Neubau der Feuerwache

Feuerwehr-Chef : Stoppt den Streit in Reinbek

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René Soukup

Foto: Büddig

Gerd Riemann ist genervt von Debatten über Neubau der Wache am Mühlenredder. Mehrheit der Politiker will Alternativen diskutieren.

Reinbek.  Die Nummer des Bebauungsplanes passt zum Projekt und könnte treffender nicht sein. Es ist die 112. Sie steht für den Neubau der Feuerwache in Reinbek auf dem Grandplatz am Mühlenredder. Viel mehr passt bei diesem Thema aber nicht zusammen. Denn das Vorhaben ist derzeit nicht zu verwirklichen. Zwar hat sich die Politik im April 2014 auf den Standort geeinigt, nachdem es zuvor reichlich Zank gegeben hatte. Inzwischen lehnen ihn die Mehrheit der Stadtverordneten aber ab.

Die Kameraden sind ratlos und der ständigen Diskussionen satt. Sie benötigen ein neues Haus, weil das jetzige an der Klosterbergenstraße nicht mehr zeitgemäß ist. Beistand erhalten sie von Stormarns Feuerwehr-Chef, Kreisbrandmeister Gerd Riemann. Er verfolgt das Geschehen in Reinbek seit Jahren und schlägt Alarm. Der Reinfelder sagt zur Abendblatt-Regionalausgabe Stormarn: „Ich habe keinen Bock mehr darauf. Die Politiker sollen endlich in die Socken kommen.“ Seine Botschaft ist eindeutig: Stoppt den Streit!

Riemann wirft den Entscheidern „Taktieren“ vor

Der 60-Jährige, der seit Oktober 2005 an der Spitze der Wehren des Kreises steht, wirft den Entscheidern „Taktieren und Spielen auf Zeit“ vor. In der vergangenen Woche war Landrat Henning Görtz zu Besuch bei Reinbeks Bürgermeister Björn Warmer und erkundete sich über die Lage. Er sagt: „Ich habe großes Interesse, dass es schnell zu einer Lösung kommt.“ Es gehe darum, dass der Brandschutz gewährleistet sei. Görtz: „Wenn es gewünscht ist, werde ich mich als Moderator einschalten.“

So wie Görtz’ Vorgänger Klaus Plöger. Im Februar 2014 vermittelte er zwischen allen Beteiligten mit dem Ergebnis, dass der Mühlenredder ausgesucht wurde. Zuvor hatte die Politik mit Mehrheit der Stimmen von CDU, SPD und Grünen den Bau einer Wache auf dem Gelände des Betriebshofes beschlossen, obwohl durch Probefahrten bereits nachgewiesen worden war, dass dort und auch anderswo – mit Ausnahme des Mühlenredders – die Hilfsfrist nicht einzuhalten ist. Zehn Minuten nach Alarmierung muss die Wehr jeden Teil von Alt-Reinbek erreichen können. Die Fachaufsichtsbehörde des Kreises lehnte das Vorhaben ab.

Politiker rechnen mit über zehn Millionen Euro

Nachdem vor 26 Monaten der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan am Mühlenredder abgesegnet wurde, nahm das Projekt Fahrt auf. Die Politik suchte ein Gebäude aus. Der Knackpunkt sind jedoch die Kosten: Neben der Wache für rund sieben Millionen Euro, die nicht zur Debatte steht, soll die TSV Reinbek als Ausgleich einen Kunstrasenplatz für rund eine Million Euro bekommen. Auch die Straße muss umgebaut werden. Viele Entscheider rechnen mit mehr als zehn Millionen Euro. Das ist ihnen zuviel.

Solche Argumente kann Reinbeks Bauamtsleiter Sven Noetzel nicht verstehen. Er sagt: „Der Grandplatz ist kaputt. Wir müssen ihn ohnehin anfassen und idealerweise durch einen Kunstrasen ersetzen.“ Dieser sei zeitgemäß und ganzjährig bespielbar.

Mehrheit der Stadtverodneten will Alternativen

Der SPD-Vorsitzende Gerd Prüfer möchte andere Standorte prüfen lassen. Zum Thema Hilfsfrist sagt er: „Die Ergebnisse der damaligen Probefahrten zweifel ich an.“ Der Sozialdemokrat wird einem Bebauungsplan am Mühlenredder ohne untersuchte Alternativen nicht zustimmen. Das gilt auch für die Mehrheit der Stadtverordneten. Das Hamburger Abendblatt hat das Meinungsbild abgefragt.

Am übernächsten Dienstag wird dem Bau- und Planungsausschuss der Entwurfs- und Auslegungsbeschluss vorgelegt. In diesem Gremium ist sogar eine Zustimmung möglich. Der Vorsitzende Heinrich Dierking (Forum 21) hofft, dass es nicht dazu kommt: „Wir sollten nach der Sommerpause einen anderen Standortbeschluss fassen.“ Dann müsste Reinbek wegen der Hilfsfrist aber zwei neue Wachen bauen, sagt Riemann.

Gepasst hat übrigens auch wenig auf einer Informationsveranstaltung der Verwaltung zur Bauleitplanung am Mittwochabend, zu der rund 50 Bürger kamen. Sie wollten vor allem über das Verkehrskonzept diskutieren, was aber nicht Gegenstand der sogenannten frühzeitigen Unterrichtung war. Auch hier gab es viele ratlose Gesichter.

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