Stormarn
Kommunalpolitik

Bargteheider wählen am Sonntag ihren Bürgermeister

Einer von beiden wird am Sonntag zum Bürgermeister gewählt: Birte Kruse-Gobrecht (47) und Sven Noetzel (44)

Einer von beiden wird am Sonntag zum Bürgermeister gewählt: Birte Kruse-Gobrecht (47) und Sven Noetzel (44)

Foto: Harald Klix / HA

Knapp 13.300 Einwohner dürfen über neuen Bürgermeister abstimmen. Birte Kruse-Gobrecht und Sven Noetzel wollen das Rathaus führen.

Bargteheide.  Jeder elfte Bargteheider hat seine Stimme für die Bürgermeisterwahl schon abgegeben. Genau 1216 der 13.262 Wahlberechtigten haben bis jetzt von der Möglichkeit der Briefwahl Gebrauch gemacht. Das entspricht 9,2 Prozent. Die Stormarner Gleichstellungsbeauftragte Birte Kruse-Gobrecht (47) oder der Reinbeker Bauamtsleiter Sven Noetzel (44): Einer von beiden wird neuer Chef im Rathaus.

Wer es sein wird, dürfte schon bald nach Schließung der Wahllokale in Bargteheide am kommenden Sonntag feststehen. Da es nur zwei Kandidaten gibt, dürften die Stimmzettel zügig ausgezählt sein. „Bisher läuft alles planmäßig“, sagt Herbert Sczech, Wahlleiter im Rathaus, gegenüber dem Abendblatt. Die Bargteheider CDU hatte ihren Favoriten Sven Noetzel schon am 21. März nominiert. Der Diplom-Bauingenieur ist seit fünf Jahren Amtsleiter in Reinbek und ehrenamtlicher Fraktionsvorsitzender der CDU in der Bezirksversammlung von Hamburg-Bergedorf. Dort wohnt er mit Ehefrau Christiane und drei Söhnen im Alter von neun Monaten bis acht Jahren.

Beide Kandidaten verteilten reichlich Lob für die Stadt

Die parteilose Birte Kruse-Gobrecht gab ihre Bewerbung Anfang Mai ab mit den Unterschriften von 150 Unterstützern ab. Der Grünen-Ortsverband unterstützt die 47-Jährige, die neben ihrer Halbtagsstelle als Gleichstellungsbeauftragte bei der Kreisverwaltung als selbstständige Personalberaterin arbeitet. Kruse-Gobrecht lebt mit Partner und ihren elf und 18 Jahre alten Kindern in Tremsbüttel.

Im Wahlkampf verteilten beide Kandidaten reichlich Lob für die schuldenfreie Stadt Bargteheide und ihre engagierten Bürger. Mehr Bürgerbeteiligung und Transparenz bei Entscheidungen: Auch bei diesen Themen gab es große Schnittmengen. Noetzel versuchte, mit seiner Verwaltungserfahrung („Ein Profi“) zu punkten. Dagegen stellte Kruse-Gobrecht ihr berufliches und privates Wirken in Stormarn („Eine von hier“) heraus.

Neuwahl weil Henning Görtz zum Landrat gewähllt wurde

Die Neuwahl ist erforderlich, weil der bisherige Bürgermeister Henning Görtz (49) im Januar zum Stormarner Landrat gewählt wurde. Er führte die Verwaltung in seiner Heimatstadt seit Dezember 2008. Bei seiner ersten Wahl hatte sich der CDU-Mann mit 59,7 Prozent gegen Susanne Danhier (SPD) und Marianna Janz-Wecke (Wählergemeinschaft WfB) durchgesetzt. Im Mai 2014 erreichte Görtz ohne Gegenkandidaten 80,7 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 54,7 Prozent.

Die SPD stellt diesmal keinen eigenen Bewerber. Ihr Wunschkandidat hatte sich kurz vor der entscheidenden Mitgliederversammlung zurückgezogen. Die Partei gibt ebenso wie die FDP und die Wählergemeinschaft für Bargteheide keine Wahlempfehlung ab.

Birte Kruse-Gobrecht: „Der Bahnhof ist ein Schandfleck“

Wie lautet Ihr Fazit zum Ende des Wahlkampfs?

Birte Kruse-Gobrecht: Ich erlebe sehr viel Offenheit. Parteiunabhängigkeit und Vor-Ort-sein ist in dieser kleinen Stadt wichtig. Immer wieder wurden Kinderbetreuung und Mobilität angesprochen. Aber auch einfache Dinge, ob zum Beispiel das Laub von der städtischen Linde auch von der Stadt abgeholt werden kann.

Gab es Dinge, die Sie positiv überrascht haben?

Kruse-Gobrecht: Gefühlt ganz viel Zuspruch. Viele Menschen sind erfreut, dass sie dank meiner Kandidatur eine echte Wahl haben. Und etliche haben gefragt, wie sie unterstützen können.

Und was hat Sie geärgert?

Kruse-Gobrecht: Das Kompetenzthema auf politischer Ebene. Früher sagte man, Frauen müssen doppelt so gut sein, um die Position von Männern zu erreichen. Ich dachte, das hätten wir 2016 längst hinter uns. Wenn ich die Strategie des Gegenkandidaten sehe, denke ich: Das will niemand mehr hören. Es verwundert, wie schmallippig die Herren manchmal reagieren.

Wie schätzen Sie die Wahlbeteiligung ein?

Kruse-Gobrecht: An den letzten Terminen war parallel immer eine zweite Wahl. Aber jetzt geht’s auch um einiges. 50, 60 Prozent wären wunderbar.

Welche drei konkreten Themen würden Sie bei einem Erfolg als Erstes angehen?

Kruse-Gobrecht: Den Bahnhof, der ist eher Schandfleck als Aushängeschild. Auch wenn die Gemengelage zwischen Eigentümer und Stadt schwierig ist, sind die Seiten gar nicht so weit auseinander. Dann die Ganztagsbetreuung für Kinder. Wir sollten Eltern und Träger der Einrichtungen an einen runden Tisch holen. Als Drittes Tempo 30 vor dem Seniorendorf.

Was machen Sie Sonntagabend?

Kruse-Gobrecht: In der Coffee Lounge werden wir mit Unterstützern, Familie und Freunden auf die Ergebnisse warten. Und hoffentlich ordentlich feiern.

Sven Noetzel: „Langfristig ohne Schulden auskommen“

Wie lautet Ihr­ ­Fazit zum Ende des Wahlkampfs?

Sven Noetzel: Dass Bargteheide zurecht die lebendige Stadt Stormarns genannt wird und dass ich froh bin, hier als Bürgermeister zu kandidieren. Die einladende und konstruktive Art der Bürger fordert ja dazu auf, dabei sein zu wollen. Ich habe viele interessante Menschen kennengelernt.

Gab es Dinge, die Sie positiv überrascht haben?

Noetzel: Ich war überrascht, dass mich bei den Hausbesuchen circa 80 Prozent der Menschen sofort erkannt haben. Das zeigt, wie viel Interesse an der Bürgermeisterwahl und der Zukunft der Stadt besteht. Und: Es gab ausnahmslos konstruktive Gespräche.

Und was hat Sie geärgert?

Noetzel: Nichts wirklich.

Wie schätzen Sie die Wahlbeteiligung ein?

Noetzel: Ich hoffe auf eine hohe Beteiligung. Bargteheide traue ich über 50 Prozent zu, weil die Menschen so an der Zukunft ihrer Stadt interessiert sind. Obwohl: Es ist eigentlich schon sehr traurig, wenn eine Wahlbeteiligung von 50 Prozent als hoch gilt.

Welche drei konkreten Themen würden Sie bei einem Erfolg als Erstes angehen?

Noetzel: Die Fortsetzung und Optimierung des Bürgerdialogs zur Stadtentwicklung, die Diskussion für die Vereinheitlichung der Qualitätsstandards bei der Nachmittagsbetreuung der Schülerinnen und Schüler intensivieren. Außerdem möchte ich, dass der Haushalt auch langfristig ohne Schulden auskommt. Deshalb muss weiter nach sinnvollen Einsparpotenzialen gesucht werden und die Einnahmesituation durch eine kluge Gewerbeentwicklung langfristig gestärkt werden.

Was machen Sie am Sonntagabend?

Noetzel: Da bin ich natürlich in Bargteheide, werde mit meiner Familie in den Ratssaal gehen und auf die Ergebnisse warten. Danach geht es zur CDU-Veranstaltung ins Kleine Theater.

Lesen Sie am Sonnabend: Wie gut kennen die Kandidaten Bargteheide? Wir haben ihnen 20 Fragen gestellt.