Es ist laut, aber nicht zu laut. „Auch das ist die Aufgabe einer guten Intonation. Die Menschen sollen sich nicht von der Musik angegriffen fühlen, sondern sich von ihr tragen lassen.“ Besonders eindrücklich geschieht dies bei der Benutzung des sogenannten Schwellwerks, mit dem die Trittauer Orgel ausgestattet ist. Barbara Fischer kann damit Töne lauter und leiser werden lassen, je nachdem, wie viel Luft sie durch das Werk schickt.

Bis zum 1. Oktober hat die Organistin Zeit, die gesamte Bandbreite der Orgel auszuprobieren. Dann findet das erste Konzert statt, zu dem ausschließlich diejenigen eingeladen sind, die eine Pfeifen-Patenschaft übernommen haben. Am 2. Oktober erklingt das Instrument das erste Mal für alle Ohren.