112-Notrufzentrale

Rettungsleitstelle in Bad Oldesloe bessert nach

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Dorothea Benedikt
Disponenten wie Tobias Fey koordinieren in der Oldesloer Rettungsleitstelle alle Einsätze in Stormarn, Herzogtum Lauenburg und Ostholstein

Disponenten wie Tobias Fey koordinieren in der Oldesloer Rettungsleitstelle alle Einsätze in Stormarn, Herzogtum Lauenburg und Ostholstein

Foto: Dorothea Benedikt / HA

Nach Krisentreffen von Bürgermeistern, Feuerwehr und Kreis werden jetzt neue Richtlinien für das Leitstellensystem Cobra 4 erarbeitet.

Bad Oldesloe.  „Am Anfang ist viel Dampf abgelassen worden – was auch völlig okay ist. Danach war es aber ein sehr konstruktives Gespräch, in dem wir Lösungen gefunden haben“, sagt Landrat Henning Görtz und fasst mit diesem Satz ein Krisentreffen in der Kreisverwaltung zusammen.

Wie berichtet, sorgt das neue Leitstellensystem Cobra 4 der 112-Notrufzentrale in Bad Oldesloe bei vielen Feuerwehren für Unmut. Denn selbst bei kleineren Einsätzen wie einem Pkw-Brand werden seit der Umstellung Ende Mai deutlich mehr Feuerwehrleute alarmiert als zuvor.

Freiwillige Helfer könnten Motivation verlieren

Dies belaste die freiwilligen Helfer, die oft unverrichteter Dinge wieder abrücken, weil genug Kräfte vor Ort sind. Kreisbrandmeister Gerd Riemann befürchtet, dass so die Motivation der Ehrenamtlichen sinke, die bei Alarm nachts aufstehen oder vom Arbeitsplatz aufspringen müssen. „Da wird der eine oder andere irgendwann am Schreibtisch sitzen oder im Bett liegen bleiben“, warnt Riemann.

Doch so weit soll es nicht kommen. Auf Initiative vom Großhansdorfs Bürgermeister Janhinnerk Voß sind am Mittwochabend die Verwaltungschefs von Barsbüttel, Glinde, Nordstormarn und Großhansdorf sowie deren Wehrführer und der Kreisbrandmeister mit Landrat Henning Görtz und den Verantwortlichen der Rettungsleitstelle zusammengekommen. „Wir wollen die Kommunikation zwischen Leitstelle und Feuerwehr verbessern“, sagt Voß, der mit „einem sehr gutem Gefühl“ aus dem Gespräch gegangen sei.

Falsch hinterlegte Daten in Cobra 4

Zwei Schwerpunkte haben die Teilnehmer diskutiert. „Das eine waren technische Eingabefehler, das andere die Organisation“, erklärt Henning Görtz. Zu ersterem zählt, dass in den vergangenen Wochen wegen falsch hinterlegter Daten in Cobra 4 eine falsche Feuerwehr alarmiert wurde. Zum Beispiel ist zu einem Einsatz auf der Autobahn 1 die Ahrensburger Wehr hingeschickt worden, obwohl dies der Zuständigkeitsbereich der Großhansdorfer Kameraden ist. „Diese Fehler sind nahezu ausgemerzt, da waren sich alle einig“, sagt Görtz.

Bei der Organisation, also wie viele Feuerwehrleute zu bestimmten Einsätzen geschickt werden, wird jetzt nachgebessert. „Bei der Systemumstellung hat sich die Leitstelle an den Richtlinien des Landes Schleswig-Holstein orientiert“, erklärt Görtz. Diese sind jedoch nur Empfehlungen und kein Zwang. Deswegen haben sich gleich am nächsten Vormittag der Chef der Rettungsleitstelle und die drei Kreisbrandmeister aus Stormarn, Herzogtum Lauenburg und Ostholstein zusammengesetzt, um die Daten zu überarbeiten. Beispielsweise müssen beim Auslösen einer Brandmeldeanlage nicht gleich drei oder vier Wehren ausrücken“, sagt der Landrat und fügt hinzu: „Wir wollen die Helfer schließlich nicht überstrapazieren.“

Im Zweifel lieber mehr Wehren alarmieren

Dennoch wird es laut Henning Görtz in vielen Dingen einen Kompromiss geben, also nicht zu dem Zustand wie vor Cobra 4 kommen. „Das Problem ist oft die Tagesverfügbarkeit“, sagt Görtz. Wenn eine Feuerwehr beispielsweise angegeben hat, dass tagsüber nur zwei oder drei Helfer verfügbar sind, wird automatisch von Cobra 4 die Nachbarwehr mitalarmiert. Schließlich müsse der Kreis gewährleiten, dass die erforderliche Zugstärke am Einsatzort ankommt. „Im Zweifel alarmieren wir lieber mehr als zu wenig“, sagt Henning Görtz.

Sobald der Chef der Leitstelle, die für die drei Kreise zuständig ist, und deren Wehrführer die neuen Alarmierungen erarbeitet haben, „müssen diese noch mit den Gemeinden abgestimmt werden“, erklärt Anja Kühl, Fachdienstleiterin Ordnung beim Kreis. Für Norman Schumann, Gemeindewehrführer in Barsbüttel, ist die Arbeitsgruppe der richtige Weg. „Da wird jetzt nachgebessert“, sagt er, der wie seine Kameraden zufrieden aus dem Gespräch am Mittwoch gegangen ist. Albert Iken, Amtswehrführer in Nordstormarn sagt: „Wir können jetzt positiv in die Zukunft schauen.“

Kreisbrandmeister ist guter Hoffnung

Kreisbrandmeister Gerd Riemann ist ebenfalls mit dem Verlauf der beiden Gespräche zufrieden: „Ich bin jetzt guter Hoffnung, dass wir die Zahl der unverhältnismäßigen Alarmierung verringern können.“ Gleichzeitig appelliert er aber auch die Verantwortung der Einsatzleiter, die bei Bedarf nachalarmieren müssen

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