Friedhof

Ahrensburg schafft neue Grabstätte für bedürftige Menschen

Frank Michelsen (l.) von den Stormarner Werkstätten Ahrensburg und Joachim Gersch, Leiter des Friedhofs Ahrensburg, vor den Stelen der neuen Gedank- und Ruhestätte

Frank Michelsen (l.) von den Stormarner Werkstätten Ahrensburg und Joachim Gersch, Leiter des Friedhofs Ahrensburg, vor den Stelen der neuen Gedank- und Ruhestätte

Foto: Lutz Wendler / HA

Der Ahrensburger Friedhof richtet Begräbnisareal für Beschäftigte der Stormarner Werkstätten ein. Gottesdienst ist am Freitag.

Ahrensburg.  Der Wandel in der Bestattungskultur lässt sich auf dem neuen Friedhof in Ahrensburg im direkten Nebeneinander von sehr verschiedenen Gräbern besichtigen. Wären da nicht die vereinzelten Grabsteine, erschiene das Ganze wie ein lichter Park – mit weiten Rasenflächen, die von Büschen, Bäumen und Rhodendronhecken gesäumt werden. Auf den ersten Blick ist nicht zu erkennen, dass auch die zahlreichen, von bunter Naturwiese umgebenen Bauminseln, die sich über das Grün verteilen, Bestattungsorte sind. Erst aus der Nähe sind die Gedenksteine zu erkennen, die darauf hinweisen, dass dort Menschen naturnah bestattet wurden.

Das Ganze ist so zurückhaltend gestaltet, dass auch ein neues Gräberfeld kaum auffällt, das eine hölzerne Tafel als Gedenk- und Ruhestätte für Beschäftigte und Bewohner der Stormarner Werkstätten Ahrensburg, der Stormarner Hilfe und der Lebenshilfe Stormarn ausweist. Zu Füßen von drei Baumstämmen als Stelen sind sieben Gedenksteine in den Boden eingelassen. Die bereits im Herbst 2015 angelegte Ruhestätte wird am Freitag, 8. Juli, um 10.30 Uhr mit einem Gottesdienst von Pastorin Angelika Weißmann in der Kapelle des Neuen Friedhofs offiziell eröffnet.

Urnen von Verstorbenen bisher in Armenbegräbnissen

Das neue Gräberfeld ist eine Initiative von Beschäftigten der Werkstätten, denen ein Ort des Gedenkens an verstorbene Kollegen fehlte. 350 Menschen mit geistigen Behinderungen sind bei den Werkstätten beschäftigt. Die meisten von ihnen haben keine Angehörigen, etwa 270 leben in Wohneinrichtungen und werden von den Stormarner Wegen und der Lebenshilfe Stormarn unterstützt. Die Urnen von Verstorbenen wurden bislang in Armenbegräbnissen anonym dort bestattet, wo es kostengünstig war.

„Für unsere Beschäftigten sind die Werkstätten der Lebensmittelpunkt. Sie haben hier Freunde, die an ihrem Leben teilhaben. Für die war es nicht zu verstehen, dass ein Verstorbener aus dem Leben verschwindet, ohne Spuren zu hinterlassen, und dass es auch keinen Ort der Erinnerung gibt“, sagt Frank Michelsen, Leiter der Ahrensburger Einrichtung. „Unsere Beschäftigten sollten nicht nur einen Anspruch auf Teilhabe am Arbeitsleben haben, sondern auch den auf eine würdevolle Bestattung.“

Kosten teilen sich die Werkstätten und die Lebenshilfe

Bei Friedhofsleiter Joachim Gersch fand Michelsen sofort ein offenes Ohr für seine Idee, eine Ruhestätte für die Werkstätten einzurichten. Gersch arbeitet selbst seit 20 Jahren mit den Werkstätten zusammen, die eine Gruppe von zwölf Gärtnern stellen, ohne die der Betrieb des Friedhofes nicht zu bewältigen wäre. Diese Gruppe hat auch die Pflege der neuen Ruhestätte übernommen. Die Kosten für deren Einrichtung teilten sich die Werkstätten mit der Lebenshilfe und den Stormarner Wegen. Die großzügige Spende einer ehemaligen Mitarbeiterin ermöglichte die Anschaffung der ersten Gedenksteine.

Wie eng die Verbindung von Hauptamtlichen der Werkstätten und Beschäftigten mit Behinderung ist, zeigt sich auf dem Friedhof. Zwei der sieben Gedenksteine dort erinnern an Betreuer, die zu Freunden wurden.