Stormarn
Diebstahl-Serie

Störsender: Navi-Diebe werden immer raffinierter

Auch aus diesem VW Passat wurde das Navigationssystem gestohlen. In diesem Fall hatte der Täter die Seitenscheibe des Autos zertrümmert

Auch aus diesem VW Passat wurde das Navigationssystem gestohlen. In diesem Fall hatte der Täter die Seitenscheibe des Autos zertrümmert

Foto: dpa Picture-Alliance / Peter Endig / picture alliance / ZB

Die Zahl der Autoaufbrüche in Stormarn steigt weiter an. Der ADAC warnt vor Keyless-Go-Schließsystemen. Diebe stehlen Navis und Airbags

Bad Oldesloe. Stormarn steht weiterhin im Fokus von Verbrechern, die sich auf den Diebstahl von Hightech-Navigationsgeräte und Airbags spezialisiert haben. Allein im ersten Halbjahr 2016 registrierte die Polizei 443 Autoaufbrüche. Das sind 82 mehr als im Vergleichszeitraum 2015. Und die Kriminellen gehen dabei immer raffinierter zu Werke.

Anfang Juni brach die Aufbruchserie abrupt ab. Ermittler hatten in Hamburg einen Litauer verhaftet und Diebesgut aus zwei Autoaufbrüchen in Ahrensburg und Großhansdorf sichergestellt. Doch die Polizeibeamten konnten sich nur kurz über den Erfolg freuen: „Wenn Täter festgenommen werden, nehmen wir schon wahr, dass die Zahl der Aufbrüche erst einmal abnimmt“, sagt Hans-Jürgen Köhnke von der Oldesloer Kriminalinspektion. „Man kann jedoch nicht davon ausgehen, dass es ein Einzeltäter oder nur eine einzige Gruppe ist.“

Taten immer wieder in Glinde, Ahrensburg und Reinbek

Manche Städte und Gemeinden seien bei Dieben besonders beliebt, wie Köhnke weiß: „Die Hälfte der Taten, die sich in diesem Jahr in unserem Zuständigkeitsbereich ereignet haben, wurden in Ahrensburg, Großhansdorf, Glinde und Reinbek begangen.“ Auch in Bargteheide, Barsbüttel, Trittau, Bad Oldesloe und Reinfeld seien Autodiebe in diesem Jahr am Werk gewesen. „Die Autoaufbrüche ziehen sich durchs gesamte Kreisgebiet“, sagt Köhnke. Nach Erkenntnissen der Polizei sind es meist osteuropäische Täter, die sich in Banden zusammentun und vernetzen.

Sie haben es vor allem auf Fahrzeuge der Marken BMW, Audi, Volkswagen und Mercedes abgesehen. 247 Navigationsgeräte erbeuteten Verbrecher im vergangenen Jahr in Stormarn. Meist werden die rund 3000 Euro teuren Hightech-Geräte – sie bilden eine Schnittstelle zu Radio, Bluetooth, Media-Player und Mobiltelefonen – über das Internet verkauft.

Nur 42 Fälle konnten die Beamten im Jahr 2015 mithilfe von Fingerabdrücken aufklären. Für den fachmännischen Ausbau benötigen Kriminelle oft nur wenige Minuten. Durch den Diebstahl des Equipments und weiteren Wertsachen entstand im vergangenen Jahr allein in Stormarn ein Schaden von rund 1,2 Millionen Euro. Nicht mitgerechnet sind dabei die Schäden an den Autos. Um an ihre Beute zu gelangen, schlagen die Täter meist Scheiben ein, hebeln Türen auf, beschädigen Schlösser und schneiden Kabel durch.

Mit ihrer neuen Masche erbeuten sie Navis und Airbags ganz ohne körperliche Anstrengung. Die Täter tricksen die elektronische Verriegelungssysteme der Luxuskarossen aus, indem sie Funksignale zwischen Auto und Schlüssel abfangen und bis zu Hunderte von Metern verlängern. „Diese Fälle steigen immer weiter an“, sagt Christian Hieff, Pressesprecher des ADAC Hansa. Das Schließsystem Keyless Go sei besonders leicht zu manipulieren. Hier kann das Auto auch ohne Schlüssel geöffnet und gestartet werden. Befindet sich der Schlüssel in der Nähe des Autos, wie im Haus oder in Hosen- und Handtaschen, kann es durch das Berühren eines Touch-Sensors am Türgriff entriegelt werden. Durch einen Startknopf am Armaturenbrett lassen sich die Zündung einschalten und der Motor starten.

Ein Service, mit dem Autohersteller wie VW, Audi oder BMW ihren Kunden besonderen Komfort versprechen. Bis in die Kleinwagen-Klasse sind die Keyless Go-Schließsysteme mittlerweile verbreitet. Hieff: „Viele Autohersteller gehen sehr fahrlässig mit dieser Technik um.“ Denn die Komfort-Schlüssel erleichtern den Dieben die Arbeit ungemein: Sie müssen sich nur mit einem kleinen Empfänger in die Nähe des Schlüssels begeben und mit einem Sender in die Nähe der Fahrzeugtür. „Weil keine Einbruchsspuren am Auto zu sehen und alle Schlüssel noch vorhanden sind, kann der Verdacht des Versicherungsbetrugs entstehen“, sagt Hieff.

Der ADAC rät Autofahrern davon ab, Alufolie um den Schlüssel zu wickeln. Dies könne zwar Diebstähle von Keyless-Autos verhindern. Wird ein Fahrzeug dann doch gestohlen, sei der Eigentümer womöglich selbst schuld, weil er die Folie nicht dicht genug angebracht habe. Auch Blechdosen schirmten die Funkwellen nicht immer ab. Der ADAC sieht vor allem die Hersteller in der Pflicht: Ein teureres Schließsystem dürfe nicht deutlich einfacher zu knacken sein als die Serien-Funk-Fernbedienung.

Doch auch bei den herkömmlichen elektronischen Schließsystemen ist laut der Oldesloer Kripo Vorsicht geboten. „Fahrer sollten nach dem Zuschließen immer am Türgriff ziehen und kontrollieren, ob das Funksignal nicht mithilfe eines Senders gestört wurde“, sagt Köhnke. Er empfiehlt Autofahrern, vor allem bei Menschenmengen achtsam zu sein.