Stormarn
St. Adolf-Stift

Reinbek: Krankenhaus hat jetzt neuen Steuermann

Lothar Obst (l.) schenkte seinem Nachfolger Björn Pestinger ein Steuerrad aus Holz

Lothar Obst (l.) schenkte seinem Nachfolger Björn Pestinger ein Steuerrad aus Holz

Foto: René Soukup / HA

Nach 19 Jahren als Geschäftsführer wurde Lothar Obst in den Ruhestand verabschiedet. 200 Gäste kamen zur Feier ins St. Adolf-Stift.

Reinbek.  Geschenke wollte er nicht haben. Lediglich um eine Spende für das Don-Bosco-Haus in Mölln, in dem schwerstbehinderte Menschen betreut werden, hatte Lothar Obst (60) anlässlich seiner Verabschiedung nach 19 Jahren als Geschäftsführer des Reinbeker Krankenhauses gebeten. Dafür verteilte der Ruheständler auf der Feier, der 200 geladene Gäste beiwohnten, ein Präsent an seinen Nachfolger Björn Pestinger: ein Schiffssteuerruder aus Holz. Damit ist die Hoffnung verbunden, dass der neue Mann an der Spitze der Klinik Kurs hält.

Die Zeremonie begann mit einer Messe in der Krankenhaus-Kapelle, dem folgte der Festakt in der Aula der Pflegeschule. In seiner Abschiedsrede ließ Obst seine Zeit in der Reinbeker Klinik noch einmal Revue passieren und erzählte aus seiner Kindheit. „Was vor mehr als 45 Jahren mit dem Kapitän der Klassen-Fußballmannschaft begann, endet heute mit der Geschäftsführung eines fantastischen Krankenhauses“, sagte er. Obst verstand sich in Reinbek stets als Teamtrainer. Er verriet, dass so manches, was im St. Adolf-Stift umgesetzt wurde, bei Gesprächen mit Ehefrau Helga und Sohn Matthias am heimischen Esstisch in Mölln entstand.

1997 wechselte Obst von Mölln nach Reinbek

In der Kleinstadt im Kreis Herzogtum Lauenburg begann auch die berufliche Karriere des Katholiken. Er leitete die Schul- und Kulturabteilung, wurde dann im Alter von 27 Jahren zum kommissarischen Chef des städtischen Krankenhauses berufen und war plötzlich jüngster Verwaltungsleiter der schleswig-holsteinischen Kliniken. In Mölln fungierte Obst zudem als Bürgervorsteher.

1997 wechselte er nach Reinbek. Unter seiner Regie expandierte das St. Adolf-Stift. Die Zahl der Patienten stieg von 11.600 auf rund 18.000 pro Jahr, die der Vollzeitstellen von 430 auf 590 sowie die der Mediziner von 51 auf 110. Auch steigerte er das Budget von rund 35 auf jetzt 60 Millionen Euro per anno. Das Haus ist gut aufgestellt, wird bis 2020 für 18 Millionen Euro ausgebaut.

Nun hat der Trittauer Björn Pestinger das Sagen

Zahlen waren für Obst aber nicht alles. Er organisierte zahlreiche Ausstellungen in der Klinik und initiierte Vorträge. Prominente wie Bundespräsident Joachim Gauck und dessen Vorgänger Christian Wulff kamen ins St. Adolf-Stift und referierten über interessante Themen.

Nun hat der Trittauer Björn Pestinger das Sagen. In den vergangenen Monaten wurde er von Obst eingearbeitet. Der 40-Jährige setzte sich im Auswahlverfahren gegen 40 Konkurrenten durch. Der Elisabeth Vinzenz Verbund (EVV), Träger der katholischen Reinbeker Klinik und Betreiber von neun Krankenhäusern in Deutschland, hatte die Stelle des Geschäftsführers bundesweit ausgeschrieben.

Pestinger arbeitet seit Jahren in Führungspositionen im Gesundheitswesen, erst in der Healthcare-Sparte eines Wirtschaftsprüfers, später in der Asklepios-Klinik Bad Oldesloe als Stellvertreter des Geschäftsführers. Von 2007 bis 2013 leitete er als Geschäftsführer die Asklepios-Fachklinik Stadtroda in Thüringen, im Anschluss von 2013 bis 2015 das Asklepios-Westklinikum in Hamburg-Rissen.

Im April vergangenen Jahres heuerte Pestinger bei der Henstedt-Ulzburger Paracelsus-Klinik als Verwaltungsdirektor an, fühlte sich dort aber nicht wohl und verließ das Haus nach wenigen Monaten. Seine Rolle in Reinbek beschreibt er so: „Eine Führungskraft ist heute mehr denn je Teil des Teams. Es geht darum, mehr Coach, mehr Vermittler, mehr Motivator zu sein.“ Lothar Obst gab seinen ehemaligen Mitarbeitern folgendes mit auf dem Weg: „Bewahren Sie sich die zeitlosen Werte und Ideale. Sie sind das eigentliche Fundament des Hauses und der wertvollste Schatz.“