Umstrukturierung

Die Polizeistation in Oststeinbek wird endgültig geschlossen

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Susanne Tamm
Uwe Jacobsen, Andreas Appel und Ingo Stoldt verabschieden sich von der Polizeistation Oststeinbek

Uwe Jacobsen, Andreas Appel und Ingo Stoldt verabschieden sich von der Polizeistation Oststeinbek

Foto: Susanne Tamm / BGZ

Protest ohne Erfolg: Die Polizeiwache an der Stormarnstraße wird am Donnerstag geschlossen. Grund ist eine Revier-Unstrukturierung.

Oststeinbek.  Die Proteste haben nichts gebracht: Am Donnerstagabend schließen Polizeioberkommissar Uwe Jacobsen und Hauptkommissar Ingo Stoldt zum letzten Mal ihre Wache an der Stormarnstraße ab. Im Zuge der Revier-Umstrukturierung wird die Polizeistation in Oststeinbek geschlossen. „Die Bürger bekommen einen festen Ansprechpartner in der Glinder Wache“, verspricht der dortige Stationsleiter An­dreas Appel. „Oststeinbek wird aber kein rechtsfreier Raum.“

Die Welt sei in Oststeinbek noch in Ordnung, heißt es

Stoldt und Jacobsen wären gern in ihrem Os’bek geblieben. „Wir kennen hier jeden Strauch“, sagt Jacobsen. Er ist seit 1975 bei der Polizei, seit 1979 in Glinde und am 30. Juni auf den Tag genau 27 Jahre in Oststeinbek. Der 60-Jährige glaube nicht, dass die Zahl der Straftaten steigt, nur weil die Polizei nicht mehr vor Ort sein wird.

Zu Beginn seiner Dienstzeit gab es in Oststeinbek noch keine Streifenwagen. „Wir nutzten Privatwagen und bekamen Kilometergeld“, erinnert sich Jacobsen. Einmal musste er eine Sicherheitsleistung für einen Fahrraddieb verhängen, der keinen festen Wohnsitz hatte. 300 Mark sollten aus Ungarn überwiesen werden. „Ich konnte auf die Schnelle kein Polizeikonto bekommen und nahm deshalb das Konto meiner Frau. Fast hätte ich Probleme bekommen, denn das Geld ging wieder zurück. Irgendwie haben wir es doch noch hinbekommen – heute wäre das undenkbar.“ Zwei Tötungsdelikte gab es während seiner Zeit in Oststeinbek.

In Oststeinbek sei die Welt noch in Ordnung

Ingo Stoldt hingegen erinnert sich gut an einen Mord in der Havighorster Feldmark vor zwei Jahren. „Saukalt war es. Die Hamburger Kollegen hatten schon eine halbe Stunde lang ermittelt, bis sie merkten, dass sie in Schleswig-Holstein waren.“ Schwer waren für die beiden Polizisten immer die Fälle, bei denen sie den Angehörigen Todesnachrichten überbringen mussten. Zum Beispiel, als ein Havighorster mit seinem Wagen auf den Boberger Bahnschienen von einem Zug erfasst wurde. Hilfreich seien die Seelsorger vom Kreis, die sie nun hinzurufen können. „Das klappt hervorragend“, stimmt Jacobsen seinem Kollegen zu. „Innerhalb einer Dreiviertelstunde sind die bei uns.“

Doch eigentlich sei die Welt in Oststeinbek noch in Ordnung. „Ich musste hier noch nie jemanden aus der Wache werfen. Das war in Glinde anders.“ Wie aufs Stichwort hält beim Foto-Termin ein Wagen am Straßenrand, der Fahrer hupt und grüßt. „Ich kann noch nicht einmal in Fahrradklamotten unerkannt durch den Ort radeln“, beschwert sich Stoldt mit einem Augenzwinkern. Er wird am 1. Juli zunächst seinen Urlaub genießen und dann seinen Dienst als Leiter der Station in Aumühle antreten.

Für Jacobsen ist es der Abschied vom Berufsalltag der Polizei: Der 60-Jährige geht in den Ruhestand. Und darauf freut er sich: „Es gibt nichts Schöneres als ,Rente’“, sagt der Willinghusener. „Ich werde keine Langeweile haben.“

( st )

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