Stormarn
Kultur

So wollen Bargteheider ihr Kleines Theater retten

Der Vorstand des neuen Vereins (v. l.):  Joachim Krämer (Öffentlichkeitsarbeit), Anja Liebnau (Programm), Olaf Nehls (Vorsitzender), Angela Kroß (Organisation) und Rainer Wiegard (Finanzen)

Der Vorstand des neuen Vereins (v. l.): Joachim Krämer (Öffentlichkeitsarbeit), Anja Liebnau (Programm), Olaf Nehls (Vorsitzender), Angela Kroß (Organisation) und Rainer Wiegard (Finanzen)

Foto: Finn Fischer / HA

Neu gegründeter Verein kümmert sich um den Betrieb der Bühne. Er setzt auf bewährte Künstler, will aber auch Neues ausprobieren.

Bargteheide In fünf Tagen, am 30. Juni, scheidet die Kulturmanagement gGmbH offiziell aus dem Theaterbetrieb im Kleinen Theater in Bargteheide aus und wird aufgelöst. Jetzt übernimmt ein neuer Verein den Kulturbetrieb: der Verein „Kleines Theater Bargteheide“. Er ist entstanden aus dem bisherigen Förderverein, der seine Arbeit im Zuge der Neugründung einstellt. „Wir verstehen uns neben dem Kino und der Gastronomie als einer von drei Partnern, die den Theaterbetrieb künftig gestalten“, sagt Olaf Nehls, Vorsitzender des Vereins.

Ende Mai hatte sich schon der Hauptausschuss der Stadt für die Vereinslösung ausgesprochen . Olaf Nehls sagt: „Jetzt haben auch die Mitglieder des bisherigen Fördervereins ihre Zustimmung gegeben – und das mit großer Mehrheit.“ Damit herrscht endlich Klarheit über die Zukunft des Theaterbetriebes, vor allem für die bisherigen Nutzer der Bühne.

Auch der neue Bürgermeister soll im Vorstand mitarbeiten

Konkret ist der Verein in verschiedene Kompetenzbereiche aufgeteilt: Finanzen, Öffentlichkeitsarbeit, Technik, Organisation und Programm. Weiter soll es einen Kulturberater geben. Auch der künftige Bürgermeister, der an diesem Sonntag gewählt wird, soll im Vorstand sitzen. Die lange anhaltende Planungsunsicherheit sorgte unter Theaternutzern in Bargteheide zunehmend für Unbehagen. Zuletzt kündigte das bekannte Oldie-Kabarett um Leiter Dietmar Loeffler an, möglicherweise an einen anderen Spielort zu wechseln. In den Marstall nach Ahrensburg oder nach Bad Oldesloe, wo im September das neue Kultur- und Bildungszentrum (KuB) eröffnet wird. Doch nun gibt es ein verlässliches Konzept. Unter dem Vorsitz von Olaf Nehls kümmert sich Ex-Landesfinanzminister Rainer Wiegard um das Budget, Angela Kroß übernimmt die organisatorische Arbeit. Werner Reese, ehemaliger technischer Leiter bei Studio Hamburg – er ist mittlerweile in Altersteilzeit – wird Ansprechpartner für die Technik sein. Während die Lichttechnik noch ohne Probleme weiter nutzbar ist, muss die Tontechnik von analog auf digital umgerüstet werden. Auch in das Gebäude soll investiert werden. Derzeit laufen unter den drei Partnern – dem Verein, Kino und dem Restaurant – Gespräche über die Erneuerung der Fassade. Der Theatersaal soll barrierefrei und die sanitären Anlagen renoviert werden. Hauptaufgabe des jetzt unter neuem Namen und Besetzung arbeitenden Vereins ist allerdings die Programmgestaltung an mindestens 65 Abenden im Jahr – die anderen 300 Tage sind dem Kino vorbehalten. Hier wird sich allem Anschein nach zunächst nicht viel ändern. Der Verein setzt auf bewährte Künstler: LaLeLu, Hidden Shakespeare, Alma Hoppe und Co. Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Die Veranstaltungen sind meistens ausverkauft. Doch es soll auch an neuen Shows gearbeitet werden. „Es wird mehr Kleinkunst geben, Lesungen, Vorträge sowie Kabarett“, sagt Olaf Nehls. Auch ein jährlich wiederkehrendes Sommerfest werde diskutiert. Der Verein ist auch im Gespräch mit dem Bargteheider Poetry-Slam-Kollektiv „Wort für Wort“. „Da stehen wir noch am Anfang“, sagt die Vize-Vorsitzende Angela Kroß. Der neue Verein strebt an, ab dem kommenden Jahr mindestens 17 Veranstaltungen direkt zu organisieren.

Die Teilnahme am Kulturbeirat steht jedem offen

In enger Kooperation mit Bargteheider Kulturschaffenden sollen die weiteren Tage mit Programm gefüllt werden. In einem Kulturbeirat sind Nutzer des Theaters wie die Theaterwerkstatt, der Verschönerungsverein Bargteheide (VVB), das Oldie-Kabarett und die Stadt ständige Mitglieder. Manfred Kutsche, Vorsitzender des Kulturrings, und Hans-Peter Jansen vom Cinema Paradiso – beides Kritiker der Vereinslösung – hatten angekündigt, nicht im Beirat mitzuwirken. Hier werden die Mitglieder des Vereins noch Überzeugungsarbeit leisten müssen. Rainer Wiegard: „Die Teilnahme am Kulturbeirat ist keine Pflicht, aber sie steht jedem offen.“

Ein Großteil der Vereinsarbeit wird hinter den Kulissen ablaufen. Eine wichtige Neuerung wird den Kino- und Theaterbesuchern jedoch viel Zeit sparen: „Wir wollen die Homepage neu aufbauen, auf der das komplette Programm dann sofort einsehbar ist“, sagt Olaf Nehls. Auch ein einheitliches Ticket- und Bestellsystem werden kommen. Bisher müssen sich Besucher ihre Programminformationen auf verschiedenen Webseiten von Kulturring, Kino, Theater und Co. zusammensuchen.