Stormarn
Ahrensburg

Miguel Schneider macht bei einem Forschungsprojekt mit

Inklusion Forschungsprojekt Miguel Schneider (20) ist einer der Betreuten, die am Forschungsprojekt Inklusion teilnehmen

Inklusion Forschungsprojekt Miguel Schneider (20) ist einer der Betreuten, die am Forschungsprojekt Inklusion teilnehmen

Foto: Verena Künstner / HA

Einer Hochschule untersucht in heilpädagogischen Wohnstätten, wie Menschen mit Behinderung ihre Freizeit gestalten wollen.

Ahrensburg.  „Es rührt mich sehr, wenn ich sehe, wie engagiert die Menschen hier sind“, sagt Silke Ramm. Die Sülfelderin ist die Mutter des 30-jährigen Hauke, der seit 2009 in einer heilpädagogischen Wohnstätte am Bornkampsweg im Ahrensburger Stadtteil Wulfsdorf lebt. Er ist einer von neun Menschen mit Behinderung, die an dem bundesweit einzigartigen Inklusionsprojekt „Persönliche Zukunftsplanung bei der Freizeitgestaltung“ teilnehmen. Mit Unterstützung von Stiftungen und fachlicher Begleitung von Professor Dr. Christiane Drechsler von der Mannheimer Alanus Hochschule startete das Projekt im Januar. Jetzt ist Halbzeit.

„Wir möchten herausfinden, in welchen Aktivitäten die Teilnehmer für sich einen Sinn sehen“, sagt Anke Brammen, Initiatorin des Projekts. „Außerdem wollen wir erfahren, welche Tätigkeiten und Erlebnisse ihnen Freude machen, Lebendigkeit schenken und mehr Selbstbestimmung möglich machen.“ Einfach nur zu fragen, was den Teilnehmern Spaß macht, reiche nicht aus. Und sei in vielen Fällen auch nicht möglich. Gerade bei schwerst mehrfachbehinderten Menschen müsse eine andere Art der Kommunikation gefunden werden. Brammen: „Die basiert in erster Linie auf Nähe und Vertrauen.“

Miguel Schneider (20) hat das Down-Syndrom

Jedem der neun Betreuten ist ein Pate zugewiesen, der sich regelmäßig mit seinem Inklusionspartner trifft. Annegret Howey ist Patin von Miguel Schneider. Der 20-Jährige wurde mit dem Down-Syndrom geboren. Wie Hauke Ramm arbeitet auch er im Wulfsdorfer Robben-Café, dem ersten Inklusionscafé Stormarns. „Wir haben eine gute Ebene gefunden, sind Freunde geworden“, sagt Annegret Howey über ihre Beziehung zu Miguel. Sie habe zu Beginn des Projekts vor einem halben Jahr eine Menge Erwartungen gehabt. Vor allem an sich selbst. „Viele haben sich nicht erfüllt. Ich habe oft gedacht, dass ich schon viel mehr erreicht haben müsste.“ Doch in den Gesprächen mit Mentoren, die das Projekt begleiten, habe sie herausgefunden, dass vor allem Geduld zählt. Und dass es nicht darum gehe, möglichst viel zu schaffen. Sondern darum, Miguel Freiraum zur Entwicklung zu geben. So fand er heraus, dass er beim Klavierspielen, Singen und Fußball Spaß hat, sich dabei wohl fühlt.

Als Mutter eines Betreuten verfolgt Silke Ramm das Projekts intensiv. Ihr Sohn Hauke ist Autist, leidet unter Wahrnehmungsstörungen. Meistens ist der 30-Jährige in sich gekehrt. Hat Schwierigkeiten, seine Bedürfnisse zu formulieren. Durch die Arbeit im Robben-Café sei er schon viel aufgeschlossener geworden. „Dieses neue Projekt trägt zusätzlich dazu bei, dass er weitere Eindrücke sammelt und sein Leben mehr und mehr genießt.“ Beim Bergfest, mit dem die Halbzeit des Forschungsprojektes gefeiert wurde, tauschten sich alle Beteiligten aus. Paten und Betreute, Eltern, Projektleiter und Unterstützer betreuten ein Kunstwerk, das symbolisiert, was Inklusion für sie bedeutet. Dazu brachte jeder einen Faden mit, der mit den Fäden der anderen innerhalb eines Rahmens verwoben wurde. Anke Brammen: „Das Bild zeigt ein stabiles Netzwerk, das Menschen verbindet und sie auffangen und stützen kann.“

Sie haben Interesse an diesem Forschungsfeld? Dann erreichen Sie Anke Brammen unter Telefon 04154/84 38 45 oder über die E-Mail-Adresse brammen@werkgemeinschaften.de.