Stormarn
Knigge-Kursus

Oldesloer Jugendliche lernen anständiges Benehmen

Bad Oldesloe Knigge für Jugendliche im BIZ vl Kevin Borchers, 18, aus Bad Oldesloe lernt von Knigge-Coach Iris Hoffmeyer, dass der Händedruck oft über den ersten Eindruck entscheidet

Foto: Verena Künstner / HA

Bad Oldesloe Knigge für Jugendliche im BIZ vl Kevin Borchers, 18, aus Bad Oldesloe lernt von Knigge-Coach Iris Hoffmeyer, dass der Händedruck oft über den ersten Eindruck entscheidet

Warum man sich einen Korken in den Mund stecken, nicht stinken und lieber Abstand halten soll? Coach Iris Hoffmeyer beim Knigge-Kursus.

Bad Oldesloe.  "Moinsen! Der Job is' geil, den will ich!" Kaum ein Chef würde wohl diese "Bewerbung" als positiv empfinden – auch, wenn sie ehrlich gemeint ist. Wer jedoch mit seinem eventuell künftigen Vorgesetzten spricht wie mit einem guten Kumpel, hat schlechte Karten, seinen Traumjob oder den auserwählten Ausbildungsplatz zu ergattern. Jugendliche treten beim Schritt ins Berufsleben gleichzeitig in eine völlig neue Welt ein: Plötzlich müssen sie auf professioneller Ebene mit Erwachsenen umgehen können.

Unterstützung hierbei bietet das Berufsinformationszentrum (BiZ) der Agentur für Arbeit in Bad Oldesloe an. Der Kursus "Ein guter Auftritt – Business-Knigge für Jugendliche" soll jungen Menschen bis zum Alter von 20 Jahren die wichtigsten Grundregeln vermitteln. Das Abendblatt war dabei.

"Mein Schwager hat von dem Termin in der Zeitung gelesen. Und meine Schwester meinte dann, da soll ich doch mal hingehen", sagt Kevin Borchers. Der 18-Jährige ist einer der sechs Teilnehmer, die von 16 bis 18 Uhr im Konferenzraum des BiZ am Berliner Ring zusammenkamen. Was die jungen Männer im Alter zwischen 14 und 18 Jahren dort genau erwarten würde, wusste keiner so richtig.

"Nachhilfe in Sachen Höflichkeit kann niemals schaden"

Als Referentin Iris Hoffmeyer die Teilnehmer nach den Beweggründen fragte, den Kursus zu besuchen, ist schnell klar: Bei den meisten steckten die Eltern dahinter. "Die sind häufig die treibende Kraft", so Hoffmeyer, die als Personal Coach nicht nur Jugendliche, sondern auch Erwachsene in Sachen Benimm schult. "Das ist völlig okay, solange die jungen Leute selbst auch erkennen, dass sie einen Nutzen aus der Sache ziehen können."

Die Bargteheiderin wurde von BiZ-Leiterin Carola Oder im vergangenen Jahr als Referentin für das Knigge-Seminar auserwählt. "Wir haben ständigen Kontakt mit Arbeitgebern und wissen daher, dass gutes Benehmen ein wichtiger Faktor ist, um beruflich Fuß zu fassen", sagt Carola Oder. Außerdem falle ihr bei vielen jungen BiZ-Besuchern oft auf, dass "ein wenig Nachhilfe in Sachen Höflichkeit niemals schaden kann".

Als wichtigsten Grundsatz nennt Coach Iris Hoffmeyer gleich zu Anfang des Knigge-Kurses die 3-Sekunden-Regel: "Innerhalb dieser kurzen Zeit entscheidet euer Gegenüber, ob er euch sympathisch findet oder nicht." Das sei gerade bei Vorstellungsgesprächen wichtig. "Für einen guten ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance. Deshalb ist es wichtig, sich der Signale bewusst zu sein, die man aussendet."

Jugendliche lernen den optimalen Händedruck

Dazu gehöre unter anderem Kleidung, Mimik und Körpersprache. Auch der Geruch sei wichtig. Stinken sollte man natürlich auf keinen Fall, daher sei eine gute Körperpflege Voraussetzung. Hoffmeyer: "Ihr solltet es aber auch nicht mit Parfüm und Aftershave übertreiben. Grundsätzlich sollte euch euer Gegenüber erst riechen können, wenn er eine Armlänge entfernt vor euch steht."

Dieser Mindestabstand sei es auch, der bei Gesprächen im Berufsalltag eingehalten werden sollte. Und zwar von beiden Seiten. "Ihr müsst es euch nicht gefallen lassen, wenn euch ständig jemand jovial auf die Schulter klopft oder euch sonst wie zu nahe kommt. Das ist ein Zeichen von Respektlosigkeit und ziemlich unhöflich."

Nachdem Iris Hoffmeyer die jungen Männer darüber aufgeklärt hat, dass sogenannte Rangniedere stets zuerst grüßen und das Wörtchen "Mahlzeit" selbst in Kantinen längst out ist, üben sie in Gruppen die korrekte Vorstellung. Und den dazugehörigen Händedruck. "Kennt ihr den ,Kniefall'?", fragt Hoffmeyer in die Runde. "Das ist, wenn euch jemand so fest die Hand drückt, dass ihr in die Knie geht." Der optimale Händedruck dagegen sei angenehm fest und dauere zwischen einer und drei Sekunden. "Schenkt eurem Gegenüber Aufmerksamkeit, indem ihr ihn anschaut. Unterbrecht ihn nicht und zeigt mit Nachfragen, dass ihr ihm zuhört."

Der eine oder andere Teilnehmer zeigt sich während der Vorstellungsübungsrunde leise und schüchtern. Deshalb sagt Iris Hoffmeyer: "Wer in einer angenehmen Lautstärke deutlich spricht, signalisiert seinem Gesprächspartner Selbstbewusstsein." Um eine deutliche Aussprache zu schulen, schlägt sie den jungen Seminarteilnehmern vor, zu Hause mit einem Korken zwischen den Zähnen zu üben. "Versucht, die Worte trotz des Korkens so deutlich wie möglich auszusprechen." Das trainiere die Kaumuskulatur und verbessere die Artikulation.

Tischmanieren stehen schließlich noch ebenso auf dem Kursplan wie der richtige Umgang mit dem Handy. Iris Hoffmeyer fasst am Ende der beiden Stunden zusammen: "Gute Verhaltensformen fallen sofort positiv auf. Somit hebt man sich von anderen ab." Und genau das sei beim Eintritt in das Berufsleben wichtig: Sich selbst so gut wie möglich zu verkaufen.

Am 28. Juli 2016 um 16 Uhr gibt Iris Hoffmeyer im BiZ Bad Oldesloe (Berliner Ring 8-10) den Kurs Business-Knigge für Erwachsene.
Der nächste Business-Knigge für Jugendliche findet am 6. Oktober um 16 Uhr statt.
Die Teilnahme ist jeweils kostenlos, um Anmeldung unter Telefon 04531/16 72 14 wird gebeten.

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