Stormarn
Kriminalität

Navi-Dieb gefasst: Mögliches Ende der Serie in Stormarn?

Oft haben die Verbrecher Autotüren mit einem Kuhfuß auf, wie auf diesem Symbolbild. Oft schlagen sie aber auch die Seitenscheiben des Fahrzeugs ein

Oft haben die Verbrecher Autotüren mit einem Kuhfuß auf, wie auf diesem Symbolbild. Oft schlagen sie aber auch die Seitenscheiben des Fahrzeugs ein

Foto: Jens Schierenbeck / picture alliance / dpa Themendie

Die Zahl der Taten in Ahrensburg und Großhansdorf sinkt. Die Kripo sieht einen Zusammenhang mit einer Festnahme in Hamburg.

Ahrensburg.  Fast täglich wurden in Ahrensburg, Großhansdorf und anderen Stormarner Kommunen Autos aufgebrochen. Die Täter kamen meist nachts, schlugen Seitenscheiben ein, bauten Multimedia-Systeme und Airbags fachmännisch aus. Allein in Ahrensburg und den umliegenden Gemeinden registrierte die Kripo im Mai 55 Autoaufbrüche. In Reinbek und den umliegenden Gemeinden und Städten waren es 38. Die Täter hatten es besonders auf Fahrzeuge der Marken BMW, Mercedes und VW abgesehen. Doch Anfang dieses Monats riss die Aufbruchserie abrupt ab. Stormarns Polizeisprecher Holger Meier sagt: „Die Zahl geht seitdem gegen Null.“

Die Freude der Ermittler wird wohl nicht lange währen

Die Ermittler vermuten, dass es einen Zusammenhang mit einer Verhaftung in Hamburg gibt. Dort stellten Beamte in der Nacht zum 3. Juni einen Litauer, in dessen Auto sie einen ausgebauten Airbag sowie ein Navigationsgerät sicherstellten. Das Diebesgut stammt aus zwei Autoaufbrüchen in Ahrensburg und Großhansdorf, sagt Polizeisprecher Meier. Ob der Verbrecher für weitere Taten in Stormarn verantwortlich ist, ob er Mitglied einer organisierten Bande ist, das müssen nun weitere Ermittlungen in der Hansestadt ergeben. Der Litauer sitzt seit seiner Festnahme in Untersuchungshaft. „Vielleicht hat das auch eine abschreckende Wirkung“, vermutet Meier. Doch lange dürfte die Freude über diesen Erfolg nicht währen. Denn Experten gehen davon aus, dass zurzeit mehrere osteuropäische Banden auf Diebestour sind. Der Verein ADAC Hansa in Hamburg spricht sogar von „Diebstählen auf Bestellung“.

Die Fachleute des Automobilclubs schätzen, dass die Täter lediglich drei bis fünf Minuten benötigen, um eine Seitenscheibe einzuschlagen, ins Wageninnere zu gelangen und Airbags, das Lenkrad und das Navigationsgerät fachmännisch auszubauen. Dazu verwenden sie je nach Autotyp und Modell Spezialwerkzeug. Das Diebesgut wird später nach Osteuropa gebracht und an Werkstätten verkauft, so die Erfahrung der Kriminalpolizei. Eine Multimediasystem zum Beispiel, das hierzulande rund 3000 Euro kostet, wird in osteuropäischen Länder für 300 bis 500 Euro verkauft.

In Hamburg wurden Täter aus Lotauen festgenommen

Beispielsweise sprengten Ermittler im vergangenen Jahr in Essen eine Bande aus Litauen, die rund ein Jahr sowohl in Deutschland als auch in ihrer Heimat observiert worden war. Bei einer Razzia nahmen die Beamten im Oktober fast 50 Mitglieder der Bande fest, stellten Diebesgut im Wert von 4,2 Millionen Euro sicher. Zwar wurden mehrere Bandenmitglieder nach Deutschland ausgeliefert und damit aus dem Verkehr gezogen, doch für die Ermittler war damals klar, dass es genug Kriminelle aus Osteuropa gibt, die das Geschäft hier fortführen.

Auch in Stormarn gelang es Hamburger Zivilfahndern, mehrere Täter aus Litauen festzunehmen. Die Autoaufbrecher hatten in Glinde ein Hotelzimmer angemietet, gingen von dort aus auf Diebestour. Der Schaden, den Autoaufbrecher pro Jahr anrichten, wird bundesweit auf mehrere Millionen Euro geschätzt. Allein in Stormarn registrierte die Polizei bei 949 Taten in 2015 einen Schaden in Höhe von mehr als 1,2 Millionen Euro. Dabei erfassen die Ermittler nur den Wert der gestohlenen Gegenstände, der Schaden am Auto wird in dieser Summe nicht berücksichtigt. Rechnete die Polizei noch die Reparaturkosten hinzu, fiele die Summe weitaus höher aus.

Hälfte aller Taten in Stormarn geschah in vier Kommunen

Die meisten Autoaufbrüche erfasst die Polizei in Ahrensburg. Im vergangenen Jahr zählten die Ermittler allein in der Schlossstadt 167 Taten. In Reinbek gingen die Autoaufbrecher 122-mal ans Werk. In Oststeinbek und Barsbüttel waren es je 91 Taten. Damit wurde allein in diesen vier Städten und Gemeinden die Hälfte aller in Stormarn registrierten Taten begangen.

Schützen können sich Autofahrer kaum vor den Autoaufbrechern. Zumeist schlagen diese eine Seitenscheibe des Fahrzeugs ein, um so ins Wageninnere zu gelangen. Laut ADAC wurden sogar Autos aufgebrochen, die nachts neben dem Schlafzimmerfenster der Halter geparkt waren. Deswegen rät der Automobilclub allen Autofahrern, eine gute Versicherung abzuschließen. Die Polizei appelliert zudem an die Bürger, wachsam zu sein und bei verdächtigen Beobachtungen sofort den Notruf 110 zu wählen.