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Wie sich Azubis bei Basler entwickeln können

Die Auszubildenden Christoph Lange, Vanessa Ulrich mit Anne Leyer und Andrea Kawalkowski aus der Personalabteilung der Basler AG

Die Auszubildenden Christoph Lange, Vanessa Ulrich mit Anne Leyer und Andrea Kawalkowski aus der Personalabteilung der Basler AG

Foto: Lutz Wendler / HA

Hersteller von Industriekameras ist ein Weltmarktführer aus Ahrensburg, der Azubis auf hohe Anforderungen vorbereitet. Neue Bewerbungen.

Ahrensburg.  Die Apparatur in der Vitrine sieht nach komplizierter Technik aus, doch schon auf den ersten Blick ist erkennbar, dass es sich um eine Art Murmelbahn handelt. Farbige Kugeln laufen in verschiedenen Bahnen und werden per Lift wieder nach oben befördert. Bei genauerem Hinsehen wird der Clou erkennbar: Die Kugeln werden beim Rollen nach Farben geordnet – die Systemsteuerung entscheidet darüber, welche aufs tote Nebengleis abbiegen.

„Das ist eine Murmelsortiermaschine, die Auszubildende konstruiert haben“, sagt Guido Jennes, Elektroniker und Ausbilder bei der Basler AG in Ahrensburg. „Sie sollten eine Software programmieren, mit der eine Flächenkamera angesteuert wird, die Bilder so auslesen kann, dass Farberkennung möglich ist.“ Der Einsatz der Azubis hat sich gelohnt: „Die Sortiermaschine ist bei Ausbildungsmessen der Hingucker.“

Firma Basler lehrt Computern das Sehen

Das Projekt hat fürs Unternehmen einen doppelten Nutzen. Die Auszubildenden probierten spielerisch eine Technik aus, mit der die Basler AG auf dem Weltmarkt erfolgreich ist. Und die Sortiermaschine erklärt Außenstehenden sehr anschaulich, wie ein Basler-Produkt praktisch einsetzbar ist. „Wir zeigen den Menschen, was wir mit unseren Kameras machen“, sagt Jennes.

Basler bietet Lösungen für Kunden, die für die Automatisierung von Verfahren künstliches Sehen als Hilfe benötigen. Das Zauberwort heißt Sensorik: Basler lehrt Computer das Sehen und schafft damit die Voraussetzung für automatische visuelle Überwachung und Steuerung. Die Murmelsortiermaschine als anschauliche Vermittlung eines eher abstrakten Geschäftsmodells passt perfekt zum Unternehmensmotto: „The Power of Sight“ – die Kraft des Sehens.

Impulse für die Region durch hohe Ausbildungsqualität

Als Hersteller von digitalen Industriekameras ist Basler in einer High-Tech-Branche weltweit ein Marktführer. Der Umsatz wuchs 2015 um acht Prozent auf 85,4 Millionen Euro. Das 1988 von Norbert Basler gegründete Unternehmen produzierte 2015 etwa 220.000 Kameras. Mehr als 40 Prozent seines Umsatzes macht Basler in Asien, mehr als 20 in den USA. Wichtigster Standort bleibt aber Ahrensburg , wo etwa 400 der 500 Mitarbeiter beschäftigt sind – Tendenz steigend, denn Basler plant, seinen Firmensitz im Gewerbegebiet Nord (seit 1999) in den nächsten Jahren erheblich zu erweitern. Ein Global Player aus Ahrensburg, der seiner Heimat die Treue hält.

Basler sorgt auch für eigenen Nachwuchs – und gibt Impulse für Ausbildungsqualität. Seit dem Jahr 2000 werde regelmäßig ausgebildet, in elf Berufen, mit klassischen Abschlüssen der Indus­trie- und Handelskammer (IHK), sagt Ausbildungsleiterin Anne Leyer. „Im Schnitt stellen wir pro Jahr zehn Auszubildende ein, in Produktion und Montage, als Industrie-Elektriker, Elek­troniker, Indus­triekaufleute und Mediengestalter.“ Damit schafft Basler nicht nur Arbeitsplätze – fast alle werden übernommen –, sondern entwickelt auch Berufe im Dialog mit Berufsfachschulen und IHK weiter. Das hilft dem innovativen Unternehmen, sein Know-how entsprechend den Anforderungen einer dynamischen Branche up to date zu halten, und auch die Ausbildungsqualität in der Region profitiert davon.

Viele Azubis waren vorher Praktikanten

Die Suche nach geeignetem Nachwuchs beginnt bei Basler bereits in der Schule: Praktikanten werden gern genommen. „Es ist sinnvoll, dass wir junge Menschen, die sich für unser Unternehmen interessieren, früh kennenlernen“, sagt Andrea Kawalkowski aus der Basler-Personalabteilung. „Die Schüler haben die Chance, das Produkt und die Wertschöpfungskette kennenzulernen. Sie erfahren, was wir tun und wie die Menschen hier miteinander arbeiten.“

Basler ist nicht nur offen für Praktikanten und nimmt etwa 30 im Jahr auf, sondern forciert auch den regelmäßigen Austausch. „Wir kooperieren mit Schulen, insbesondere in Partnerschaften mit der Selma-Lagerlöf-Gemeinschaftsschule in Ahrensburg und der Anne-Frank-Schule in Bargteheide, die beide sehr fortschrittlich sind, was die Berufsorientierung angeht. Außerdem beteiligen wir uns regelmäßig an der Ausbildungsmesse der weiterführenden Schulen.“

Basler legt Wert auf kognitives Verständnis

Eine erste Chance zum Kennenlernen sind Aktionstage wie Boy’s and Girl’s Day oder Programmierparties wie der Basler Hackathon: „Die Teilnehmer bekommen Einblicke in die Produktion, können etwas basteln oder programmieren. Das ist eine Möglichkeit, sich zu präsentieren“, sagt Anne Leyer. Ihre Kollegin Andrea Kawalkowski ergänzt: „Persönlichkeit und Potenziale, die wir erkennen, können mehr aussagen als gute Noten. Wir legen aber auch viel Wert auf gutes kognitives Verständnis und schnelle Auffassungsgabe. Wenn uns jemand auffällt, wird der Kontakt geknüpft und gepflegt.“

Was über die Rekrutierung von Jugendlichen gesagt werden kann, lässt sich auch auf junge Erwachsene und Hochschüler übertragen. Basler bietet in Zusammenarbeit mit der Berufsakademie Lingen, der Fachhochschule Osnabrück und der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg duale Studiengänge an, insbesondere zur Wirtschaftsinformatik, wahlweise mit technischem oder betriebswirtschaftlichem Schwerpunkt. Für die Qualität der Ausbildung sprechen die Perspektiven: „Sieben von zehn unserer Neueinstellungen sind Absolventen dieses dualen Studiums“, sagt Anne Leyer.

Ein anderes Modell, passende Kandidaten schon während des Studiums zu gewinnen, seien die Werkstudierenden, sagt Kawalkowski. Sie arbeiten bis zu 20 Wochenstunden bei Basler, finanzieren sich so zeitweilig ihr Studium, und manche finden im Basler-Kosmos sogar ein Thema für ihre Abschlussarbeit.

Eine familiäre Atmosphäre, die Bewerbungsstress reduziert

Christoph Lange wurde durch einen Zeitungsartikel auf Basler aufmerksam, als er sich vor dem Abi Gedanken über seine berufliche Zukunft machte. Er hat sich auf der Basler-Website informiert und daraufhin beworben. „Ich wollte praxisnah in einen Beruf einsteigen und deshalb lieber erst eine Lehre machen“, sagt der 22-Jährige. Lange wurde zum Gespräch eingeladen. Das Ergebnis übertraf seine Erwartungen, denn ihm wurde ein Platz fürs duale Studium der Wirtschaftsinformatik angeboten. Inzwischen ist er im dritten Jahr, die Ausbildung zum Fachinformatiker Systemintegration hat er bereits beendet. Den IHK-Abschluss hat er freiwillig an der Wirtschaftsakademie in Kiel absolviert.

Vanessa Ullrich (20) hat 2015 ihre Ausbildung zur Industriekauffrau begonnen. Sie suchte etwas, das eine gute Basis schafft und nicht zu spezialisiert ist. „Bei der Online-Recherche bin ich auf die Basler-Homepage gestoßen“, die ich so ansprechend und informativ fand, dass ich mich beworben habe. Einer ihrer ersten Eindrücke war „die familiäre Atmosphäre“. „Ich wurde herzlich empfangen und angelächelt, das hat den Bewerbungsstress sehr reduziert.“ Sie durchlief das Auswahlverfahren mit Gruppengespräch, Präsentation, Unternehmensrundgang sowie Einzelgesprächen und bekam den Ausbildungsplatz.

Jeder Azubi wird in der Kameramontage eingesetzt

Bereits im ersten Jahr hat sie erfahren, was bei Basler besonders ist: „Ich profitiere davon, dass wir viele Arbeiten nicht an externe Dienstleister geben, sondern inhouse erledigen. Unser hauseigenes Marketing zum Beispiel fertigt Website-Texte und Produktvideos selbst. Das schafft Schnittstellen im Unternehmen und ist hilfreich für das Verständnis der Produkte.“

Wie gut Vanessa und Christoph, die beide wie das Gros der Belegschaft aus der Region stammen, ihr Unternehmen kennen, demonstrieren sie auf einer Kurzführung vorbei an Wareneingang und Produktion. Sie beweisen immer wieder, dass sie bis in Details hinein wissen, was hergestellt wird. Vor Vitrinen, in denen Kameras und elektronische Bauteile, Widerstände, Kondensatoren und gestanzte Bleche für Gehäuse ausgestellt sind, erklären sie, wo die Basler-Produkte zum Einsatz kommen. Die beiden erzählen von Zeilenkameras zum Lesen von Barcodes und Kreditkarten, von Stahlblechen im Walzwerk, die automatisch auf Risse untersucht werden, von Toll Collect und Verkehrsüberprüfung, vom automatisierten Einzelhandel, von Mikroskopie und Medizintechnik. „Jeder Azubi wird auch in der Kameramontage eingesetzt“, sagt Lange.

Viele Mitarbeiter nennen sich beim Vornamen

Doch es ist nicht allein das Verständnis für das, was hier gefertigt wird, das beim Rundgang auffällt, sondern auch der Umgang miteinander. Die meisten Mitarbeiter kennen einander, nennen sich beim Vornamen. „Wir pflegen hier eine Duzkultur“, sagt Andrea Kawalkowski. Die gelte für alle: Der Vorstandsvorsitzende ist auch für Azubis nicht Herr Doktor Ley, sondern einfach Dietmar. Kawalkowski sagt: „Es geht um ein entspanntes Miteinander, aber auch um gegenseitige Wertschätzung. Unsere Geschäftsführer leben das vor.“

Dazu passt die architektonische Offenheit mit viel Tageslicht, offenen Türen, einladenden Sitzecken, Pantrys mit Obstkörben und Getränken für jeden. Herzstück des Gebäudes ist ein Atrium als öffentlicher Marktplatz und Pausen-Lounge mit Sofas und Paravents. „Hier veranstalten wir auch unsere Mitarbeiterversammlungen“, sagt Anne Leyer. Und sie erzählt, dass in der Diskussion mit der Geschäftsleitung jede Frage willkommen, jede Meinung gefragt sei. „Mut zur eigenen Meinung hat mit Selbstbewusstsein zu tun, das auf (Aus-)Bildung basiert. Persönliche Weiterentwicklung ist bei uns ein großes Thema. Das wird nach der Ausbildung mit dem Basler Online College fortgesetzt, wo man sich neue Kompetenzen aneignen kann. Es geht dabei viel um Eigenverantwortung. Wer selbstständig denkt und handelt, kann auch Wissen beitragen.“

Basler sucht ab sofort neue Auszubildende

Das Auswahlverfahren für 2017 hat begonnen, Freie Stellen gibt es für das duale Studium Technische Informatik, das duale Studium Wirtschaftsinformatik mit Schwerpunkt Product- und Marketmanagement, das duale Studium Wirtschaftsinformatik mit Schwerpunkt Informationstechnik und Geschäftsprozesse, das duale Studium Wirtschaftsinformatik mit Schwerpunkt IT-Beratung und Marketing, die IHK-Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung, die IHK-Ausbildung zum Elektroniker für Geräte und Systeme, die IHK-Ausbildung zum Industrieelektriker.Bewerbungen online über www.baslerweb.com