Bad Oldesloe

Mord- und Bombendrohung gegen Rettungsleitstelle

| Lesedauer: 4 Minuten
René Soukup
In diesem Gebäude arbeitet die Rettungsleitstelle, Mitarbeiter anderer Abteilungen waren am Sonnabend nicht im Haus

In diesem Gebäude arbeitet die Rettungsleitstelle, Mitarbeiter anderer Abteilungen waren am Sonnabend nicht im Haus

Foto: rtn, peter wuest / rtn

Zwei Sprachnachrichten laufen im Gebäude der Kreisverwaltung ein. Krisenstab tritt zusammen. Polizei kann Absender ermitteln.

Bad Oldesloe.  Es waren ereignisreiche Stunden für die Mitarbeiter der Rettungsleitstelle in Bad Oldesloe. Und solche, die selbst krisenerprobte Menschen nicht kalt lassen. Am Freitag ging im Gebäude der Kreisverwaltung in der Mommsenstraße 13 eine Morddrohung per SMS als Sprachnachricht ein, einen Tag später eine Bombendrohung nach demselben Muster. Daraufhin wurden am Sonnabend die Technischen Einsatzleitungen der Kreise Stormarn, Ostholstein und Herzogtum Lauenburg in Alarmbereitschaft versetzt. Landrat Henning Görtz, Kreisbrandmeister Gerd Riemann und Leitstellenchef Carsten Horn trafen vor Ort zusammen, bildeten einen Krisenstab. Nach rund zwei Stunden gab die Polizei Entwarnung.

Die Bombendrohung wurde um 17.34 Uhr verschickt. Zu diesem Zeitpunkt hatte Schichtführer Kai Lichte Dienst in der Rettungsleitstelle. Der 43-Jährige hörte die Nachricht, die von einer Computerstimme gesprochen wurde, ab. Den Wortlaut schildert er so: „Unter 22 Uhr werden Bomben explodieren.“ Und als Zusatz die Aussage „Leben oder Sterben“. Sofort setzte Lichte seine Kollegen, den Vorgesetzten und die Polizei in Kenntnis.

Polizei bereitete Einsatz von Sprengstoffhunden vor

Henning Görtz war gerade mit seiner Frau bei Freunden in Delingsdorf zu Besuch, als ihn die Nachricht ereilte. Er machte sich schnell auf den Weg nach Bad Oldesloe. Dort traf er auch auf Torben Klöhn, der beim Kreis für den Katastrophenschutz zuständig ist. Görtz ist befugt, das Gebäude evakuieren zu lassen. Davon sah er aber ab, hielt Kontakt zur Polizei. Die bereitete schon den Einsatz von Sprengstoffhunden vor und versuchte parallel, den Anruf zurückzuverfolgen.

Währenddessen wurde das Personal in der Leitstelle aufgestockt. Normalerweise sind an einem Sonnabend fünf Mitarbeiter im Einsatz, wegen der Bombendrohung und der Wetterlage kamen vier hinzu. Lichte sagt: „Die Feuerwehren hatten mehr als 200 Einsätze in Ostholstein und Herzogtum Lauenburg.“ In Stormarn seien es fünf gewesen. Hektik ob der Bombendrohung sei nicht ausgebrochen. „Für uns war die Abarbeitung der Unwetterlage vorrangig“, so der Schichtführer. In der Leitstelle gehen alle 112-Notrufe aus den drei Kreisen ein.

Zuerst war von zwei Tätern die Rede gewesen

Lichte sagt, solche Drohungen wie in den vergangenen Tagen habe er noch nie erlebt. „Freitag ging eine Morddrohung über denselben Weg ein.“ Den Inhalt gibt er mit den Worten „Ihr werdet alle sterben“ wieder. Die Polizei in Bad Oldesloe konnte am Sonntag zu den Vorkommnissen keine Angaben machen, im Fall der Bombendrohung aber die Kriminalpolizei in Lübeck. Ein Mitarbeiter sagte: „Es war eine offensichtlich verwirrte junge Frau.“ Nach Information der Abendblatt-Regionalausgabe Stormarn stammt sie aus Ostholstein. Der Beamte bestätigte, dass über ihre Nummer schon öfters Belästigungen verschickt worden seien. Er sagt: „Wir haben versucht, die Dame anzutreffen. Das ist uns aber nicht gelungen.“

Zuerst war die Rede von zwei Tätern gewesen. Die Polizei spricht in diesem Zusammenhang von Ermittlungen, die aber nicht ans Ziel geführt hätten. Um 19.30 Uhr informierte sie den Krisenstab in Bad Oldesloe über ihre Erkenntnisse. Nämlich, dass sich im Gebäude keine Bombe befindet und man den Absender der SMS ausfindig gemacht hat. Das sorgte für Erleichterung bei Landrat Henning Görtz. Der sagt: „So eine Drohung ist unverantwortlich. Dafür gibt es keine Entschuldigung.“ Er werde am heutigen Montag Strafanzeige erstatten.

Probleme mit Besetzung der Führungsposition

Die Rettungsleitstelle stand in der Vergangenheit mehrfach in den Schlagzeilen, unter anderem wegen Problemen mit der Besetzung der Führungsposition. Im März dieses Jahres kündigte Dagmar Thomitzek nach fünf Monaten an der Spitze. Ihr Vorgänger Frank Wojciechowski war kaum mehr als ein Jahr im Amt, bevor er das Handtuch warf. Auch wurden vier Strafanzeigen gegen Mitarbeiter wegen unterlassener Hilfeleistung erstattet, die Verfahren aber eingestellt.

Die Leitstelle ist für rund 625.000 Einwohner zuständig. Im Sommer kommen etwa eine Million Touristen dazu. Ihr Zuständigkeitsbereich ist 3421 Quadratkilometer groß und reicht von Geesthacht bis zur Insel Fehmarn, von Tangstedt bis zur Landesgrenze zu Mecklenburg-Vorpommern.

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